Tool Time

Seit ein paar Wochen schaue ich immer mal wieder ein paar Folgen »Hör mal wer da hämmert« – oder »Home Improvement«, wie die Serie im Original heißt. Die Sitcom lief von 1991 bis 1999 und behandelte die alltäglichen Herausforderungen der Familie Taylor: Tim (Tim Allen), Jill (Patricia Richardson) und ihre Söhne Brad (Zachery Ty Bryan), Randy (Jonathan Taylor Thomas) und Mark (Taran Noah Smith). Die Serie kennen wohl sehr viele, denn man kam lange Zeit nicht umhin, immer mal wieder auf eine der unzähligen Wiederholungen im Fernsehen zu stoßen.

Ich habe die Serie damals sehr gerne geschaut. Auf der Suche nach einer Serie, die ich beim Abendessen anschauen kann oder einfach mal zwischendurch, bin ich bei Disney+ auf »Home Improvement« gestoßen. Bisher kannte ich die Serie nur auf Deutsch. Deshalb war es allein schon ein Vergnügen, endlich mal in den Genuss des Originaltons zu kommen. Es hat mich erstaunt, wie viele Szenen mir immer wieder bekannt vorkamen. Ich muss die Serie wohl öfter geschaut haben, als mir bewusst ist. Oder die Serie hat sich auf eine ganz bestimmte Weise in mein Gehirn gebrannt. Jedenfalls bin ich aktuell mitten in der vierten Staffel und habe durchaus vor, sie zu Ende zu schauen. Mir stellt sich nur die Frage, ob man die Serie tatsächlich heute noch anschauen kann oder ob es bei mir daran liegt, dass ich sie von meiner Kindheit kenne und sie dadurch mit der rosaroten Brille namens Nostalgie betrachte.

Es ist wirklich nicht so einfach zu beurteilen, da die Serie immer wieder mit Machismus vom Feinsten aufwartet, aber ein oder zwei Szenen später das Ganze schon wieder relativiert. Außerdem wird das männliche Gehabe von Tim immer wieder auf den Kopf gestellt, allein schon der Tatsache wegen, dass er oft äußerst unfähig dargestellt wird. So gestaltet sich nicht nur das vermeintliche Familienoberhaupt äußerst ambivalent. Diese Ambivalenz zieht sich durch die gesamte Serie. Jill beginnt früh damit, sich eine Arbeit zu suchen, und durchbricht damit das Klischee der typischen Hausfrau. Tim ist nicht der typische testosterongesteuerte »Tool Man«, den er in der fiktiven Heimwerkersendung »Tool Time« mimt, sondern lernt dazu, holt sich Ratschläge vom weisen Wilson (einen der besten Charaktere der Show) und muss sich immer wieder anderen Männern mit vermeintlich weniger „Männlichkeit“, wie seinem Assistenten Al, geschlagen geben. Auch die Kinder lockern das Ganze, ambivalente Gefüge immer wieder auf und sorgen dafür, dass Tim Fehler eingestehen muss, dazu lernt und so weiter.

So entstehen nette, mitreißende und durchaus spannende Momente. Die Serie wusste zu überraschen und zu begeistern. Auf den ersten Blick mag die Serie altbacken wirken und aus der Zeit gefallen. Das ist sie auch, das lässt sich nicht leugnen. Trotzdem erkennt man bei genauerer Betrachtung verschiedene Aspekte und eine Tiefe, die ich ihr nicht zugestanden hätte. Ich bin positiv überrascht. Doch die Realität konnte die Serie auch damals nicht abschütteln. Denn scheinbar gab es Pläne für eine 9. Staffel. Man hat Patricia Richardson sogar 25 Mio. Dollar angeboten. Doch als sie erfuhr, dass man Tim Allen das Doppelte angeboten hat, haben beide abgelehnt. Das Studio wollte Richardsons Gage nicht erhöhen und Allen wollte ohne sie nicht weitermachen. Ein Skandal.

Immerhin hat es die Serie auf 204 Folgen geschafft. Ich bin jetzt bei knapp der Hälfte angekommen und werde noch einige Zeit mit »Home Improvement« verbringen dürfen. Mal sehen, wie sie sich entwickeln wird. An die späteren Staffeln kann ich mich fast gar nicht mehr erinnern. Mitreißen kann die Serie aber durchaus heute noch. Auch wenn man manchmal kopfschüttelnd davor sitzt, so lohnt es sich, ihr eine Chance zu geben.