Live-Streams

Ich schicke gleich mal voraus, dass es heute ein sehr nischiger und nerdiger Text wird. Es geht um Twitch, Gaming und Elden Ring sowie das Wesen des Streamings. Bis vor Kurzem war ich mir nicht sicher, ob ich den Text überhaupt schreiben soll, da er doch ein gewisses Wissen voraussetzt. Außerdem habe ich keinen direkten Punkt, den ich machen möchte, sondern eher eine Beobachtung, die ich schildern möchte. Ich gebe mir Mühe, es so gut es geht zu erklären. Grundsätzlich trifft das allerdings auch auf ein paar andere Texte zu. Immerhin schreibe ich täglich einen Text und decke dadurch ein sehr breites Spektrum an Themen ab. Was mir eben so unterkommt. Durch meine vielfältigen Interessen sind eben auch solche Texte dabei. Aber genug der Vorrede.

Jedenfalls verfolge ich seit ein paar Monaten regelmäßig den YouTuber und Twitch-Streamer »Jack_Fromsoft«. Sein Steckenpferd sind Soulslikes, insbesondere natürlich die Originale von FromSoftware und das 2022 erschienene »Elden Ring«. Ende letzten Jahres startete er eine der wohl schwierigsten Herausforderungen: die French-Challenge. Randomizer, also Mods (Modifikationen für Spiele, die von anderen Spielern programmiert werden), die wahlweise Items und/oder Gegner zufällig austauschen und in der Spielwelt platzieren, sind ein beliebter Sport bei Streamern. Doch die French-Challenge setzt noch einen obendrauf. Es sind alle Items und Gegner/Bosse randomisiert, Gegenstände, die man aufhebt (Waffen, Rüstungen, Talismane und so weiter), werden automatisch ausgerüstet und man ist gezwungen, damit weiterzumachen. Außerdem darf man nicht sterben, bis man alle 207 Bosse von Elden Ring besiegt hat.

Jack_Fromsoft hat die Herausforderung nun genommen und etwas modifiziert und daraus die Austro-Challenge gemacht. Das finde ich äußerst sympathisch. Er hat es sich dabei zwar etwas schwerer gemacht als notwendig, aber ich mag es, wenn sich Streamer nicht immer punktgenau an irgendwelche Vorgaben halten, sondern die Regeln für sich anpassen. Das macht das Ganze etwas spannender und individueller. Es gibt genügend Herausforderungen, an denen man sich messen kann, da darf es zwischenzeitlich auch mal was anderes sein. Vergangene Woche habe ich jeden Tag mehrere Stunden damit verbracht, Jack_Fromsoft bei dieser Herausforderung zuzusehen. Mehr als ich es sonst mache.

Es war allerdings furchtbar spannend. Durch den Randomizer entstehen immer wieder kinoreife Momente, Kämpfe, die man nicht erwartet, spannende Situationen – es ist einfach unfassbar, guter Content und sehr unterhaltsam. Spoiler: Er hat es in der Nacht von Samstag auf Sonntag doch tatsächlich geschafft. Eine unfassbare Leistung. Aber es derart intensiv über vier Tage zu verfolgen, war dann doch anstrengender als vermutet. Mir ist noch einmal deutlicher bewusst geworden, dass Streams doch eine andere Form des Konsums sind als Filme oder Serien. Man schaut zwar in beiden Fällen passiv etwas an, aber psychologisch passiert etwas anderes.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Gibt es Untersuchungen zu dem Thema? Beispielsweise ist der Entspannungseffekt beim Schauen von Streams nicht so groß wie bei Filmen oder Serien. In all diesen Fällen fiebere ich mit den Charakteren oder dem Streamer/der Streamerin mit, aber es ist doch anders. Mir fällt es schwer, den Finger darauf zu legen, was es ist. Liegt es an der ungewissen Dauer? Eine Folge einer Serie oder ein Film hat eine definierte Länge, ein Stream kann sehr lange dauern und man muss sich vielleicht selbst überwinden, einfach abzuschalten. Liegt es an den Kommentaren, seien es die vom Streamer oder die von den Zuschauer*innen? Sind es die Spiele selbst, die es anstrengend machen? Diesen Effekt stelle ich bei allen Stream*innen fest, die ich gerne schaue. Es ist faszinierend, zu beobachten. Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht bin ich das Problem. Das ist natürlich niemals auszuschließen. Vielleicht habe ich irgendwann den richtigen synaptischen Kurzschluss. Erst einmal wollte ich diese Beobachtung einfach festhalten. Manchmal passiert alleine schon durch das Aufschreiben etwas im Gehirn. Lassen wir uns überraschen.