MCU Rewatch | Thor: The Dark World

Bisher hatten es zweite Teile im MCU wirklich nicht leicht. Mir kommt es so vor, als ob The Dark World zwar nicht ganz so schlecht aufgenommen wurde wie Iron Man 2, er musste allerdings einiges an Kritik wegstecken. Laut Wikipedia hatte das zweite Abenteuer von Thor die niedrigste Bewertung eines MCU-Films bei Rotten Tomatoes, bis Eternals 2021 in die Kinos kam. Beide haben das, meiner Meinung nach, nicht verdient. Besonders wenn man sich die Ereignisse ansieht, die sich im Film abspielen, finde ich The Dark World noch sehr viel gelungener als kommende Einträge in diesem Franchise.

Doch fangen wir mit dem Titel des Films an: The Dark World. Nichts dabei. Nur, dass er für die deutsche Ausstrahlung in The Dark Kingdom geändert wurde. Ich habe mich noch nie intensiver mit dem Abändern von Filmtiteln auseinandergesetzt. Allerdings habe ich es noch nie verstanden, dass man für die deutsche Vermarktung einen vorhandenen englischen Titel durch einen anderen englischen Titel korrigiert. Gleiches war übrigens bei Mission: Impossible – Ghost Protocol der Fall, der für den deutschsprachigen Markt den Zusatz Phantom Protokoll bekam. Sehr seltsame Entscheidungen, die manchmal zu mehr Verwirrung führen als zu mehr Klarheit. Aber andere Märkte haben ja ähnliche Vorgehensweisen, wie wir beim ersten Avengers-Film gelernt haben.

Kommen wir aber zurück zu Thor. Dieses Mal ist es Jane, die sich nach Asgard begeben darf und dort so eine Art fish-out-of-water-Situation erlebt. Odin plant natürlich sie gleich wieder wegzuschicken, ein paar Klischees müssen eben doch erfüllt werden, sieht aber schnell ein, dass es sehr wohl ihr aller Problem ist. Dass der Infinity Stone hier eine Art Äther ist, der schwebt und in der Gegend herumfliegt und kein tatsächlicher Stein ist durchaus eine nette Idee. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob erklärt wird, wie Thanos ihn in Steinform bringt, aber man muss ja nicht alles erklären.

Malekith als Gegenspieler bleibt leider nicht besonders nachvollziehbar. Seine Ziele sind zu abstrakt, werden nicht genau erklärt. Es heißt lediglich, dass er das Universum in Dunkelheit stürzen will. Dabei ist das eigentlich nicht richtig. Er will in das vorherige Universum zurück, das vor diesem hier bestand. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er, genauso wie der Äther, älter als das Universum selbst und findet sich in diesem neuen Zustand nicht zurecht – Veränderungen sind grundsätzlich immer schlecht, wie wir alle wissen. Ich weiß nicht, ob er in den Comics mehr Hintergrundgeschichte bekommt, aber das besser hervorzuheben und genauer zu formulieren, was er möchte, hätte dem Film sicherlich gutgetan. Genauso wie ein besseres Finale.

Der letzte Kampf zwischen unserem heldenhaften Team rund um Jane, Erik, Thor, Darcy und dem Azubi, sowie dem Bösewicht Malekith, der durch die Kraft des Äthers verstärkt wird, ist etwas enttäuschend. Der Dunkelelf bekommt ein paar Gliedmaßen weg-teleportiert und schon ist er besiegt. Auch wenn ich grundsätzlich ein Duell der Geister schätze (Stargate hat das Beispielsweise wunderbar gemacht, als sich Daniel Jackson mit dem Kollektiv der Replikatoren angelegt hat), wäre hier vielleicht mehr Blitz und Hammer-Action von Vorteil gewesen. So endet der Film recht abrupt und man kann den Sieg nicht wirklich genießen, genauer gesagt auskosten. Er fühlt sich nicht so verdient an.

Dann haben wir noch überraschenderweise zwei Tode im Film. Als Erstes verlieren wir leider Frigga (Rene Russo). Sie stirbt im Kampf mit Malekith. Dieser Kampf hätte ebenfalls etwas ausführlicher sein können. Allerdings spürt man ihren Tod durchaus deutlicher, da er sehr überraschend kommt. Mit dem Begräbnis, der Betroffenheit der Charaktere und der Musik kann der Verlust der Mutter wirken. Das Begräbnis zu See ist fantastisch gestaltet und man fühlt die Wucht der Verluste; toll gemacht. Es geht nicht gleich weiter, sondern man trauert. Auch wenn es später nie wieder zur Sprache kommt.

Beim scheinbaren Tod von Loki ist das ganz anders. Thor verliert zwar seinen Bruder, macht aber dann gleich mit dem Kampf weiter, reißt Sprüche und ist locker drauf. Für ihn ist er doch weg, wir bekommen das allerdings nicht wirklich zu spüren. Vielleicht hätte man mit der Auflösung etwas warten sollen. Was Loki mit Odin gemacht oder wie er sich ihm entledigt hat, wird leider auch nicht erklärt. Darauf müssen wir wohl bis zum nächsten Film warten.

Für mich ist, trotz der genannten Schwächen, Thor – The Dark World ein solider Eintrag ins MCU. Er macht Spaß zu schauen, lässt Momente auf die Zuschauer wirken und findet eine gute Balance. Die Charaktere sind weiterhin großartig besetzt und geschrieben. Alle bekommen ihren Moment im Rampenlicht, ohne dass sie sich gegenseitig im Weg stehen. Selbst Mjölnir wird zugestanden, ein wenig Situationskomik mitzubringen. Selbst die Post-Credit-Szene, die auf Guardians of the Galaxy anspielt, ohne auf diese wirklich einzugehen, ist großartig. Das sind Easter Eggs, die ich gerne sehen mag. Sie passen zum Film, geben etwas mehr Kontext, teasern aber gleichzeitig etwas Neues an, ohne zu sehr abzulenken.