Eigentlich wollte ich gar nicht darüber schreiben. Allerdings gibt es Themen, die einem nicht aus dem Kopf gehen. Das ist für mich dann ein klares Zeichen: Ein Text will geschrieben werden, ansonsten finde ich keine Ruhe. Es geht um ein Thema, das mir naheliegt. Eine IP, die ich gerne schaue oder Bücher davon lese. Ein Unternehmen, das gerade drauf und dran ist, diese IP zu zerstören. Mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass dies mutwillig passiert. Weshalb genau, kann ich nicht sagen, anders lässt sich aber die katastrophale PR nicht erklären. Worum geht es? Disneys aktuelles Vergehen an den Star Wars Rechten und der Serie The Acolyte. Also, los gehts.
Auf YouTube kann man sich die katastrophale PR zur Serie ansehen. Sie ist dermaßen auf dem Thema »woke« aufgebaut und redet über nichts anderes, sodass selbst mir es zu viel wird. Dabei mag ich es, wenn Filme, Serien, Bücher etc. mutige Entscheidungen treffen. Ich würde es gerne sehen, wenn in einer Star Wars Serie 50 % der Charaktere queer sind. Egal auf welche Art und Weise. Doch der Fokus sollte nicht auf die Queerness der Charaktere liegen, sondern auf die Geschichte. Die Charaktere müssen sich weiterentwickeln, müssen Fehler haben, müssen Fehler machen dürfen, um aus diesen lernen zu können. Greifbare Personen und Wesen aus dem Star Wars Universum, denen man gerne bei ihren Abenteuern zusieht. Doch das, was The Acolyte macht, scheint alles andere als gut zu sein.
Ich weigere mich, der Serie überhaupt eine Chance zu geben. Zu sehr schrecken mich die Reviews und Interviews mit den „Stars“ der Serie ab. Da werden Aussagen getroffen, die allen Fans ein Schlag ins Gesicht sind. Anakin wird mit Luke verwechselt, wenn es um die Zerstörung des Todessterns geht; R2D2 wird als lesbisch bezeichnet; die einzige Charakterzuschreibung, die eine Person des Casts für ihre Figur findet, ist »strong, female leader«; George Lucas wird beleidigt; der Kern von Star Wars wird als so toll beschrieben, weil es keine definitiven guten oder bösen Seite gäbe. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Dabei geht es mir nicht einmal um die Verwechslung der Charaktere. Kann im Eifer des Gefechts, man ist vielleicht nervös, durchaus passieren. Aber ein dermaßen respektloser Umgang mit dem, was George Lucas geschaffen hat, ist einfach nur falsch. Was der Regisseurin nicht bewusst sein mag, ist: vor 1977 gab es kein Star Wars. George Lucas hat ein gesamtes Universum geschaffen, das Fans und Autor*innen über die Jahre immer weiter verfeinert haben. Er mag mit den Prequels keine Meisterwerke geschaffen haben und hätte sich vielleicht Unterstützung holen sollen, wie bei den anderen Filmen, trotzdem sind es interessante, komplexe Geschichten, mit dreidimensionalen Charakteren.
Nicht zu vergessen, dass er mit Mon Mothma, Leia und Amidala bereits starke Frauenfiguren geschaffen hat, die die jeweilige Rebellion ihrer Zeit angeführt haben. Lando führt als Schwarzer die Flotte der Rebellen gegen den Todesstern. Wenn man R2D2 schon eine Zuschreibung aufhalsen möchte, dann doch bitte eine asexuelle Beziehung mit C-3PO. Die beiden sind das bildgewordene Klischee eines »old married couple«. Und selbstverständlich ist der Kern von Star Wars gut gegen böse. Es sind unüberlegte, dumme Aussagen, die davon zeugen, dass sich niemand von den Beteiligten auch nur annähernd mit Star Wars beschäftigt hat.
Dabei fange ich noch nicht einmal an, mich über die Änderungen aufzuregen, die die Regisseurin mit dem Konzept der Macht vorhat. Man scheint sich nicht bewusst zu sein, dass es die Fans sind, die Star Wars zu dem gemacht haben, was es bis vor ein paar Jahren war. Doch seit Disney das Ruder in der Hand hat, wird diese Marke Stück für Stück auseinandergenommen. Die Fans sind egal.
Die Tag-Line von Star Wars ist »Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis«. Es ist Fantasy, Science-Fiction. Da sollten Konzepte wie Sexualität und dergleichen keine Rolle spielen. Die Charaktere sollten einfach queer sein dürfen, ohne dass es einer Erklärung bedarf oder unsere Begriffe benutzt werden. Wenn zwei Männer verheiratet oder zusammen sind, dann ist das einfach so. Und schon gar nicht sollte es zur primären (und wahrscheinlich einzigen) Charakterzuschreibung werden.
Ich hatte mich eigentlich schon auf die Serie gefreut. Sie spielt ja in der gleichen Zeit, wie die Bücher der Initiative »Die hohe Republik«. Ich habe zwar bisher nur eine Handvoll der Bücher gelesen, doch sie waren bisher alle durchaus gut und lesenswert. Sie machen Freude beim Lesen, haben interessante Charaktere, mysteriöse neue Gegner. Es ist ein Zeitalter, das 200 Jahre vor der Skywalker-Saga spielt. So viel Potenzial zu vergeuden, muss man erst einmal hinbekommen.
Wieso lässt man den Autor*innen der Bücher nicht eine Serie konzipieren, die das Zeitalter gut einführt, die Gegner etabliert? Darauf kann man dann weiter aufbauen. Stattdessen gibt man jemandem eine Serie, die keine Ahnung von Star Wars hat, nur ihre eigene (Lebens)Geschichte erzählen will, auf Kosten von Fans, die sie weder respektiert noch kennt. Deshalb kann ich nicht umhin zu denken, dass man diese tolle Marke mutwillig zerstört. Warum auch immer man das tun sollte. Mit Andor hatten sie bereits gezeigt, dass es eigentlich anders geht. Doch das war wahrscheinlich nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.