Ich möchte etwas, das ich in einem vorherigen Text geschrieben habe, etwas relativieren. Genauer gesagt einordnen. Worum geht es? Im Text »Digitale Mündigkeit« habe ich angemerkt, dass Verschwörungstheoretiker*innen gerade Hochkonjunktur feiern, ob der ganzen Erkenntnisse rund um die Epstein-Files und die daraus resultierenden, sehr realen Auswirkungen, die uns noch außerordentlich lange beschäftigen werden. Außerdem habe ich die Konsequenzen, die das neue Twitter auf weltpolitische Ereignisse hat, erwähnt. Zweiteres hervorragend erklärt in einer kürzlich erschienenen Episode von Last Week Tonight.
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist eine aktuelle Folge des Podcasts Hoaxilla, in der es um die Epstein-Files geht. Hoaxilla ist einer der Podcasts, die ich wahrscheinlich am längsten verfolge, nur getoppt von »Bits und so«. Jedenfalls haben die Hoaxillas angekündigt, dass sie noch mehr zu den Epstein-Files machen werden, da es kaum in einer einzigen Folge aufzubereiten ist. Die kürzlich erschienene Episode ist auch nur ein Prolog, wenn man so möchte, und beschäftigt sich mit der Figur Epstein und damit, wie es zur Veröffentlichung der Files kam. Dabei haben sie auch erwähnt, dass eine Unterscheidung zwischen Verschwörungen und Verschwörungstheorien wichtig ist.
Ich bin mir über den genauen Wortlaut nicht mehr sicher, habe die entsprechende Stelle auf Anhieb auch nicht gefunden, es ist aber auch zweitrangig. Mir ist es wichtig, die zugrundeliegende Erkenntnis zu betonen. Denn nur weil es eine Verschwörung gibt, die sehr real ist und deren tatsächliche Ausmaße und Auswirkungen wir erst in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren vollumfänglich aufarbeiten können, heißt das nicht, dass andere, scheinbar damit verknüpfte Verschwörungstheorien ebenfalls wahr sind. Epstein hatte ein gewaltiges Netzwerk. Und es tauchen entsprechend viele Namen in den Epstein-Files auf. Doch nur weil ein Name darin auftaucht, sind nicht alle automatisch schuldig. Es geht in den Files auch um Untersuchungen, Befragungen und so weiter – es sind vielschichtige Akten, die von Profis aufgearbeitet werden müssen. Rechtliche Schritte müssen zu gegebener Zeit und mit den entsprechenden Beweisen eingeleitet werden.
Dass diese Gelegenheit von Spinnern genutzt wird, müsste wohl den meisten klar sein. Ein Sänger tut sich dabei besonders hervor, den ich eigentlich schon wieder vergessen hatte und den ich eigentlich nicht noch einmal erwähnt wissen wollte. Es wird von jüdischer Weltverschwörung erzählt und alle möglichen weiteren Fantasien werden gesponnen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Der Grat zwischen Fakt und Fiktion mag in Bezug auf die Epstein-Files und Mythen, die scheinbar damit zusammenhängen, schmal sein, doch es gibt ihn. Mythen und Theorien sind und bleiben genau das: Mythen und Theorien. Es gibt sehr reale Netzwerke, die eine ungemeine Macht unter sich vereinen. Fokussieren wir uns doch lieber auf die, arbeiten wir doch lieber die auf, anstatt unsere Zeit mit irgendwelchen Spinnereien von Sänger*innen zu vergeuden, die längst nichts mehr in der Öffentlichkeit zu suchen haben, geschweige denn, denen wir zuhören sollten.