Fast 25 Jahre nach dem ersten Teil erschien vor kurzem »Das Kanu des Manitu« in den Kinos. Ich weiß nicht genau, warum jetzt dieser Film erscheint oder warum sich Bully so lange Zeit gelassen hat, um eine Fortsetzung in die Kinos zu bringen, aber hier sind wir nun einmal. Braucht es das? Die Zeiten haben sich doch sehr verändert und sich über schwule Indianer und komisch sprechende Griechen lustig zu machen, wirkt sehr aus der Zeit gefallen. Wir sind ein bisschen politisch korrekter geworden und eine Fortsetzung eines Abklatsches einer ausgedachten Version von amerikanischen Ureinwohnern wirkt nicht mehr zeitgemäß.
Ich kann mir kein Urteil über den Film erlauben, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Vielleicht gebe ich ihm eine Chance, wenn er im Heimkino erscheint. Aber als ich vor ein paar Jahren »Der Schuh des Manitu« mal wieder ansehen wollte, tat es schon etwas weh. Was man der Fortsetzung allerdings scheinbar zugute halten kann, ist, dass Bully nicht bösartig lustig ist. So wie man es beispielsweise von so manchen Comedians kennt. Über die Jahre habe ich immer wieder gerne Netflix-Comedy-Specials geschaut. Doch es wurden immer weniger. Denn die Ricky-Gervaises haben es sich nicht verkneifen können, auf der „Woke-Culture“ herumzutrampeln und sich für ihre vergangenen Verfehlungen und Witze unter der Gürtellinie rechtfertigen zu müssen. Man könnte sich auch einfach entschuldigen oder weitermachen. Nicht alles muss kommentiert werden. Aber in so einer Zeit leben wir wahrscheinlich nicht mehr.
Jetzt habe ich in nur zwei Absätzen sehr viele Fässer aufgemacht. Die meisten davon machen wir aber für heute schnell wieder zu. Ich werde sicherlich noch des Öfteren über solche Themen schreiben. Sie liegen mir durchaus am Herzen. Besonders als queerer Mensch, der in der heutigen Zeit lebt. Jedenfalls geht es mir um so manche Formulierungen, die aktuell in Besprechungen rund um »Das Kanu des Manitu« auftauchen. Beispielsweise, dass man „Indianer“ nicht mehr sagen darf oder sich über schwule Indianer lustig machen darf. Das Wort „dürfen“ stört mich bei solchen Diskussionen schon immer. Denn es suggeriert ein Verbot. Jemand hat entschieden, wir bezeichnen Indianer nun als amerikanische Ureinwohner und man „darf“ sonst nicht mehr sagen. Ich würde es allerdings bevorzugen, es als „sollen“ zu deklarieren.
Man darf sehr vieles sagen. Die Frage ist nur: Sollte man es? Denn amerikanische Ureinwohner, Schwarze oder schwule Menschen als eben genau das zu bezeichnen oder Trans-Personen mit dem für sie richtigen Pronomen anzureden und keine diskriminierenden Begriffe zu verwenden, hat etwas mit Respekt zu tun. Man sollte sie nicht anders anreden. Es kostet mich quasi keine Kraft oder Energie und ist nicht gerade schwer. Im Zweifel fragt man einfach. Ich höre immer wieder gerne Podcasts mit Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen, am liebsten die WildMics-Specials. Egal welche Menschen dort zu Besuch sind (letztens war das Thema, wie man mit behinderten Menschen in Medien umgeht), der Konsens ist stets: Wenn man sich unsicher ist, frag nach.
Natürlich sollte das mit dem notwendigen Respekt passieren. Aber man kann nicht alles wissen. Auch wenn einem manchmal scheinbare Vorwürfe gemacht werden, warum man jetzt nicht weiß, wie man diese oder jene Gruppe an Menschen am besten anspricht. Einfach nachfragen. Man darf vieles. Doch ob ich diskriminierende Begriffe verwenden soll oder muss, hat etwas mit Respekt zu tun. Respekt den anderen gegenüber, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Es war noch nie in Ordnung, Menschen zu diskriminieren, nur hat man früher weggeschaut und es „akzeptiert“. Die Zeiten ändern sich. Wenn sich andere besser und verstanden fühlen, ich sie glücklich machen kann, weil ich das für sie korrekte Pronomen verwende, warum sollte ich es dann nicht machen?