Konsequent?

Ich frage mich manchmal, wie konsequent manche Menschen wirklich mit ihren Interessen und Hobbys sind. Damit meine ich, ob sie bei einem bleiben oder wie oft sie wechseln. Wir haben alle Verpflichtungen, denen wir nachgehen müssen. Sei es Beruf, Familie, Freunde, Vereine, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, kochen, schlafen und so weiter. Das sind alles mehr oder weniger Dinge, die man machen muss. Vereine ausgeklammert, aber das zähle ich an dieser Stelle zu sozialen Kontakten, die man braucht. Am Ende des Tages bleibt dann meist ein kleines Fenster übrig, in dem man sich etwaigen sonstigen Dingen widmen kann. Von Gaming über Bücher hin zu den vielen Aspekten des Warhammer-Hobbys kann das alles sein – stricken, häkeln, Gartenarbeit – was auch immer Spaß macht und Freude bereitet.

Wenn man sich auf sozialen Medien umsieht, bei mir ist es hauptsächlich Reddit (und YouTube), kann schnell der Eindruck entstehen, dass sich viele für eine Sache entscheiden und das zum Fokus machen. Die Realität sieht oft allerdings anders aus. Es gibt Phasen, die man durchmacht, die Jahreszeiten können eine Rolle spielen oder wie viel Zeit im aktuellen Lebensabschnitt übrig bleibt, um sich der Sache zu widmen, für die man sich entschieden hat. Ich frage mich manchmal, ob das etwas Schlechtes ist oder etwas Gutes oder ob man das überhaupt bewerten sollte. Vielfältige Interessen machen Menschen spannend. Wenn jemand leidenschaftlich über etwas redet, hört man gerne zu.

Beispielsweise haben über 10 Jahre lang Comics meine Freizeit dominiert – hauptsächlich amerikanische Comics, auch wenn ich gelegentlich Mangas und andere Arten von comic-haften Erzählungen in der Hand hatte. Ich habe, so viel ich konnte, gelesen, darüber geschrieben, Bücher konsumiert, Rezensionen, Artikel und Essays gelesen sowie Podcasts gehört. Ich habe mich nicht nur mit den Geschichten beschäftigt, sondern auch mit der Geschichte von Comics an sich, bin in die Metaebene abgetaucht und habe sie von unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet. Doch heute ist dieses Interesse weg und ich kann gar nicht sagen, wann ich das letzte Mal einen Comic gelesen habe. Vielleicht kommt das Interesse wieder, vielleicht bleibt es aber auch eine spannende Phase, die ich nicht vermissen möchte, die jedoch vorbei ist.

Gaming ist ein anderes Ding, dem ich gerne nachgehe. Mal spiele ich sehr viel, mal eher weniger. Aktuell ist es eher Warhammer und das Zusammenbauen sowie Bemalen der Figuren. Sport nimmt jetzt im Frühjahr auch wieder mehr Platz ein, als es noch im Winter der Fall war. Das ist auf jeden Fall von den Jahreszeiten abhängig. Ich beobachte es tatsächlich sehr gerne, wie sich die Interessen mit der Zeit verändern. Nicht nur innerhalb eines Jahres betrachtet, sondern über das Leben hinweg. Denn mit Sicherheit spielt auch das Alter eine Rolle. Manches begleitet uns ein Leben lang, anderes ist vielleicht nur eine Phase, egal wie lang diese dauern mag. Wieder anderes entdecken wir vielleicht nach einer längeren Pause erneut und können uns gar nicht mehr vorstellen, wie wir das Interesse je verlieren konnten.

Unsere Zeit auf diesem Planeten ist begrenzt, und es ist spannend, zu beobachten, wie wir diese nutzen. Es sagt etwas über uns aus, über unsere Prioritäten. Es spielen aber nicht nur intrinsische Faktoren eine Rolle, auch externe Einflüsse prägen uns – manche versuchen, so lange wie möglich unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vielleicht muss man aber auch nicht zu viel hineininterpretieren. Manchmal hat man einfach nur Lust, coole Figuren zu bemalen.