Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal die neue Iteration von God of War gespielt und war durchaus angetan. Das Setting in der nordischen Mythologie hat mich begeistert. Außerdem ist Atreus eine wunderbare Ergänzung. Er ist ein schönes Gegenstück zu Kratos eher emotionsloser, wortkarger Natur. Doch im Laufe dieses neuen ersten Teils taut Kratos immer weiter auf. Wir erfahren mehr über Atreus, seine Mutter, wo sie herkommen und welches Schicksal sie eventuell erwarten könnte. Doch am Ende bleiben ebenso viele Fragen offen. Insofern gehören God of War und die Fortsetzung Ragnarök zusammen. Sie erzählen eine große Reise.
Nun habe ich letztens mit dem zweiten Teil angefangen. Der Einstieg war wirklich phänomenal. Vor allem aber sehr gefühlvoll. Man merkt gleich, dass der Fokus immer mehr auf Atreus übergeht. War der erste Teil noch auf beide Charaktere gleichermaßen ausgerichtet, Vater und Sohn, geht es jetzt darum, Atreus Schicksal kennenzulernen und vielleicht sogar zu verhindern. Das macht sich vorwiegend dadurch bemerkbar, dass man zwischenzeitlich die Kontrolle über Atreus erhält und nicht nur Kratos steuert. Beide haben unterschiedliche Kampfstile und werden hervorragend in Szene gesetzt. Doch genauso sind sie charakterlich anders, haben sich deutlich seit dem Einstieg des ersten Teils verändert und weiterentwickelt. Kratos taut immer mehr auf, wird offener. Atreus auf der anderen Seite ähnelt einem jungen Kratos. Dieser Rollentausch, wenn man es so bezeichnen möchte, führt zu einer interessanten Dynamik.
Die Welt von Ragnarök ist noch einmal beeindruckender, als sie es schon im Vorgänger war. Die Welt hat sich durch den andauernden Winter deutlich verändert, doch man erkennt gewisse Aspekte definitiv wieder. Es ist ein schönes Gefühl, durch ein Gebiet zu streifen, es zu erkunden und zu merken, hier war ich doch schon einmal. Man bereist dieselben Welten wie beim letzten Mal, doch lernt sich von anderen Perspektiven kennen. Auch dank der tollen Nebencharaktere. Mimir ist natürlich wieder mit von der Partie. Eine potenzielle Rivalin aus dem letzten Teil entpuppt sich als starke Verbündete, und Atreus darf auf seinen Solo-Abenteuern ebenfalls neue Leute kennenlernen, die ihm spannende Tricks beibringen. All das sind positive Aspekte und sollten eigentlich dazu führen, dass ich mich in das Spiel hineinsteigern kann und es quasi an einem Wochenende durchsuchten möchte.
Eigentlich. Denn irgendwie mag der Funke nicht so recht überspringen. Nach etwa zehn Stunden ging mir ein Kapitel von Atreus auf die Nerven. Der Ausflug dauerte mir zu lange. Zwar ist die Auflösung am Ende durchaus herzerweichend und erklärt einiges zu seiner Geschichte und dem Schicksal der Riesen, doch der Weg dahin war mir zu lang. Genauso das darauffolgende Kapitel, wo Kratos alleine mit Mimir unterwegs ist. Diese Solo-Abenteuer hätten gerne um die Hälfte gekürzt werden können. Bei Kratos bin ich immer noch dabei. Es hat sich ein ganzes Arsenal an Nebenquests geöffnet, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Es ist eine kleine Open World entstanden, vergleichbar mit dem See aus dem ersten Teil. Doch will ich eigentlich zu Atreus zurück und dass die Hauptstory weitergeht. Wenn ich dann bei einem Rätsel länger brauche, weil die Lösung nicht gleich einleuchtet, ist das umso frustrierender.
Es sind alles Aspekte, die einem eigentlich die Charaktere näher bringen sollen. Ihre Standpunkte erklären, bevor sie wieder aufeinandertreffen und es zu klären versuchen. Deshalb mache ich gerne Nebenquests, weil sie stets neue Perspektiven eröffnen und natürlich Ausrüstung und Upgrades freischalten. In diesen Solo-Reisen passiert so einiges. Atreus lernt mehr über eine Prophezeiung und seine Geschichte, Kratos schließt Frieden mit einem Teil seiner Vergangenheit und öffnet sich anderen. Alles schön zu sehen. Doch ich merke, dass ich mir mehr Zeit lassen muss. Nicht jeden Tag den Controller in die Hand nehmen, sondern nur alle paar Tage. Über das Geschehene nachdenken und es einfach mal liegen lassen, bevor ich mich dieser tollen und vielschichtigen Welt erneut zuwenden kann.
Gof of War: Ragnarök ist definitiv ein großartiges Spiel. Doch mir geht es bei solchen Spielen mittlerweile rein um die Story. Ich habe den Schwierigkeitsgrad auf die zweite Stufe runtergesetzt (wenn ich Herausforderungen möchte, spiele ich Soulslikes), und das ist im Moment noch perfekt. Die Kämpfe sind dadurch nicht zu einfach, aber meist beim ersten Mal zu bestehen. So geht es gut voran. Doch die zuvor genannten Punkte, wenn es zu ausufernd wird und Teile der Hauptstory unnötig erscheinen, trüben die ansonsten einwandfreie Erfahrung mit dem Spiel. Von daher, Zeit lassen. Vielleicht zwischenzeitlich mal wieder eine Runde Dead Space spielen. Ich möchte Ragnarök auf jeden Fall beenden. Die Reihe verfolge ich schon so lange und ich möchte wissen, wo die Reise von Atreus hingeht. Doch ich will die einzelnen Sessions nicht frustriert und genervt beenden. Vielleicht dauert es einfach eine Weile, bis der Funke komplett überspringt. Eine lohnende Reise ist es, denke ich, in jedem Fall.