Heute habe ich eine Leseempfehlung, die ich unbedingt teilen wollte. In vielen Städten waren und sind aktuell Prides und natürlich gibt es genug Diskussionen darum. Aber ein Thema habe ich nie wirklich verstanden: warum man zwar eine Pride abhalten möchte, die queeres Leben feiert, aber dann innerhalb der Community darüber diskutiert wird, eine bestimmte Sub-Gruppe davon auszuschließen ist? Es geht natürlich um Pet- und Puppy-Play. Der Text von Jeff Mannes auf queer.de (eine Seite, die ich sowieso empfehlen kann) fasst das Thema hervorragend zusammen und arbeitet wunderbar die Hintergründe und vor allem Missverständnisse mit dem Thema auf.
Was mich erst den Text lesen machte, ist der Verweis auf die seelische und psychische Gesundheit der Kinder. Auch das wird im Text von Jeff Mannes diskutiert. Besonders schön finde ich den Hinweis, dass wir als Erwachsene das Geschehen auf einer Pride natürlich auch mit den Augen eines Erwachsenen beurteilen. Kinder sehen die Welt anders. Das muss man immer mitdenken. Kinder werden oft als Vorwand genommen, warum man dieses oder jenes verbieten sollte.
Ein Beispiel, das mir dazu gleich eingefallen ist, sind natürlich Comics. Ich habe mich jahrelang intensiv mit dem Thema beschäftigt. Und als Fan von Comics kommt man früher oder später an der Comics Code Authority nicht vorbei. Dabei handelt es sich um eine 1954 ins Leben gerufene Selbstkontrolle der Verlage. Sehr stark verkürzt dargestellt: Es gab in den Vereinigten Staaten einen Protest besonders gegen Horror- und Crime-Comics, also jedwede Geschichten, in denen Monster, Kriminalität oder sonstiges dargestellt wurde.
Besonderen Einfluss auf das Thema hatte Fredric Wertham auf diese Bewegung. In seinem nicht gerade subtil betitelten Buch Seduction of the Innocent (Verführung der Unschuldigen) erhob er an den Haaren herbei gezogene Vorwürfe gegen Comics. Unter anderem postulierte er einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Comics und verübten Straftaten und unterstellte den Verlagen, mit dem Teufel verbündet zu sein. Also alles wissenschaftlich fundierte Belege.
Um einem Verbot zu entgehen, haben sich die Verlage schließlich einer Selbstkontrolle unterworfen. Ich kann nur empfehlen, dem Thema mal etwas hinterher zu recherchieren. Wenn man sich aus heutiger Sicht die Einschränkungen und alles, was mit dem Comics Code einherging, durchliest, kann man nur die Hände über dem zusammenschlagen. Der Wikipedia-Artikel ist ein guter Anfang, aber nur die Spitze des Eisbergs.
Jedenfalls wurden damals ebenfalls Kinder als Grund vorgeschoben, etwas zu verbieten, was eigentlich nur Menschen mit einer beschränkten Weltsicht gestört hat. Genauso dienen sie heute noch oft als Vorwand. Der Text Kink ist Pride – und Kinder sollen das sehen! stellt das wunderbar dar, erklärt Hintergründe, steigt etwas tiefer ein und diskutiert auch andere Aspekte des Themas. Mehr, als es wahrscheinlich diejenigen tun, die Dinge verbieten wollen, weil es sie stört. Viel Spaß bei der Lektüre.