Diesen einen speziellen Waggon erkennt man bereits aus weiter Ferne. Nicht anhand einer schreienden Farbe oder sonstiger äußerer Merkmale. Man hört ihn. Er schlägt förmlich auf die Schienen, tobt und braust sich auf. Alle sollen wissen, dass er kommt. Aber natürlich ist dies keine Absicht, denn es handelt sich – mutmaßlich – um jahrelange Sparmaßnahmen, Vernachlässigungen und alles, was man auch immer wieder von der Deutschen Bahn hört. Dieser eine Waggon, der sich ganz und gar nicht normal anhört und einen Lärm verursacht, dass jeder Specht neidisch wird, ist nicht mehr allein. Als ich letztens nach Salzburg fuhr (und leider auch wieder beim Nachhausefahren), hatte ich ebenfalls einen Zug, der schrecklichen Lärm machte.
Ein Arbeitskollege erzählte schließlich von einem Waggon, bei dem der Mülleimer so laut klapperte, dass es sich ebenfalls nach einem mechanischen Problem anhörte. Vielleicht war auch das mein Waggon gewesen. Wer weiß das schon? Allerdings ist es schon bezeichnend, wenn nicht einmal mehr Mülleimer so montiert oder repariert werden können, ohne dass es sich so anhört, als hätte man besser noch ein Testament aufgesetzt. Dann gibt es wieder Abschnitte, in denen man durchgeschüttelt wird, weil die Waggons zu wackeln anfangen. Man fährt auch Schienen. Die sind in der Regel parallel und gerade verlegt. Was wackelt da?
Man muss der Lokalbahn allerdings zugutehalten, dass sie seit Jahren Abschnitte renoviert, und scheinbar kommen nächstes Jahr endlich neue Garnituren zum Einsatz. Natürlich hätte man das in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten laufend machen sollen, sodass man nun nicht jeden Sommer die halbe Strecke aufgrund der Renovierungsarbeiten sperren muss. Dieses Jahr ist das schlimmste, da über drei Monate die Strecke zwischen Bürmoos und Salzburg gesperrt ist. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Schienenersatzverkehr aussieht und ob dieser einen ausreichenden Ersatz bieten kann. Es bräuchte viel mehr Busse, als jetzt Züge fahren, um das auch nur annähernd auszugleichen, und verschiedene Strecken – normale, express und so weiter.
Dass man an diesen grundsätzlichen Dingen so sehr sparen kann, bis es gar nicht mehr geht, verstehe ich nicht. Öffentliche Verkehrsmittel sind für viele der Arbeitsweg. Ich glaube, es ist nicht untertrieben, zu sagen, dass ein gut ausgebautes und funktionierendes, regelmäßig gewartetes und modernisiertes System ein Grundpfeiler für die Wirtschaft und auch den Wohlstand eines Landes ist. Die Menschen fahren nicht nur zur Arbeit, sondern gehen auch einkaufen, essen, feiern, besuchen Freunde und so weiter. Und wir sind kein armes Land. Es zeugt nicht nur von Inkompetenz, hier sparen zu wollen, sondern es vielleicht auch noch in private Hand zu geben (ich spreche jetzt allgemein), ist Irrsinn. Öffentliche Betriebe sollen nicht unbedingt gewinnbringend sein. Sie sollen sich selbst erhalten oder sie werden querfinanziert anhand dessen, wo die Leute dann ihr Geld verdienen und wieder ausgeben. Dass das nicht verstanden wird, zeugt oft von realitätsfernen Weltansichten.