Julian McMahon

Einen Vormittag des Wochenendes, meistens samstags früh, starte ich gerne mit dem Lesen der Zeitung. Der Falter ist eine fantastische Wochenzeitung, die ich nicht mehr missen möchte. Die Journalist*innen schreiben nicht nur gut recherchierte, ausführliche Texte zu einem bestimmten Thema. Ihre Meinungstexte regen immer wieder zum Nachdenken an und beschreiben Aspekte, die ich so nicht im Blick habe. Die Wochenzeitung in Kombination mit dem Falter-Newsletter bildet einen Großteil meines Nachrichtenkonsums ab, inklusive ein paar anderer Angebote natürlich. Man sollte sich ja nicht zu einseitig informieren.

Jedenfalls war ich gestern mit den für mich spannendsten Artikeln durch und habe mich durch den Rest der Zeitung geblättert. Ich las ein paar Überschriften, überflog Feuilleton-Texte. Ich wollte die App, ich lese den Falter am iPad, schon schließen, als eine kleine Meldung meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Drei kurze Meldungen waren in der Mitte der Seite abgebildet. Eine trug den schlichten Titel »Julian McMahon (1968–2025)«. Ich konnte es nicht fassen. Ein Held meiner Jugend verstarb Anfang des Monats an einer Krebserkrankung. Ist „Held“ zu groß gegriffen? Ich weiß es nicht.

Ich würde so einigen Persönlichkeiten und Charakteren diesen Titel zuschreiben. Menschen, die ich gerne verfolgt habe, zu denen ich vielleicht aufblickte. Julian McMahon war einer von ihnen. Wie viele andere wahrscheinlich auch kannte ich ihn aus drei zentralen Rollen, die seine Karriere prägten und ihn unsterblich machten. Da ist die Serie »Nip/Tuck«, in der er und Dylan Walsh Schönheitschirurgen mimen, die ihre eigene Praxis haben. Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass diese einzigartige Serie sechs Staffeln lang lief. Schöpfer Ryan Murphy ist es hier gelungen, die Oberflächlichkeit dieser Industrie auf fabelhafte Weise zu kritisieren, mit viel Satire aufs Korn zu nehmen, aber doch mit einer Tiefe und Ernsthaftigkeit auszustatten, die man nicht erwarten würde. Julian McMahon, mit seiner prägnanten Bildschirmpräsenz, habe ich dabei stets gerne beobachtet.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die beiden »Fantastic Four«-Filme. Im Zuge meines MCU-Rewatch habe ich mir diese angesehen und der Text dazu wird demnächst erscheinen. Es sind keine guten Filme. Die rosarote Brille der Erinnerung täuscht hier gewaltig. Ich lasse nicht wirklich ein gutes Haar an ihnen. Ein Lichtblick war allerdings Julian McMahon als Victor von Doom. Die Art, wie er den Bösewicht darstellt, die schleimige, unangenehme Natur dieses Charakters – oder zumindest so, wie er in diesen Filmen präsentiert wird – ist hervorragend. Die Filme sollte man sich nicht wieder anschauen, wenn man sie als Kind gesehen hat. Es ist besser, sie in guter Erinnerung zu behalten. Aber da gab es noch eine Rolle, die Julian McMahon über Jahre gespielt hat und die ihn unsterblich macht: die Rolle des Cole aka Balthazar in »Charmed«.

»Charmed« ist und bleibt für mich eine der ersten Serien, die ich als wahrer Fan verfolgt habe. Ich habe von meinem Taschengeld DVDs der Staffeln gekauft. Ich weiß nicht, wie oft ich die Serie damals angeschaut habe. Es war oft. Die Welt der zauberhaften Hexen hat mich in ihren Bann gezogen. Eine Dynamik, die die Serie geprägt hat wie keine andere, ist die zwischen Phoebe und dem Halbdämon Cole. Die Reise, die beide Charaktere in nur zweieinhalb Staffeln durchmachen, ist manchmal absurd, manchmal tragisch, aber stets mitreißend. Vor ein paar Wochen oder Monaten habe ich mir bei einem Sale die Blu-rays gekauft. Ich überlegte schon, ob ich nicht einen Rewatch machen und ihn hier im Blog besprechen sollte. Zwar bin ich im Moment eher auf der Schiene, Nostalgie so wenig Raum wie möglich zu geben und mehr neue Sachen auszuprobieren, aber bei »Charmed« kann man ruhig eine Ausnahme machen.

Julian McMahon war ein toller Schauspieler. Seine Präsenz und Art, eine Szene einzunehmen, ohne dabei die anderen Schauspieler*innen zu verdrängen, sondern alles auf eine höhere Ebene zu hieven, beeindruckt nachhaltig. Seine Projekte und Charaktere haben mich viele Jahre verfolgt und ich habe seine Karriere gerne verfolgt. Danke für unzählige Stunden voller mitreißender, einzigartiger Unterhaltung. Er wird fehlen.