Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Wie letzte Woche angekündigt geht es heute los mit »Everything X-Men«. Einer Reihe von Texten, die ich für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. Es war ein kleines Mammutprojekt und hatte als Ziel oder Prämisse, die X-Men-Comics chronologisch zu lesen, zu besprechen und zu analysieren. Die Texte habe ich damals auf Englisch verfasst. Heute möchte ich sie allerdings in Deutsch präsentieren. Für die initiale Übersetzung habe ich DeepL bemüht. Natürlich redigiere ich die Texte noch und sehe zu, dass sie Sinn ergeben.
Den Anfang macht die Einleitung des Projekts. Genauer gesagt handelt es sich, wenn ich mich richtig entsinne, um den Projektantrag oder etwas in der Art. Ich gehe darauf ein, wie die Idee des Projekts entstand und was ich genau vorhabe.
Die Idee für diese Reihe entstand Anfang 2017. Ich studierte Medienwissenschaften und Philosophie im dritten Semester, und in meinem Hauptfach – Medienwissenschaften – müssen alle Studierenden ein sogenanntes „Projektstudium“ absolvieren. Dieses Projekt soll ein wissenschaftliches und praktisches Projekt sein, bei dem man etwas Eigenes schafft. Man konzentriert sich dabei auf einen Aspekt oder ein Thema, behält aber immer den wissenschaftlichen Aspekt im Blick. Da ich mich seit vielen Monden als Blogger und Rezensent betrachtete, wollte ich unbedingt eine Reihe von Blog-Artikeln schreiben.
In den darauf folgenden Monaten, nachdem ich die Idee hatte, sprach ich mit Prof. Dr. Tanja Thomas, einer Professorin im Fachbereich Medienwissenschaft, und fragte sie, ob sie Interesse hätte, das Projekt zu betreuen. Nach einer ausführlichen Diskussion darüber, wie ich meine Idee umsetzen könnte, habe ich viel recherchiert und angefangen, einige X-Men-Comics zu lesen. Die Ergebnisse meiner Recherchen und Lektüren werden in den nächsten Wochen und Monaten veröffentlicht. Ich hoffe, ich konnte mit diesen Texten etwas Interessantes schaffen. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Schreiben. Man könnte sagen, dass diese Reise eine unglaubliche Xperience war. Eine xzellente Idee, quasi.
Wo soll ich anfangen?
Ich liebe Comics und betrachte mich selbst als großen Fan der X-Men. Leider sind meine Erfahrungen mit ihren Geschichten eher begrenzt. Meine erste echte Begegnung mit den X-Men war der erste Film von Bryan Singer aus dem Jahr 2000. Ich war damals elf Jahre alt und sofort fasziniert. Seitdem habe ich jeden Film gesehen und einige Comics dieser wunderbaren Figuren gelesen. Dennoch blieben sie für mich eher im Hintergrund, und ich habe mich nie dazu durchgerungen, sie alle zu lesen – vor allem, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Wenn man sich die Grafik aus der Doktorarbeit „Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative“ von Joseph Darowski ansieht, wird deutlich, wie viele Serien es gab und immer noch gibt.
Seit 2011 gab es etwa 50 Events, 10 Neustarts oder Reboots (mal mehr, mal weniger einschneidend) und eine Reihe von Miniserien sowie Specials, die das Potenzial hatten, „das Internet zu sprengen“, wie Marvel Mitte 2017 erklärte (http://www.hollywoodreporter.com/heatvision/marvel-teases-a-comic-book-twist-will-break-internet-996924). All das ist jedoch bereits geschehen, und wir möchten nun in eine Zeit zurückkehren, in der all das noch bevorstand – in die gute alte Zeit. Ihr wisst schon, als Comics nur ein paar Cent kosteten und Stan Lee und Jack »The King« Kirby die Hälfte unserer Helden erschufen. Dort beginnt unsere Reise.
Ich wollte schon immer die X-Men von Anfang an lesen und die Geschichten als Ganzes erleben. Wo haben sie angefangen, was ist unterwegs passiert? Endlich alle Anspielungen verstehen, die noch heute in den Ausgaben zu finden sind. Leider musste ich feststellen, als ich die großartige Leseliste von Comicvine entdeckte (Guide to reading X-Men-Comics https://comicvine.gamespot.com/forums/x-men-155/guide-to-reading-x-mencomics-1727695), dass es sehr viele X-Men-Comics gibt. Man könnte Hunderte und Aberhunderte von Ausgaben lesen und wäre immer noch im Rückstand, weil Monat für Monat neue hinzukommen. Das ist entmutigend. Aber ich gebe nicht auf und habe daher einige Kürzungen vorgenommen. Irgendwo muss man ja anfangen, oder?
Der Plan
Außerdem muss das Projekt ein Ende haben – zumindest der Teil, der sich auf das Studium bezieht. Und es sollte vor meinem sechsten Semester abgeschlossen sein, damit ich mich dann auf meine Bachelorarbeit konzentrieren kann. Daher habe ich mich für eine Reihe von etwa 15 Artikeln (einschließlich dieser Einleitung) entschieden. Natürlich werde ich die Serie fortsetzen, wenn ich Lust dazu habe. Um es etwas interessanter zu gestalten, habe ich verschiedene Schöpfer aus den letzten fünf Jahrzehnten ausgewählt, und dies sind nun die Comics, die es in meine Reihe geschafft haben:
- Stan Lee / Jack Kirby (1963–1966)
- Roy Thomas / Neal Adams (1969/70)
- X-Men First Class v1 (2007)
- Chris Claremont Part I
- Chris Claremont Part II
- Chris Claremont Part III
- Avengers Disassembled (2004/2005)
- House of M
- X-Men Legacy: Legion
- Chris Claremont Part IV
Ich möchte nicht ausschließlich über die X-Men sprechen, das wäre nur eine eher wissenschaftlich fundierte Rezension einiger Comics, und ich habe in den letzten x Jahren bereits viele Rezensionen geschrieben. Ich wollte einen Schritt weitergehen. Ich kam auf die Idee, etwas aus diesen Serien zu nehmen – ein Thema, eine Anspielung oder eine Idee – und darüber in einem separaten Artikel ausführlicher zu sprechen. Diese Themen könnten alles Mögliche sein, von der Comic Book Authority hin zu Comic-Studien im Allgemeinen, über Terminologie, interessante Debatten, erwähnte Philosophien oder sexuelle Orientierungen und Geschlechterkonzepte.
Das bedeutet, dass auf jede Rezension/Analyse ein eher theoretisch ausgerichteter Artikel folgt – ein Essay. Dies sind die Themen, die ich bisher ausgewählt habe:
- Comic Book Authority
- Was ist ein Mutant?
- Comic Book Ages
- Die Mutanten-Metapher
- Philosophien innerhalb der X-Men
- A broken back in the refrigerator
- Comic-Events
- Wer bin ich?
Das Besondere an den X-Men und ihrer sehr langen Geschichte ist, dass sie oft als ein Konglomerat von Ideen und Themen angesehen werden. Daher werden die Schöpfer selbst oft als eine zusammengewürfelte Masse betrachtet. Das sind sie jedoch nicht. Jeder Schöpfer muss separat betrachtet und daher als Bestandteil des Gesamtbildes, also der X-Men, analysiert werden. Es ist ein Fehler, ein universelles Bild eines X-Universums zu schaffen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass jeder Autor, jede Künstlerin die Dinge unterschiedlich interpretiert. Wir haben alle verschiedene kulturelle Hintergründe und eine andere Sozialisierung, die stets mitgedacht werden muss. Mit meiner Recherche zu den einzelnen Themen habe ich versucht, dieser Einschränkung Rechnung zu tragen. Allerdings gilt auch hier: Meine Artikel sind nur eine Sichtweise, eine Möglichkeit, die Dinge zu interpretieren, inspiriert von den Büchern und Artikeln, die ich erwähnen werde. Ich werde sicherlich etwas vergessen oder übersehen.
Was noch zu sagen ist
Chris Claremont wird in der Übersicht häufiger erwähnt, weil er fast 20 Jahre lang die X-Men in vielen verschiedenen Team- und Solo-Serien geschrieben hat. Daher hat er die Charaktere wie kein anderer vor oder nach ihm geprägt. Zuerst dachte ich, ich würde nur einige Handlungsstränge hier und da auswählen. Aber das schien unmöglich. Wie könnte ich als Außenstehender die „richtigen“ auswählen? Ich meine, seine Geschichten gelten als die besten Geschichten der X-Men. Beispielsweise „The Dark Phoenix Saga“, „Days of Future Past“, „Trial of Magneto“ oder „The Fall of the Mutants“. Und ich möchte diese Geschichten nicht ohne Hintergrundinformationen lesen oder ohne zu wissen, was bisher passiert ist. Im Grunde möchte ich damit sagen: Wir werden seine Comics chronologisch durchgehen, basierend auf der oben genannten Lesereihenfolge.
Ich denke, das reicht fürs Erste. Was den Veröffentlichungsplan angeht: Ich werde zwei Artikel pro Monat veröffentlichen. Jeder Monat hat also ein Thema. So bleibt für die geneigten Leser*innen, die diese Reihe verfolgen, genug Zeit, um die Comics zu lesen. Marvel Unlimited ist ein guter Ausgangspunkt. Wenn ihr aber Sammler*innen seid, gibt es schöne, aber teure Omnibus- und Sammlerausgaben. Derzeit lese ich hauptsächlich digital, aber das eine oder andere Hardcover im Regal stehen zu haben, wäre natürlich auch nicht schlecht.