Ein außergewöhnliches Ende – The Umbrella Academy

Zwei Jahre ist das Finale der dritten Staffel von The Umbrella Academy her. Zwei Jahre mussten wir auf die vierte und leider letzte Staffel warten. In sechs Episoden können wir den Hargreeves noch einmal bei ihren Abenteuern zusehen und mitfiebern. The Umbrella Academy hat mich mit der ersten Staffel, die 2019 auf Netflix erschien, überrascht. Ich kannte und kenne die Comics nicht, weiß nur, dass sie hochgelobt werden. Doch mit dem, was The Umbrella Academy zu bieten hatte, habe ich nicht gerechnet.

Es ist nicht nur ein actionreiches Spektakel. Nein, es gibt viele schöne Momente zwischen den Charakteren. Doch was ist The Umbrella Academy überhaupt? Sir Reginald Hargreeves hat 1989 mit einem außergewöhnlichen Experiment dafür gesorgt, dass 43 Kinder spontan auf die Welt kommen. Frauen, die zuvor am Morgen noch nicht schwanger waren, bekamen spontan Kinder. Diese Kinder sollten jeweils spezielle Fähigkeiten haben. Da dies ein weltweites Phänomen ist, war es für Sir Reginald Hargreeves nicht so leicht, diese Kinder aufzuspüren und in seine Obhut zu bringen. Sieben treibt er auf.

Die Kinder wuchsen bei ihm auf, lernten unter teils fragwürdigen Bedingungen ihre Superkräfte kennen und erledigten Missionen für den exzentrischen Milliardär. In der ersten Staffel begegnen wir den Erwachsenen Versionen dieser Kinder und verfolgen sie bei ihren Abenteuern. Der Twist ist, dass es sich meist um das Ende der Welt dreht, das irgendwie verhindert werden muss und meistens ist einer der sieben Geschwister schuld am Ende der Welt ist – sei es direkt oder indirekt. Es kommen parallele Welten vor, Zeitreisen, Multiversen und noch vieles mehr.

Doch all das wird auf eine selbstironische, unterhaltsame Art erzählt, die Freude macht beim Zuschauen. Die Serie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, doch sie schafft es stets trotzdem intime, gefühlvolle Szenen umzusetzen. Jeder einzelne Charakter ist ausgearbeitet. Die Schauspieler*innen sind durch die Bank fantastisch. Die Geschwister werden porträtiert von Elliot Page, Tom Hopper, David Castañeda, Emmy Raver-Lampman, Robert Sheehan und Aidan Gallagher. Immer wieder entstehen wunderbare Szenen zwischen den Charakteren, die zu viele sind, um sie hier alle gesondert hervorzuheben.

Zwar zählt die finale, vierte Staffel nur sechs Episoden, trotzdem kommen diese wertvollen Szenen immer wieder vor. Es sind dicht gepackt Episoden, in denen sehr viel Geschichte erzählt wird und manchmal könnte man meinen, dass es etwas gehetzt wirkt. Doch dann kommen Sequenzen, die einen Gang herunterschalten und sich Zeit lassen. Zeit lassen, um einen kleinen Ausschnitt en détail zu erzählen und den Charakteren Luft zum Atmen zu geben. Allen voran fällt mir hier natürlich die Sequenz zwischen Five und Lila in der multidimensionalen U-Bahn ein – if you know, you know. Auch das Finale selbst kann tatsächlich überzeugen und ist für mich ein schlüssiges Ende der Serie.

Mich würde es natürlich sehr reizen, jetzt die Comics zu lesen und zu sehen, wo die Unterschiede zur Serie liegen. Doch sind mir die Charaktere in der Form und Darstellung der Schauspieler*innen durchaus ans Herz gewachsen. Der Comic hat da natürlich eine ganz andere Version oder Interpretation. Aber einen Blick riskiere ich auf jeden Fall; ich möchte ja wissen, wo die Serie herkommt.

The Umbrella Academy war ein tolles Abenteuer und eine der wenigen originellen Superhelden-Serien, die man aktuell findet. Kein großes Franchise oder Spin-off oder potenzielles Cinematic Universe oder sonst etwas. Ein erfolgreicher Indie-Comic umgesetzt als Serie, die den richtigen Fokus setzt und sich auf die Charaktere konzentriert. Schade, dass es nur vier Staffeln waren. Aber schön, dass wir diese bekommen haben.