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Everything X-Men | Chris Claremont – Die Anfänge (1/3)

Endlich ist es so weit. Wir sind bei Chris Claremont angekommen und seinen ersten Herrschaftsjahren über die X-Men (1975–1978). Willkommen zu »Everything X-Men«, wo ich jede Woche einen alten Text von mir vorstelle. Für das dritte Jahr des Blogs habe ich mir überlegt, mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium vorzustellen. Das habe ich damals den X-Men gewidmet. Mit dem heutigen Text sind wir endlich bei Chris Claremont gelandet. Da ich die ursprünglichen Texte auf Englisch verfasst habe, übersetzte ich sie initial mit DeepL (inkl. der Zitate) und habe sie anschließend natürlich redigiert. Ohne weitere Umschweife stürzen wir uns ins Abenteuer.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

In diesem Artikel sehen wir uns die ersten Ausgaben von Chris Claremonts X-Men-Run genauer an. Wir beginnen mit »Giant-Sized X-Men # 1« und machen mit X-Men # 94 bis # 110 weiter. Ich denke, # 110 ist ein guter Punkt, um die Diskussion zu beenden, da es sich um eine sogenannte »inventory issue« handelt. Es ist ein Füller des Gastkünstlers Tony DeZuniga. Nach dieser Ausgabe übernimmt John Byrne bis zur Ausgabe # 143 die künstlerische Seite.

Laut Joseph Darowski (2011) war der Grund für den Neustart der X-Men nicht so uneigennützig, wie man hoffen könnte. Man wollte einfach mehr Comics international verkaufen, und Roy Thomas (damals Chefredakteur von Marvel) schlug vor, die X-Men zu verwenden. Die X-Men wurden zu dieser Zeit neu aufgelegt, da man sich dadurch neue Leser*innen versprach, die damit auch leichteren Zugang zu den Charakteren und ihrer Geschichte finden sollten. Len Wein und Dave Cockrum wurden zum Autor und Zeichner der neuen Inkarnation des Teams. Aber, wie Thomas es ausdrückt, ging die Idee eines internationalen Teams dabei ein wenig verloren. Die neuen Mitglieder kamen unter anderem aus Kenia und Russland, „kaum Märkte, in denen Marvel 1975 viele Comics verkaufte“.

Je nachdem, wen man fragt, hört oder liest man vielleicht unterschiedliche Versionen dieser Geschichte. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die Leute bei Marvel daran interessiert waren, eine ethische, intrinsische Motivation für den Neustart aufrechtzuerhalten, als nur mehr Geld zu verdienen.

Die X-Men wurden jedenfalls neu aufgelegt. Und mit Ausgabe Nr. 94 begann Chris Claremont seine siebzehnjährige Herrschaft über das Team. Während dieser Zeit schrieb er fast jedes Skript der X-Men, startete Spin-offs, limitierte Reihen und Maxi-Serien, schuf neue Charaktere und schrieb Geschichten, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Zunächst erschienen die Comics alle zwei Monate, dann monatlich (beginnend mit Ausgabe Nr. 112).

Ein neuer Anfang: Giant-Sized X-Men # 1

„Was uns zu unserem nächsten kleinen Problem bringt … was machen wir mit dreizehn X-Men?“ – Angel

Obwohl Chris Claremont nicht als Teil des Teams aufgeführt ist, soll er angeblich an der Neuauflage beteiligt gewesen sein. Aber wer sind diese neuen X-Men und wie sind sie zusammengekommen?

Praktischerweise verschwanden alle ursprünglichen Mutanten während einer Mission auf der mysteriösen Insel Krakoa (ein Name, der einigen Leser*innen bekannt vorkommen dürfte). Sie untersuchten einige seltsame Anzeichen und verschwanden einfach. Nur Scott überlebte und überbrachte dem Professor die schreckliche Nachricht. Xavier begibt sich auf eine Reise um die Welt, um ein neues Team von Mutanten zusammenzustellen. Sie sollten nicht nur die ursprünglichen X-Men retten, sondern auch Teil von ihnen werden.

„Die neuen Teammitglieder waren Nightcrawler (ein deutscher Teleporter namens Kurt Wagner), Storm (Ororo Munroe, eine Wetterkontrolleurin aus Kenia), Colossus (der Russe Peter Rasputin, der sein Fleisch in Stahl verwandeln konnte), Banshee (der Ire Sean Cassidy, der einen Schallschrei hatte), Warpath (John Proudstar, ein Indianer mit Superkräften), Sunfire (ein Feuerbändiger aus Japan namens Shiro Yoshida) und Wolverine (der Kanadier mit Klauen und einer Heilungsfähigkeit, der nur als Logan bekannt ist). Nicht alle diese Charaktere blieben lange bei den X-Men, aber dieser Neustart etablierte die X-Men endgültig als ein Team, das internationale Charaktere auf eine Weise integrierte, wie es andere Marvel-Superheldenteams wie die Avengers oder die Fantastic Four selten taten.“ (Darowski, 2011, S. 123) Als das neue Team auf der Insel landet, stellt sich heraus, dass diese selbst ein Mutant ist.

Natürlich entstand Krakoa durch eine atomare Explosion rein zufällig (ein Überbleibsel des Atomzeitalters der Comics?). Sie besiegen ihren Feind mit der vereinten Kraft von Storm und Lorna Dane. Allerdings hilft der Professor dabei, die Mutanteninsel abzulenken, während sie ihren Angriff vorbereiten. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass diese neue Version einige Dinge anders macht. Zwei Frauen retten sie alle – in früheren Ausgaben wäre dies nicht möglich gewesen. An dieser Stelle spielt Jean keine wirklich aktive Rolle in der Geschichte. Dieser Fehler wird in kommenden Handlungssträngen korrigiert werden.

Ich möchte zwei Dinge zu diesen neuen Mitgliedern hervorheben.

Erstens: Ororo ist für die Ureinwohner, bei denen sie lebt, eine Göttin. Sie beten zu ihr und suchen ihre Hilfe, wenn es nötig ist. Die Fähigkeit, Wetter zu kontrollieren und innerhalb von Sekunden Regen fallen zu lassen, kann eine mächtige Waffe sein und wirkt sehr gottähnlich. Der Erzähler sagt, dass „ihre flüssigen Augen dunkel werden“, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, was an sich schon ein kraftvolles Bild ist. Leider werden ihre Augen in den Illustrationen als rein weißlich dargestellt (auch in den Filmen werden sie weiß).

Zweitens, die Rekrutierung von Colossus: Die Geschichte seiner ersten Begegnung mit dem Professor ist etwas weit hergeholt. Vor allem, weil seine Schwester in Gefahr ist, auf einem offenen Feld von einem Traktor überfahren zu werden. Traktoren können sehr laut sein. Wie kann man von ihnen überrascht werden? Sie sitzt einfach auf dem Feld und tut nichts. Als Peter sie dann in seinen Händen hält, steht er einfach da und zerstört das Fahrzeug. Er hätte einfach aus dem Weg springen können. Fiel dem Autor keine bessere Geschichte ein, um uns Peters Kräfte vorzustellen?

Wie auch immer, das neue Team ist zusammengestellt und:

„Unter den neuen Mitgliedern des Teams befand sich kein einziger weißer Amerikaner, und viele der vertretenen Minderheiten waren in den Vereinigten Staaten weitverbreiteten Vorurteilen ausgesetzt, die zum Großteil von der Regierung institutionalisiert worden waren. Deutschen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und den weithin bekannten Schrecken des Holocaust misstraut. Afrikaner leiden seit Langem unter Vorurteilen in Amerika, angefangen mit dem Sklavenhandel. Die allgemeine Stimmung gegenüber Russen während des Kalten Krieges war alles andere als freundlich, und ein osteuropäischer Akzent konnte zu Vorwürfen des Kommunismus führen. Die antiirische Stimmung war Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten am stärksten, als die Diskriminierung am Arbeitsplatz sogar dazu führte, dass in Stellenanzeigen NINA-Schilder (No Irish Need Apply) angebracht wurden. Die amerikanischen Ureinwohner wurden in den Vereinigten Staaten seit der Ankunft der ersten Siedler an den Küsten des Landes misshandelt, und die Zwangsumsiedlung in Reservate ist nur einer von vielen Missständen. Während des Zweiten Weltkriegs zwang die Regierung japanischstämmige Amerikaner aufgrund von Misstrauen, in Internierungslagern zu leben.“ (Darowski, 2011, S. 125-126)

Bevor wir uns vom Neustart von Giant-Sized verabschieden, noch ein paar letzte Fakten:

  • Die Schule von Xavier befindet sich in Westchester, New York.
  • Wir bekommen bereits einen Eindruck von einem größeren Universum, als der Professor seinen neuen Schülern von ihren neuen Kostümen erzählt: „Ich habe sie von einem Mann namens Reed Richards bekommen …“
  • Hank hat offenbar mit den X-Men abgeschlossen und arbeitet nun mit den Avengers zusammen (und ist endlich blau und pelzig).

Everything X-Men | Comic Book Events (2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Genauer gesagt einen Text, den ich im Rahmen des sogenannten Projektstudiums für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In diesem Projekt habe ich mich eingehend mit den X-Men-Comics beschäftigt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht (inklusive der Zitate) und den Text anschließend redigiert.

Heute geht es mit dem zweiten und letzten Teil des Textes zu Comic-Book-Events weiter. Vergangene Woche ging es noch um die Geschichte von Events und um ein paar Beispiele. Dieses Mal gibt es eine Aufzählung, was meiner Meinung nach und nach Recherchen zu urteilen ein gutes Event ausmacht. Selbst heute, fast 10 Jahre später, finde ich es eine passende Liste.


Als Letztes sind erschienen:


Was braucht ein gutes Event?

Die folgende Liste erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. Noch muss jedes Event jeden Punkt erfüllen. Denn jede Geschichte ist anders, hat andere Voraussetzungen. Doch die Erfüllung zumindest einiger dieser Punkte ist ein guter Grundstein.

  • So klein wie möglich, aber so groß wie notwendig
    Das ist meine persönliche Regel Nr. 1 in Bezug auf Events. Egal, wie schlecht oder gut ein Event sein mag. Macht es nicht zu aufgebläht und bezieht nicht zu viele andere Titel mit ein. Pausiert sie von mir aus für die Dauer des Events. Marvel hat diese Regel mit »Secret Wars« und »Civil War« vor ein paar Monaten definitiv gebrochen.
    Ich nutze Marvel Unlimited, um die X-Men-Titel für diese Textreihe zu lesen, und ich schaue mir gerne jede Woche die Neuzugänge an. Ich habe das Gefühl, dass seit Monaten fast alle neuen Titel etwas mit den oben genannten Events zu tun hatten. Das war frustrierend. Warum sollte ich einen dieser Titel lesen, wenn sie scheinbar etwas mit einem Event zu tun haben, das mich nicht interessiert? Ein anschauliches Beispiel ist etwa »Convergence« von DC von vor ein paar Jahren. Zwei Monate lang beherrschte dieses Event DC Comics. Danach war es vorbei damit. Ob es gut war oder nicht, spielt hier keine Rolle. Es geht mir nur darum, dass es in sich geschlossen war. Die Existenz dieses Events verdanken wir dem Umzug der Büros von DC von einer Küstenseite der USA zur anderen, aber das ist eine andere Geschichte.
  • Haltet es einfach und simpel
    Damit meine ich die allgemeine Herangehensweise an die Geschichte selbst. Es kann eine komplexe, weltbewegende Geschichte sein oder etwas sehr Intimes, das ist mir grundsätzlich egal. Wenn jemand das Ereignis jedoch Jahre später liest und keine 25-jährige Beziehung zu den Figuren hat, sollte er oder sie dennoch in der Lage sein, die Prämisse und die Konsequenzen zu verstehen. »House of M« ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe vorher keine Avengers-Comics gelesen und erst vor Kurzem mit den X-Men angefangen, aber die emotionale Tiefe der Geschichte war trotzdem da. »Annihilation« von Marvel ist ebenfalls ein verständliches Beispiel. Es ist eine großartige, limitierte Serie mit spannenden Charakteren. Obwohl sie kosmisch ist und so groß wie ein Event nur sein kann, fiebert man mit den Kämpfen und den Charakteren mit.
  • Liefertermine einhalten
    Marvel hat einige der Liefertermine früherer Events um Monate verpasst. Das ist ein absolutes No-Go. Natürlich können Künstler*innen krank werden oder andere Dinge dazwischenkommen, aber wenn man keinen Puffer hat, ist das selbst verschuldet. Nehmen wir das Event »52« von DC. Es war ein einjähriges Event mit wöchentlich neuen Ausgaben. Das sind 52 Ausgaben! Und sie haben keine einzige Woche verpasst. Das ist großartig. Andererseits ist der Veröffentlichungsplan von »Doomsday Clock« eine Katastrophe, und ich habe das Gefühl, dass dieses Event erst vorbei sein wird, wenn ich in Rente gehe.
  • Bitte macht keine Andeutungen wie: „WIRD DIESES EVENT DAS UNIVERSUM FÜR IMMER VERÄNDERN?“.
    Manchmal hat man das Gefühl, dass Marvel und DC die Bedeutung des Wortes „für immer“ nicht kennen. Es bedeutet nicht, dass es zwei Monate anders ist, bevor man wieder zum alten Status quo zurückkehrt. Was mich an dem Event »Crisis on Infinite Earths« am meisten fasziniert hat, war die Tatsache, dass fast jede Rezension etwas in der Art schrieb: Die Auswirkungen des Events waren lang anhaltend oder sind bis heute spürbar. Das ist die richtige Verwendung von „für immer“.
    Sehen wir uns Marvels »Battleworld« an. Ich lese regelmäßig Rezensionen und höre Podcasts, aber ich könnte nicht sagen, was mit »Battleworld« passiert ist. Mit einer neuen Erde, die von Doom neu erschaffen wurde, dachte ich, dass dies der neue Status quo sein sollte oder zumindest für ein paar Monate bestehen bleiben oder vielleicht ein neues Event auslösen würde. Was ist passiert? Ich habe keine Ahnung.
  • Den Charakteren treu bleiben
    Den Charakteren und ihrer grundlegenden Motivation sollte man treu bleiben. Warum tun sie, was sie tun? Wenn ein Charakter wie Captain America einem Gegner gegenübersteht, den er nicht besiegen kann (was er ohne zu zögern tun würde, nur damit sich seine Freunde in der Zwischenzeit etwas anderes ausdenken oder sich ein Zivilist retten kann), dann lässt man dies zu. Vielleicht lässt man ihn sogar einen heldenhaften Tod sterben. Anscheinend sind »Green Lantern: Sinestro Corps War« und »Infinity Gauntlet« großartige Beispiele dafür.
    Die Sache ist die: Wenn die Geschichte eines Helden erzählt werden soll, der auf die schiefe Bahn gerät, dann bleibt man dabei. Man sollte die Geschichte nicht mittendrin aufgeben und es sich anders überlegen. Hierzu dient Marvels »Shadowland« als Beispiel. Der Hauptcharakter der Geschichte sollte zu einer Art Bösewicht werden. Es gab Gründe für sein Handeln, es war glaubwürdig und nachvollziehbar. Aber in letzter Minute entschied man sich für eine andere Lösung und tat so, als sei er besessen gewesen. Warum? Nur, damit die Figur leichter wieder rehabilitiert werden kann?
  • Die Vergangenheit verändern
    „Retconning ist in der Tat die wichtigste Methode, mit der Comic-Autor*innen die von Eco aufgezeigten ‚traumhaften‘ Probleme des seriellen Erzählens bekämpfen können, da es ihnen ermöglicht, die Vergangenheit der Figuren so umzuschreiben, dass sie dem Tod entkommen, dem sie durch jede Handlung unweigerlich entgegengehen. Retconning ist eine Überarbeitung des Comic-Universums, um dieses Universum für zeitgenössische Leser*innen frisch und spannend zu gestalten, aber es beinhaltet auch den Einfluss der Vergangenheit, da es sich direkt in diese Vergangenheit einschreibt“ (Friedenthal, 2011).
    Es kann eine Herausforderung sein, immer wieder Geschichten von besonderer Bedeutung zu erzählen. Wenn es also im Moment keine originellen Ideen gibt, sollte ein Event nicht erzwungen werden, nur um ein bisschen mehr Geld zu verdienen. Ein Event muss auf verschiedenen Ebenen funktionieren und sich für die Leser*innen auszahlen. Denn einerseits muss man gewillt sein, in diese Geschichte zu investieren – nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich. Andererseits muss man das Vertrauen der Leser*innen am Ende belohnen. Es ist sicherlich nicht leicht, eine Balance zu halten, sodass ein Event für langjährige Fans und frische Leser*innen funktioniert. Um Stan Lee zu paraphrasieren: Jedes Event kann von einem Leser oder einer Leser*in das erste sein. Sie verdienen das Beste. Denn sollte das Vertrauen weg sein, ist es sehr schwer, es sich wieder zu verdienen.

Oft denke ich: Erzählt einfach großartige Geschichten. Events sind nicht alles. Erzählt coole, abenteuerliche, intime, spannende Geschichten über die Charaktere, die wir lieben. Erschafft neue, führt unerwartete Team-ups herbei. Wenn man möchte, kann man im Hintergrund Andeutungen zu einem größeren Ganzen machen, so wie es seit Jahren bereits der Fall ist. Der Fokus sollte aber auf den monatlichen Geschichten liegen. Diese sind es, die eine Beziehung zwischen Schöpfer*in und Leser*in schaffen. Events sind der Bonus, der langjährige Treue belohnt.

Quellen:

  • ign.com | The best comic book events
  • ign.com | The worst comic book events
  • ign.com | Crisis on infinite earths the absolute edition review
  • mtv.com | The 11 biggest comic book events ever
  • english.ufl.edu | Archive | Volume 6 | Issue 2 | Monitoring the Past: DC Comics’ Crisis on Infinite Earths and the Narrativization of Comic Book History by Andrew J. Friedenthal

Everything X-Men | Comic Book Events (1/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Genauer gesagt einen Text, den ich im Rahmen des sogenannten Projektstudiums für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In diesem Projekt habe ich mich eingehend mit den X-Men-Comics beschäftigt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht (inklusive der Zitate) und den Text anschließend redigiert.

Nachdem die letzten Male Texte zu »Avengers Disassembled« und »House of M« erschienen sind, geht es heute um Events im Allgemeinen. Wenn man nichts mit Comics zu tun hat oder sich noch nie eingehender mit dem Thema beschäftigt hat, sagt einem das wahrscheinlich nicht viel. Events sind aber ein großes Ding, zumindest bei Marvel und DC, und sind eigentlich Tradition. Es gibt sie immer wieder, mal größer, mal kleiner. Ihre Versprechen sind immer groß, aber ob sie das dann einhalten, ist eine ganz andere Frage. Im ersten Teil des Textes soll es heute um die Geschichte von Events gehen und um ein paar Beispiele. Wie schon bei den letzten Texten hätte ich mir aus heutiger Sicht gewünscht, das Thema noch detaillierter und eingehender behandelt zu haben. Aber erneut waren Zeit und Aufwand knapp bemessen. Dennoch ist es ein interessanter Einblick.


Als Letztes sind erschienen:


Warum gibt es in der Welt der Superhelden-Comics überhaupt Events? Nun, hauptsächlich wegen des Gewinns und der Akquise von neuen Leser*innen. Aber es muss doch mehr dahinterstecken, oder? Schauen wir uns das Thema etwas genauer an und versuchen, herauszufinden, was sie einzigartig und nachhaltig macht.

Warum gibt es in der Welt der Superhelden-Comics überhaupt Events? Nun, hauptsächlich wegen des Gewinns und der Akquise von neuen Leser*innen. Aber es muss doch mehr dahinterstecken, oder? Schauen wir uns das Thema etwas genauer an und versuchen, herauszufinden, was sie einzigartig und nachhaltig macht.

Sinnsuche

Ich klinge jetzt vielleicht wie ein mürrischer alter Mann, aber heutzutage finden überall Events statt. Zumindest was die Big Two der Branche (Marvel und DC) angeht. Ich habe das Gefühl, dass Marvel alle zwei Monate ein großes, das Universum erschütterndes Event veranstaltet und, wenn möglich, sogar mehrere Events gleichzeitig. DC geht etwas besser damit um (vielleicht), aber das ist eine sehr subjektive Einschätzung. Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne Geschichten von Image, Boom und anderen Verlagen lese. Sie erzählen einfach gute Geschichten. Außerdem nummerieren diese Verlage nicht alle drei Jahre ihre Comics neu. Dabei geht es doch um gute Geschichten. Ich lese gerne Events, aber meistens nicht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Sammelbände sind eine großartige Möglichkeit, ein Event gebündelt an einem Nachmittag zu lesen und trotzdem ein gutes Erlebnis damit zu haben.

Ich habe versucht, meine Erfahrungen mit den Ergebnissen meiner Recherchen zu kombinieren. Ich wollte herausfinden, welche Events erfolgreich waren. Warum manche funktionieren und andere nicht. Bevor wir aber dazu kommen, sprechen wir über den Zweck von Events. Die Funktion, die sie innerhalb ihrer Universen erfüllen.

Wie wir im Text über die Zeitalter von Comics besprochen haben, gibt es Superhelden, wie wir sie kennen und lieben, seit 1938 und der Entstehung von Superman. Es ist schön und gut, wenn Superhelden für Gerechtigkeit kämpfen. Daraus entstehen mitreißende Geschichten. Aber wirklich spaßig wird es, wenn man einige von ihnen zusammenbringt: Sie kämpfen gegen eine Bedrohung, die sie alleine nicht besiegen könnten. Sie stehen gemeinsam am Abgrund, starren in die Tiefe, kämpfen aber trotzdem weiter. Sie bringen Opfer für das Allgemeinwohl, für eine Zukunft, damit die Menschheit überleben kann und eine bessere Welt entsteht. Zumindest ist das der Traum. Aber es gibt Bedrohungen und Antagonisten, die man nicht einfach besiegen kann: Antagonisten, die den Abgrund kontrollieren und ihn umarmen. Und um zu gewinnen, muss ein Held/eine Heldin ihn ebenfalls umarmen. Man bewegt sich auf Messers Schneide. Es sind persönliche Bedrohungen, die es zu überwinden gilt. So etwas haben wir 2017 beim DC-Event »Metal« gesehen.

Andere Events verändern ganze Universen oder sogar Multiversen. Die Antagonist*innen fordern nicht nur einen Helden oder eine Heldin heraus. Sie bedrohen jedes Lebewesen. Sie hungern nach Planeten und Sternensystemen, zerstören die Realität, wie wir sie kennen, und formen sie nach ihrem eigenen Willen neu. Diese Events erfordern nicht nur ein Team von Superhelden. Sie müssen sich vielleicht mit ihren bisher größten Widersachern zusammenraufen, um der Bedrohung entgegentreten zu können.

Der Goldstandard

Meines Wissens war das erste „richtige“ Event »Crisis on Infinite Earths« von DC Comics. Zumindest war es das Erste, das diesen Namen verdiente und das immer noch als eines der am besten umgesetzten Events gilt. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels habe ich das Event (noch) nicht gelesen, werde es aber auf jeden Fall demnächst nachholen. Nehmen wir zum Beispiel eine Rezension von Goldstein. Er verrät zwar nichts über den Verlauf der darin vorkommenden Ereignisse, dennoch möchte man nach der Lektüre es sofort selbst lesen:

„‘Crisis on Infinite Earths‘ war nicht die erste Crisis im DCU, aber sie wurde zum prägenden Event in der langen Geschichte des Verlagsriesen. Crisis nahm 50 Jahre Kontinuität, fast ein halbes Dutzend verschiedene Universen und Hunderte Charaktere, presste sie alle zusammen und schuf daraus einen glänzenden neuen Spielplatz, der seit zwei Jahrzehnten besteht“ (Goldstein, 2006).

Jedes einzelne Event braucht einen Grund, zu existieren. Ohne diesen Grund hat man nur eine aufgeblähte Geschichte: etwas Vertrautes, das zu einer acht- oder sogar zwölfteiligen limitierten Serie mit einer Reihe von Tie-Ins aufgeblasen wurde, die niemand will. Am Ende steht eine Geschichte, die eigentlich niemand braucht. Denn am Ende eines Events sollte etwas anders sein. Es muss nichts Großes sein. Es kann so klein sein wie eine Sinnesänderung eines Charakters. Das Abenteuer, das er oder sie während der Geschichte erlebt hat, hat seine oder ihre Perspektive verändert. Oder es kann so groß sein wie ein neuer Status quo des gesamten Multiversums.

DC Comics »Crisis on Infinite Earths« war Letzteres. Marv Wolfman stellte sich einer unmöglichen Aufgabe: Er nahm die über 50-jährige Geschichte von DC mit all ihrem Ballast und ihren Inhalten und zerlegte sie, nur um sie wieder neu zusammenzusetzen. Er schuf eine Welt, die neue Leser_innen verstehen und alte Leser_innen schätzen konnten. Das Schlüsselwort dafür ist Kontinuität. Marvel und DC (sowie Valiant) haben jeweils ein zusammengehöriges, kontinuierliches Universum. Das bedeutet, dass jedes Abenteuer in derselben Welt oder zumindest im selben Multiversum stattfindet. Autor_innen, Redakteur_innen und Künstler*innen müssen dies berücksichtigen, wenn Charaktere sterben oder Orte zerstört werden. Oder, wie Friedenthal (2011) es in seinem Essay formuliert:

„Kontinuität in einem Comic-Superhelden-Universum ist die Meta-Erzählung, die aus der Summe aller Begegnungen, Beziehungen, Kämpfe, Geburten, Todesfälle und anderer Wendungen in der Handlung und Charakterisierung entsteht, die innerhalb dieses Universums stattgefunden haben.“

Everything X-Men | House of M (2/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Heute geht es mit dem zweiten und letzten Teil zum Event »House of M« weiter. Nächstes Mal sprechen wir dann allgemein über Comic-Book-Events.


Als Letztes sind erschienen:


Schöne neue Welt?

Wanda hat es geschafft. Sie hat eine völlig neue Realität geschaffen. Steve Rogers ist nicht mehr Captain America. Ms. Marvel ist eine der letzten Superhelden, die keine Mutanten sind (und Menschen töten?). Luke Cage ist ein Untergrundboss, Sam Wilson ein Detektiv, Strange nicht mehr der Sorcerer Supreme, Colossus immer noch in Russland und so weiter und so fort. Der Einzige, der zu wissen scheint, was vor sich geht, ist Wolverine. Die letzten beiden Seiten der zweiten Ausgabe zeigen einen Helicarrier, umgeben von Flugzeugen und Sentinel-ähnlichen Robotern. Alle mit dem M-Logo. Für Magneto? Oder Mutant?

Normalerweise sind Mutanten die Minderheit auf dem Planeten. Gehasst. Gefürchtet. Gejagt. Nicht mehr. Homo Superior ist die dominierende Rasse. Homo sapiens sind die Minderheit und werden in wenigen Jahren ausgestorben sein. Von der Erde getilgt.

Gesetze verbieten die Extraktion des Mutantengens. In den Schulen wird die Geschichte der Mutanten gelehrt (obwohl ich nicht glaube, dass Namor der Erste war). Es ist ein Zufluchtsort für Mutanten. Aber ist es das wirklich? Es sollte eine bessere Version der Welt sein, aber man spürt, dass etwas nicht stimmt. Nur Andeutungen hier und da. Als Ororo beispielsweise ein Kleid anprobiert, zerstört sie fast den Laden, um zu testen, ob er ihren Kräften standhalten würde. Mutanten sind frei, sind die dominierende Spezies und gedeihen, aber jetzt sind sie die Unterdrücker. Hank sagt in einer anderen Szene zu Pym:

„Als es den Dinosauriern passierte, haben sie es nicht kommen sehen. Sie hatten nicht den Intellekt oder die Fähigkeit, es zu verstehen. Aber du hast es. Du siehst zu, wie es passiert, und es tut verdammt weh. […] Es ist nicht fair, dass du hier sitzen musst, mit vollem Bewusstsein, und zusehen musst, wie es langsam passiert.“

In einer Zeitung namens »The Pulse« erfahren wir etwas mehr über diese Welt und was mit ihr passiert ist. Ein Artikel erzählt die Geschichte von Eric Magnus (Magneto), der dafür verantwortlich ist, die geheimen Angriffe der Regierung auf die Mutanten vor einigen Jahren aufgedeckt zu haben. Seitdem hat er die Welt neu aufgebaut und den Homo Superior befreit. Man hat das Gefühl, das Regierungen keine Rolle mehr spielen. Es ist das Haus Magnus, das diese Seite des Globus regiert. Die königliche Familie der Mutanten. Das House of M ist wie eine Organisation, die alle in Schach hält. Erinnern wir uns an die Sentinels. Sie wurden umprogrammiert, sodass sie Nicht-Mutanten-Lebensformen töten, wenn diese sich nicht an die Regeln halten. Regeln wie: keine Versammlungen abhalten. Oder das ständige Tragen ihrer GPS-Chipkarten. Superhelden, die keine Mutanten sind, sind verboten. Sie werden sogar gejagt. In der Spider-Man-Begleitgeschichte beispielsweise entlarvt J. Jonah Jameson Spider-Man als Nicht-Mutanten – er wurde lediglich von einer Spinne gebissen.

Einige dieser Geschichten beschäftigen sich auch mit vagen Erinnerungen oder Vorstellungen, dass dies nicht die Welt ist, wie sie sein sollte. Es ist ziemlich beängstigend, sich bewusst zu sein, dass sich alles falsch anfühlt. Was wäre, wenn wir uns an ein altes Leben „erinnern“ würden? Nicht bewusst, sondern unbewusst. Was würde man tun? Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, sich in einer neuen Welt zu verhalten, die man nicht kennt: zu versuchen, sich anzupassen, herausfinden, was vor sich geht, und versuchen, es rückgängig zu machen. Oder man macht es wie Wolvie und tut, was man möchte, bis man einen Weg findet, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wie wir festgestellt haben, scheint Wolverine der Einzige zu sein, der sich der Veränderungen bewusst ist. Er springt von einem Helicarrier, um S.H.I.E.L.D. und einer blauen Mutantin zu entkommen, bei der es sich vermutlich um Mystique handelt. Er weiß nicht, was vor sich geht, stiehlt ein Motorrad und versucht, Charles Xavier zu finden. Niemand hat etwas von ihm gehört. Hat Eric ihn aus der Geschichte entfernt oder ist er kein Teil von Wandas Neuer Welt? Mutanten gibt es überall, also braucht man keine Schule, wie Xavier sie führte, oder? Es scheint auch, als sei Wolverine der Boss eines Teams innerhalb von S.H.I.E.L.D., und wegen seines kleinen Stunts jagen sie ihn nun. Aber eine Untergrundgruppe hilft ihm. Luke Cage „lädt“ ihn ein, und Hawkeye (!) taucht ebenfalls auf.

Logan erzählt Luke Cage und seinen Freunden alles. Aber nicht, bevor Hawkeye ihm in den Kopf schießt – mit einem seiner Pfeile. Aber da er Wolverine ist, steht er wenige Sekunden später wieder auf. Diese Sekunden wären eine hervorragende Gelegenheit gewesen, um zu fliehen, denn Wolverine hat einen Peilsender im Nacken und inzwischen ist sein ehemaliges Team eingetroffen. Cloak teleportiert alle weg (Cloak ist einer meiner Lieblingscharaktere in dieser Geschichte, obwohl ich zum ersten Mal etwas mit ihm lese). Als Logan ihnen erzählt, was passiert ist, glauben sie ihm überraschenderweise.

Denn: Vor Logan kam ein Mädchen zu ihnen, das nach Daredevil suchte. Stattdessen fand sie Cage. Irgendwie ist sie sich dieser alternativen Realität bewusst und erzählte ihnen, was sie weiß. Während sie mit Wolverine spricht, entdeckt sie, dass sie selbst eine Mutantin ist – mit mentalen Fähigkeiten. Ihr Name ist Layla. Ich bin mir nicht sicher, ob wir sie kennen sollten, aber sie ist eine großartige Bereicherung für das Team. Vor allem, als sie zu Emma Frosts Wohnung gehen.

Escape my mind

Das Team befreit Peter Parker, Kitty Pride, Stephen Strange, Carol Danvers, Tony Stark, Matt Murdock und Jennifer Walters. Captain America lassen sie in Ruhe, da er etwa hundert Jahre alt ist. Als ich diese Seiten zum ersten Mal las, hatte ich das Gefühl, dass er zurückkommt und eine wichtige Rolle im Finale spielen würde – leider ist das nicht der Fall. Dennoch war es eine spannende Idee. Zu guter Letzt »befreien« sie Logans neues Team: Kurt Wagner, Rogue, Raven und Doc Ock. Im Finale dieser Ausgabe erfahren wir schließlich, was mit Charles Xavier passiert ist. Denn Magneto steht vor einem großen Grabstein mit dessen Namen darauf.

Bevor wir weitermachen, möchte ich noch über Peter Parker sprechen. Die von Wanda geschaffene Realität sollte jedem all das geben, was er oder sie sich jemals gewünscht hat. Träume werden in dieser Welt wahr. Wolverine möchte unbewusst Nick Fury sein, Captain America möchte nicht Captain America sein und so weiter. Peter möchte seinen Onkel zurückhaben und mit Gwen Stacy verheiratet sein. Verständlich. Er lebt ein glückliches Leben, hat Spider-Man zu einer Ikone gemacht – zu einer Rolle, die er spielt. Kein Held. Aber als sie ihn »befreien«, ist er sich der ganzen Tragödie bewusst. All den Schmerz, den er erlebt hat. Nach dem ersten Schock möchte er allein sein. Wolverine ist derjenige, der auf ihn zugeht – und mit ihm spricht. Was folgt, ist eine der besten Szenen dieses Ereignisses. Mit allem, was um sie herum vor sich geht, haben sie diesen intimen Moment. Nur diese beiden Charaktere. Toll!

Später besprechen die Befreiten den Plan, wie sie das House of M angreifen und die Welt wieder korrigieren können. Doch die Frage ist: Sollten sie die Welt überhaupt korrigieren? Wie Jessica sagt:

„Wenn etwas von dieser Größenordnung passiert … muss man einen Schritt zurücktreten und sich sagen: Vielleicht war es an der Zeit, dass dies passiert. Wer sind wir, dass wir entscheiden, wie die Welt zu sein hat? […] Vielleicht werden Mutanten auf diese Weise zur nächsten dominierenden Spezies. […] Man weiß nicht, ob ich Recht habe oder nicht, und das macht mir eine Heidenangst. Und das sollte es auch.“

Sie müssen einen Schlag nach dem anderen einstecken. Nicht physisch, sondern psychisch. Für Peter bedeutet das, Gwen und Ben erneut zu verlieren. Und er sagt, dass er sich vielleicht nicht zurückhalten kann. Er würde Magneto dafür töten, wenn er die Gelegenheit bekäme. Und der beängstigende Gedanke ist: Alle sind sich einig. Diese Welt ist falsch. Egal, was passiert, sie haben die Welt zu korrigieren. Alles hängt von ihnen ab, und sie können sich nicht zurückhalten. Also beginnt die letzte Schlacht.

Seit ich »Astonishing X-Men« gelesen habe, ist Emma Frost eine meiner Lieblingsfiguren aus den X-Men. Sie widmet sich voll und ganz der anstehenden Aufgabe und kann ihre Kräfte sehr gut einsetzen. Sie ist der Grund, warum das Team einen Helicarrier infiltriert, ihn stehlen und die Männer und Frauen, die ihn befehligen, nach Genosha fliegen lassen können. Dort hat das Haus Magnus einige Gäste. König T’Challa, Victor von Doom, Prinzessin Ororo, König Namor und Genis-Vell vom Kree-Imperium. Es ist eine sehr beeindruckende Gästeliste, und man kann nur hoffen, dass sie nicht alle im Namen von Magnus kämpfen.

Während die anderen die Party angreifen, um alle zu täuschen, suchen Emma, Layla und Cloak nach Xavier. Als sie den Grabstein finden, kann Emma es nicht mehr ertragen. Sie sinkt auf die Knie und möchte nur noch aufgeben. Wieder ein kraftvoller, intimer Moment. Aber als Cloak das Grab untersucht, findet er nichts. Kein Sarg, keine Leiche, nichts. Was ist passiert?

In einer dritten Szene folgen wir Doctor Strange, der Wanda beim Spielen mit ihren Kindern findet. Sie ist sich nicht bewusst, was vor sich geht, und es ist ihr egal. Aber nicht auf eine wütende Art und Weise. Sie wollte nur, dass die Welt besser wird. Manipuliert von demjenigen, der vorgab, sie zu lieben, schuf sie diese Neue Welt. Aber es war nicht ihr Vater. Es war ihr Bruder Pietro. Er wollte sie vor den Avengers und den X-Men retten. Aber als Magneto sich von ihnen abwandte, aufgab und zuließ, dass die Avengers und X-Men sie töten würden (oder auch nicht), überredete Pietro seine Schwester dazu. Und sie gab allen, was sie sich jemals gewünscht hatten.

Als der Kampf seinen Höhepunkt erreicht, befreit Layla Magneto. Und als er erkennt, was seine Kinder getan haben, was Pietro in Magnetos Namen getan hat, verliert er völlig die Kontrolle. Zuerst hält er alle mit seinen Kräften fest (indem er jedes Metall um sie herum nutzt). Dann tötet er seinen Sohn. Es ist gewalttätig. Brutal. Es ist in keinster Weise ein triumphierender Moment. Es ist einfach nur tragisch. Als Wanda die Szene verfolgt, fragt sie sich, warum sie herrschen sollten. Was macht Mutanten besser als Homo Sapiens? In diesem Moment beschließt sie:

„No more mutants.“

Fazit

So endet es also? Nun, fast. Als Wanda die Erde in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, nimmt sie den Mutanten das Mutanten-Gen. Sie tötet nicht alle Mutanten, sondern nimmt ihnen ihre Kräfte. Emma kann jedoch einige ihrer Freunde und Kolleg*innen mit ihren Fähigkeiten schützen. Dennoch gibt es jetzt nur noch wenige Hundert Mutanten, während es zuvor Tausende waren. Sie wurden dezimiert.

Aber wie Hank in den letzten Zeilen der letzten Ausgabe erklärt: Energie kann man nicht zerstören. Und er fragt sich, wohin all die Kraft, all die Energie verschwunden ist. Das letzte Bild zeigt eine rot und gelb leuchtende Kraft, die sich der Erde nähert.

House of M ist ein großartiges Ereignis. Brian Michael Bendis und das Team rund um dieses Event hat hervorragende Arbeit geleistet. Es ist etwas von großer Tragweite und mit weitreichenden Konsequenzen, trotzdem gibt es intime und persönliche Momente. Wir werden eine Pause von dieser Zeit der X-Men einlegen, aber wir werden zurückkommen, um zu sehen, was die Zukunft für unsere Helden bereithält.

Everything X-Men | House of M (1/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Nachdem wir in den vergangenen Wochen das Event »Avengers Disassembled« angesehen haben, geht es heute nahtlos mit der Fortsetzung weiter. »House of M« ist ein Stück Comic-Geschichte. Obwohl man das eigentlich über fast alles sagen kann, was Brian Michael Bendis geschrieben hat. Es ist auch eines DER X-Men-Events. Leider gefällt mir mein Text dazu im Rückblick nicht ganz so gut. Zwar habe ich viel darüber geschrieben, aber hauptsächlich erzähle ich die Story nach; manchmal ordne ich etwas ein. Ich hätte mir gewünscht, mich intensiver mit dem Event auseinandergesetzt zu haben. Eben das zu machen, worum es im Projektstudium (meiner Ansicht nach) geht: Analysieren und aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive darauf blicken.

Doch ich bin zu sehr ins Schreiben einer Rezension abgedriftet. Ich hätte mir gewünscht, mehr erklärt zu haben. Warum ist diese letzte Szene, die ich in diesem ersten Teil des Textes anspreche, so bedeutsam? Wenn man sich mit Comics noch nie beschäftigt hat oder Spider-Mans Geschichte nicht kennt, sagt das einem nichts. Das hätte man bei House of M vielfach machen können. Auf die einzelnen Charaktere eingehen, ihre Geschichte. Es wäre ein umfassendes Projekt an sich geworden, aber sicherlich ein spannendes Unterfangen geworden. Natürlich hat Zeit eine Rolle gespielt. »Everything X-Men« war ein Mammutprojekt und es alleine zu machen, doch etwas viel. Trotzdem mag ich es gerne, auf meine alten Texte zurückzublicken. Ich kann mir daraus etwas für die Zukunft mitnehmen.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Als 2005 die erste Ausgabe dieses Events »House of M« in den Handel kam, hatten Events noch eine Bedeutung. Zumindest glaube ich das. Jedenfalls mehr als heute. Es scheint, als hätte Marvel in den vergangenen Jahren nichts anderes getan, als ein Event nach dem anderen zu veröffentlichen. Und jedes einzelne davon sollte das Marvel-Universum für immer verändern. Um ehrlich zu sein, mag ich Events – solange sie in sich geschlossen sind, also nicht monatelang jede einzelne Reihe in Anspruch nehmen. Und vor allem: Wenn sie Konsequenzen haben. Erinnert sich noch jemand an Battleworld? Ist das aktuell? Ich habe den Überblick verloren und dieses spezielle Event nicht gelesen. Aber wir werden in einem anderen Artikel über Comic-Events sprechen. Jetzt wollen wir uns auf »House of M« konzentrieren.

Was ist House of M? Wie wir in unserer letzten ausführlichen Rezension besprochen haben, hat Wanda die Fähigkeit, die Realität zu verändern. Diese Fähigkeit wird auch als Chaosmagie bezeichnet. Einen Vorgeschmack darauf lieferte bereits »Avengers Disassembled«. Magneto hat sie am Ende der Geschichte mitgenommen. Doch nun wollen die Avengers und die X-Men über ihr Schicksal entscheiden. Aber erneut kommt ihnen Wanda zuvor und sie rettet sich selbst. Indem sie die Welt neu erschafft.

Die Realität, die Wanda geschaffen hat, ist anders. Wir kennen sie nicht. Ich halte es für gut, dass es neben dem Hauptereignis mehrere limitierte Serien, One-Shots und Tie-Ins gibt. Ja, ich weiß, dass dies im Widerspruch zu dem steht, was ich zuvor gesagt habe, aber wenn man eine ganz neue Welt erschafft, muss man sie auch verstehen können. Laut Marvel Unlimited umfasst die gesamte Handlung 51 Ausgaben. Die Haupthandlung besteht aus acht Ausgaben. Ich konzentriere mich hier auf die Haupthandlung. Ich habe einige der anderen Comics gelesen und sie bei Bedarf erwähnen.

Road to Nowhere

Die Cover der Hauptstory sind wunderschön. Auf den ersten Blick wirken sie schlicht, nur die groben Umrisse der Figuren, aber je genauer man hinsieht, desto mehr Details entdeckt man. Mein Favorit ist Ausgabe Nr. 4. Es ist faszinierend, Hawkeye auf dem Cover zu sehen, obwohl er in »Avengers Disassembled« gestorben ist. Hier schießt er einen Pfeil nach dem anderen auf Wolverine ab, während dieser am Boden liegt.

Die erste Ausgabe beginnt mit einem Traum, einer Welt, in der Wanda leben möchte. Ihr Bruder Quicksilver alias Pietro Maximoff, ihr Ehemann The Vision und ihre X-Men-Kolleg*innen an ihrer Seite. Sie bringt ihre Kinder zur Welt. Es ist ein glücklicher Moment, und man kann verstehen, dass sie in diesem Traum leben möchte. Sich so fest wie möglich daran klammern. Aber dann spricht Xavier mit ihr. Er sagt ihr, dass dies eine Lüge ist. Sie hat keine Kinder. Dies ist kein glücklicher Ort. Dies ist Genosha. Erik, Charles und Wanda haben diesen Ort als ihren Zufluchtsort gewählt. Um sich vor der Welt zu verstecken und zu versuchen, Wanda zu heilen. Aber will sie überhaupt geheilt werden? Sie ist eine der mächtigsten Mutanten und Magierinnen im Universum. Ich frage mich, ob sie sich dessen bewusst ist oder einfach nur ihrer Fantasie folgt.

Während Erik und Charles über Wanda sprechen, sehen wir Erik ohne sein Magneto-Outfit. Das ist vielleicht das erste Mal seit Beginn unserer Reise. Es unterstreicht die Bedeutung des Gesprächs. In diesem Moment ist er nicht Magneto oder ein Bösewicht. Er ist ein Vater, der sich um das Leben seiner Tochter sorgt. Er macht sich selbst verantwortlich für das, was ihr widerfahren ist. Außerdem: Der Kampf gegen die Menschheit, die Kämpfe gegen die X-Men, die Avengers und andere haben ihn sehr mitgenommen. Er sieht müde aus. Sogar erschöpft.

Springen wir zum neuen Hauptquartier der Avengers. Nachdem sich das Team aufgelöst hat, hat Cap ein neues gebildet: Spider-Man, Spider-Woman, Captain America, Wolverine und Luke Cage sind die New Avengers und hatten bereits ihre ersten Missionen, als Charles Xavier sie zusammenruft. Einige X-Men und ehemalige Mitglieder der Avengers sind ebenfalls anwesend. Er hat sie zusammengerufen, weil er Hilfe bei einer Entscheidung braucht: Soll er Wanda Maximoff töten, oder nicht?

Erik, der mit Wanda auf Genosha geblieben ist, führt das gleiche Gespräch mit seinem Sohn Pietro. Überraschenderweise stimmt er ihm zu. Sie zu töten könnte die einzige Lösung sein, um sie aufzuhalten. Emma Frost (die genauso aussieht wie in der »Astonishing X-Men«-Reihe) ist diejenige, die dafür plädiert, Wanda zu töten. Wolverine stimmt ihr zu und fragt Cap, wie viele noch sterben müssen, bis sie ihr ein Ende setzen.

Es ist eine Diskussion, die so alt ist wie Comics selbst. Sollten Helden Bösewichte töten, wenn diese immer wieder zurückkommen oder eine große Bedrohung für die gesamte Bevölkerung darstellen? Sollte Batman den Joker töten? Wann sind genug Menschen gestorben, um einen weiteren vorsätzlichen Tod zu rechtfertigen? Die Diskussion in Tony Starks Wohnung ist eine der intensivsten Auseinandersetzungen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Nicht nur wegen des exzellenten Textes, sondern auch wegen der Illustrationen. Es ist ein umfangreiches Thema. Einige der Panels scheinen zu klein für das zu sein, was darin dargestellt wird. Dieser Stil schafft eine dichte Atmosphäre. Man könnte schon fast klaustrophobisch werden.

Cap betrachtet Wanda als eine Avenger, daher sollte es ihre Entscheidung sein, und außer Wolverine sind alle gegen ihre Tötung. Die Art und Weise, wie Cap Wolverine zurechtweist, ist einer der besten Momente der Reihe. Es wird mit Schatten gespielt und klargemacht: mit Cap legt man sich besser nicht an. Am Ende beschließen sie, sie auf Genosha zu besuchen. So können sie sie sehen und sich ein besseres Bild von der Situation machen.

Sprung nach Genosha: Wir erleben die folgende Szene aus Spider-Mans Sicht. Wanda ist weg, ebenso wie Erik. Auch die anderen sind plötzlich verschwunden. Niemand ist da. Er ist allein. Er sieht das Licht. Die Welt wird weiß. Und er wacht in seinem Bett auf. In einem anderen Zimmer weint ein Baby. Peter steht auf und kümmert sich um sie, während Gwen Stacy, seine Frau, im Bett bleibt.

Everything X-Men | Avengers Disassembled (2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein so genanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit dem X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit dem zweiten und letzten Teil zu »Avengers Disassembled«. Wir werfen einen genaueren Blick auf den Charakter Wanda Maximoff, das Ausmaß ihrer Kräfte und wie es weitergeht.


Als Letztes sind erschienen:


Überbleibsel der Vergangenheit

Wie bereits erwähnt, kenne ich Bendis hauptsächlich aus seiner Reihe »Ultimate Spider-Man«. Eine seiner größten Stärken als Autor sind seine Dialoge. Sie wirken natürlich und authentisch, und es scheint fast übernatürlich, wie er komplexe, schwerwiegende Themen in Gespräche einfließen lässt. Selbst die Art und Weise, wie die Figuren sprechen, verrät viel über sie. Ich glaube, man könnte eine beliebige Sprechblase auswählen und den Charakter benennen, der sie gesprochen hat.

Das ist wichtig, weil die Figur, die für all die Zerstörung und das Chaos verantwortlich ist, aus den 60er Jahren stammt. Und obwohl wir sie bereits in früheren Geschichten kennengelernt und über sie gesprochen haben, ist in den vergangenen 30 Jahren viel mit ihr passiert. Ich spreche von Scarlet Witch alias Wanda Maximoff.

Während die Ex-Avengers über sie sprechen, enthüllen sie ihre tragische Vergangenheit. Sie ist offenbar eines der mächtigsten magischen Wesen im Marvel-Universum und in der Lage, die Realität selbst umzugestalten. Der Grund, warum S.H.I.E.L.D. die Kree mit ihren Sensoren nicht aufspüren konnte, ist, dass Wanda sie erschaffen hat. Sie hat sie durch ihre Gedanken ins Leben gerufen. Aus dem Nichts kann sie alles kreieren, was sie sich vorstellen kann. Nichts scheint unmöglich. Das könnte auch der Grund sein, warum Jack of Hearts, der eigentlich tot sein sollte, zu Beginn der Geschichte auftaucht.

Es ist wichtig, dieses Konzept zu verstehen: Sie kann die Realität manipulieren. Das hat sie schon einmal getan. Zu dem kommenden Thema habe ich noch keine Recherchen angestellt, weil ich mich zumindest ein wenig überraschen lassen möchte, wenn wir zu der Geschichte um Genosha kommen. Soweit ich es verstehe, wollte Wanda Kinder haben und führte aus reinem Willen – mit ihren magischen Fähigkeiten – eine Schwangerschaft herbei. Sie brachte zwei Kinder zur Welt. Dennoch waren es keine „echten“ Kinder. Wir diskutieren hier nicht das Konzept dessen, was in diesem Zusammenhang „real“ ist. Das ist eine andere Diskussion. Aber so wird es im Marvel-Universum unter den Charakteren diskutiert: Die Kinder hätte es nie geben dürfen. Nach der Geburt hat eine Frau, deren Namen mir nicht bekannt ist, diesen „Fehler“ korrigiert. Wandas Kinder existierten also nicht mehr.

Zurück zur aktuellen Situation: Wanda ist in eine Welt der Fantasie geflohen. Sie hat ihre Kinder in ihrer Vorstellung wieder erschaffen, um mit ihnen Haus zu spielen („to play house“, wie es im Englischen so schön heißt). Sie verliert jedoch die Kontrolle über ihre Kräfte, und wie Doctor Strange betont, ist die Fantasie der Feind. Alles ist möglich. Niemand ist vor Wandas Kräften sicher. Mit dem Auge von Agamotto kann Dr. Strange Wandas Kräfte bändigen, woraufhin sie bewusstlos wird.

Das letzte Bild, das wir von ihr sehen, ist, wie Magneto aus dem Nichts auftaucht, seine Arme zu beiden Seiten ausgebreitet und in der Luft schwebt. Der Jesus-Vergleich ist nicht wirklich subtil, auch wenn Magneto in Purpur gekleidet ist, inklusive Umhang und Helm. Überrascht und ungläubig (Magneto sollte eigentlich auch tot sein, hat dies aber nur vorgetäuscht) unternimmt keiner der Avengers etwas. Sie geben Magneto seine Tochter, und gemeinsam fliegen die beiden davon.

Dies war eine der am besten gestalteten Szenen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Alles, was passiert ist, führt zu diesem Moment. Man muss nicht alle vorherigen Geschichten gelesen haben, denn die Reaktionen der Charaktere reichen aus, um einen in den Bann zu ziehen. Das ist bemerkenswert. Die künstlerische Fähigkeit, all diese emotionalen Szenen umzusetzen, ist ebenfalls großartig. Jedes Wort, jedes Bild, jeder Gesichtsausdruck trifft ins Schwarze. Schlag auf Schlag auf Schlag. Und dann ist es plötzlich vorbei und man sitzt vor einem Scherbenhaufen, der einmal die Avengers waren.

Fazit

Eine Sache, die mich in diesen wenigen Ausgaben am meisten fasziniert hat, ist die Art und Weise, wie Bendis die Avengers auseinandergenommen hat. Sie müssen einen Schlag nach dem anderen einstecken. Zuerst eine Explosion, dann ein Absturz, angegriffen von Ultron-Robotern und den Kree – allesamt große Gegner der Avengers – und Wanda nutzt sie alle, um das Team zu zerstören. Bendis hat die Avengers nicht nur auseinandergenommen, er hat ihren Kern zerstört. Dann hat er das, was übrig geblieben ist, genutzt, um die Scherben aufzulesen und ein neues Team zu bilden. Von vorne anzufangen.

Nächstes Mal sehen wir uns quasi die Fortsetzung an (ebenfalls von Brian Michael Bendis): House of M.

Everything X-Men | Avengers Disassembled (1/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein sogenanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit den X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

In den nächsten Wochen beschäftigen wir uns mit Comic-Events aus dem Marvel-Universum, in denen die X-Men involviert waren. Ich habe mir damals, als ich die Texte schrieb, zwei prominente Beispiele herausgesucht: »Avengers Disassembled« und »House of M«. Nicht nur sind diese bedeutend für die Avengers, sondern es zeigt die Macht von einem meiner Lieblingscharaktere: Wanda Maximoff. Besonders seit sie Teil des MCU ist, habe ich mich etwas mehr mit ihrem Charakter auseinandergesetzt. Ich mag die Interpretation von Elizabeth Olsen sehr gerne. Doch nicht nur für die Charaktere sind die beiden Events bedeutend. Sie stellen auch den Beginn einer Karriere dar. Nämlich von Brian Michael Bendis. Zwar schrieb er schon vorher großartige Geschichten bei Marvel, doch mit »Avengers Disassembled« begann eine neue Ära. Über viele Jahre hat Bendis Marvel geprägt wie kein Zweiter.

Als ich mir den Text über »Avengers Disassembled« noch einmal zu Gemüte führte, ist mir aufgefallen, dass ich mal wieder sehr wenig auf den künstlerischen Aspekt der Comics eingehe. Das ist eine der großen Schwächen meiner Reviews, wie ich finde. Ich sage zwar immer, ob mir ein Stil gefällt oder ob etwas visuell gut dargestellt ist, aber ich hätte mir gewünscht, näher darauf eingegangen zu sein. Es ist allerdings nicht leicht, über Kunst zu schreiben. Besonders wenn man sich nebenbei noch Gedanken um die Geschichte und Charaktere macht, was sie bedeutet und wo sie hinführen könnte. Mal sehen, ob es im Laufe dieser Reihe besser wird. Ich kann mich offen gesagt nicht mehr im Detail daran erinnern.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Im November 2017 gab Brian Michael Bendis bekannt, dass er Marvel (nach 17 Jahren) verlassen und ausschließlich für DC Comics arbeiten werde. Wenn man sich auch nur ein wenig für Comics interessiert, weiß man, dass dies eine große Sache ist. »Ultimate Spider-Man« war eines seiner ersten Projekte für Marvel und ist eine meiner Lieblingsinkarnationen von Spider-Man. Bendis schuf auch Miles Morales, den Nachfolger von Peter Parker, und begann 2004 mit dem Schreiben der Avengers-Comics. Er tat für die Avengers, was Claremont für die X-Men tat. Einige vergleichen Bendis’ Einfluss sogar mit dem von Kirby oder Lee.

Deshalb wollte ich mir die Geschichten, die er geschrieben hat, und die Art und Weise, wie er das Team neu erfunden hat, genauer ansehen. Dazu höre ich mir den Podcast »Bendis Assembled« an. Dieser Podcast führt wunderbar durch die Abenteuer, die Bendis federführend schrieb, und was mit den Charakteren in dieser Zeit passiert ist. Alternativ oder zusätzlich gibt es noch »Legendary Runs«. Hier wird etwa in Folge 45 über »Alias« gesprochen, einen weiteren Meilenstein der Comic-Geschichte, geschrieben von Brian Michael Bendis.

Die Geschichte von »Avengers Disassembled« erstreckt sich über gerade einmal vier Ausgaben von »Avengers« (500 bis 503) und klingt in »Avengers Finale« Nr. 1 aus. Anschließend beginnt die Zählung neu, mit »New Avengers« Nr. 1. Ich erfuhr, dass ein bestimmter X-Men, der bereits in den 60er Jahren eingeführt wurde, eine wichtige Rolle in den kommenden Abenteuern der Avengers spielte. Also beschloss ich, diese Geschichten in mein Projekt zu integrieren, und nun sind wir hier und sprechen über die Avengers in einer Kolumne, die den X-Men gewidmet ist (wir werden das vielleicht für »AvX« wiederholen).

Die Geschichte

Wie wir am Ende von Ausgabe Nr. 501 sehen, gibt es viele Charaktere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte von Marvel Teil der Avengers waren. Wie zerlegt man also eines der besten Superheldenteams im Marvel-Universum?

Die Geschichte konzentriert sich auf Hawkeye, Scott Lang alias Ant-Man, Janet alias Wasp, She-Hulk, Jarvis und Captain Britain. Sie befinden sich in der Villa der Avengers. Hawkeye und Ant-Man diskutieren darüber, wen aus ihrem Team sie nie haben könnten: „das eine Mädchen, von dem man weiß, dass man es nicht haben kann“. Plötzlich ertönt ein schriller Alarm und warnt sie vor einem Eindringling. Es klingt herablassend, wie sie über ihre Kolleginnen sprechen, aber durch die kommenden Ereignisse könnte man sagen: Karma schlägt zurück. Das Signal unterbricht die Diskussion. Karma ist hier personifiziert durch Jack of Hearts.

Wer ist Jack of Hearts? Keine Ahnung. Aufgrund intensiver Recherchen (ich habe die ersten paar Absätze auf Wikipedia gelesen) kann ich sagen, dass er nicht nur ein mächtiges Wesen ist, sondern auch konstant leidet Er muss einen speziell angefertigten Anzug tragen, damit er nicht explodiert, und verbringt jeden Tag viel Zeit in einer Kontaminationszelle, ebenfalls um eine spontane Explosion zu verhindern. Er sollte tot sein – und so wie er aussieht, ist er es – und geht ruhig auf die Villa zu. Scott geht auf Zombie-Jack zu und versucht, mit ihm zu sprechen. Aber er explodiert in einer gewaltigen Feuerwolke und pulverisiert Scott.

Teile der Villa werden zerstört, sodass die anderen unter den Trümmern begraben werden. Captain America und Falcon treffen am Ort des Geschehens ein, als ein von Vision gesteuerter Quinjet auf den Überresten der Villa notlandet. Vision geht ein paar Schritte, löst sich auf, schmilzt, genauer gesagt, und bringt fünf Metallkugeln hervor, die sich in Ultron-Roboter verwandeln. Sie können diese Bedrohung gerade noch rechtzeitig eindämmen, als She-Hulk durchdreht – unfähig, all das Geschehen zu verarbeiten. Die Wut übernimmt die Kontrolle und sie zerreißt Visions Leiche. Nicht horizontal (an der Taille), wie man erwarten könnte, sondern vertikal – und legt so die „Organe“ von Vision frei. Und das ist nur der Anfang.

Ein paar Stunden später, als Wasp im Krankenhaus versorgt wird (immer noch geschrumpft und in kritischem Zustand), kehren Cap und Hawkeye zur Villa zurück, wo alle Avengers bereitstehen, um die Situation zu untersuchen. Der Tag ist jedoch noch nicht vorbei. Eine Flotte von Kree-Schiffen greift die trauernde Gruppe an. Doch etwas stimmt nicht, denn der Helicarrier von S.H.I.E.L.D. kann die Flotte nicht erkennen. Während der großen Schlacht wird Hawkeye schwer verletzt. Soweit man es sehen kann, von einem explosiven Pfeil oder Ähnlichem. Bevor dieser aber explodieren kann, schnappt er sich einen Kree und fliegt mit Hilfe eines Jetpacks in das Mutterschiff. Sein Opfer bleibt nicht unbemerkt, da die Kree miteinander verbunden sind, und wenn man eines ihrer Mutterschiffe ausschaltet, sind sie alle besiegt.

Nach dem Kampf erscheint Doctor Strange und erklärt ihnen, dass all dies eine Art chaotische, magische Störung ist. Es ist kein Trick – alles ist wirklich passiert –, aber Magie ist im Spiel.

Das Ende?

Fassen wir zusammen: Die Avengers gibt es nicht mehr. In der Sonderausgabe »Avengers Finale #1« versammeln sich die Kernmitglieder der Avengers, zumindest diejenigen, die noch am Leben sind, ein letztes Mal in der zerstörten Villa. Jeder darf seinen Lieblingsmoment aus ihrer umfangreichen Geschichte erzählen. Jeder Moment wird auf einer Doppelseite zusammengefasst. Selbst wenn man die meisten dieser Geschichten nicht gelesen hat (so wie ich), ist es eine sehr emotionale Situation. Immerhin verabschieden sie sich und gehen davon aus, dass es vorbei ist. Zumindest in dieser Konstellation. Scott ist tot. Hawkeye ist tot. Jack of Hearts ist tot. Wasp ist verletzt und im Krankenhaus.

Außerdem lässt dieser Trick Tony Stark (der zu diesem Zeitpunkt Verteidigungsminister ist) betrunken erscheinen, obwohl er seit Wochen oder sogar Monaten keinen Alkohol mehr getrunken hat, und bringt ihn in Verruf. Er verliert einen Großteil seines Geldes (er kann die Avengers nicht mehr finanzieren) und einige seiner Freunde vertrauen ihm nicht mehr. Das passiert zwar alles relativ schnell, bleibt allerdings trotzdem nachvollziehbar.

Bendis hat es geschafft, die Avengers und ihr Zuhause nicht nur physisch zu zerstören, sondern sie auf emotionaler Ebene vernichtend zu schlagen. Das Vertrauen ist weg. Man muss sich darauf verlassen können, dass die Person neben dir dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen weg ist, was kann man dann noch tun, außer die Reset-Taste zu drücken?

Everything X-Men | Comic-Epochen (5/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute schließen wir unsere Reise durch die Comic-Epochen ab. Es geht um das Diamond Age.

Als Letztes sind erschienen:


Diamant-Zeitalter (1997 bis heute)

Manche nennen es das moderne Zeitalter oder das Filmzeitalter, aber beides ist weder passend noch angemessen. Das moderne Zeitalter ist ein sehr subjektiver Begriff. Wenn wir in den 80er Jahren wären, könnten wir diese Zeit auch als „das moderne Zeitalter der Comics“ bezeichnen, aber das würde nichts bringen. Oder wie es der Nutzer Spider10 (17. Juli 2016) von der Website playbuzz formuliert: „Wir können nichts als das ‚moderne Zeitalter‘ bezeichnen, denn seien wir ehrlich: Das ‚moderne Zeitalter‘, das wir jetzt haben, wird zeitnah nicht mehr so genannt werden.“

Der Begriff „Filmzeitalter“ ist ebenfalls unpassend, da er den Fokus von den Comics weg verlagert. Der Name „Diamond Age“ ist jedoch ein guter Kompromiss, um auf die Millionen Dollar hinzuweisen, die Filme basierend auf Comics einspielen. Und ich spreche hier nicht nur vom Marvel Cinematic Universe oder dem DCEU. Wir dürfen auch die frühen Filme nicht vergessen. Spawn aus dem Jahr 1997, Blade aus dem Jahr 1998, der erste X-Men-Film aus dem Jahr 2000 usw. Aber auch Filme, die auf den ersten Blick nichts mit Comics zu tun haben, wie Atomic Blond oder Valerian (um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen), basieren auf Graphic Novels. Meiner Meinung nach begann das eigentliche Zeitalter der Comic-Verfilmungen mit Spawn, spätestens aber mit Blade.

Natürlich gab es schon vor diesen beiden Filmen einige Versuche, Superhelden zum Leben zu erwecken. Die Technologie war für solche Projekte jedoch noch nicht ausgereift. Ich denke, es war auch ein Problem, dass die Filme nicht so viel Geld für die Produktion erhielten. Eines der ersten Megaprojekte dieser Art war »Der Herr der Ringe«. Das hatte aber weniger mit Comics zu tun und mehr damit, dass Fantasy und besonders J. R. R. Tolkien immer geht.

Zwanzig Jahre scheinen eine enorme Zeitspanne zu sein. Vielleicht müssen wir irgendwann einen Schnitt machen und eine neue Phase beginnen. Für einen so drastischen Schritt ist es aber zu früh. Denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Aus Sicht von DC Comics könnten wir vielleicht 2011 oder 2016 für einen Neuanfang nutzen. 2011 gab es die Initiative „The New 52“ und 2016 „Rebirth“ (aber das hängt mit „The New 52“ zusammen, also müsste es 2011 sein). Oder wir könnten mit einem der vielen Events beginnen, die Marvel in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft hat. Oder, und das ist meine Lieblingsvariante, wir nehmen Abstand von den beiden Großen und wählen einen Indie-Comic als Beginn einer neuen Ära. Es muss nicht unbedingt Image sein. Wir könnten uns zum Beispiel Boom!Studios ansehen, die großartige, originelle, spannende Comics veröffentlichen. Valiant könnte ebenfalls eine mögliche Alternative sein.

Es gibt viele Optionen, und nur die Zeit wird zeigen, in welche Richtung wir uns bewegen werden.

Quellen

Bevor wir zur üblichen Bibliografie kommen, möchte ich auf eine detaillierte Liste aller Ereignisse von 1933 bis heute verweisen. Die Liste wurde von bipcomics.com veröffentlicht und obwohl sie die Epochen nicht so unterteilt haben wie ich, beispielsweise begann ihre goldene Ära 1933, ist es eine interessante Liste mit vielen Informationen in einem kompakten Format:

  • bipcomics.com | ages

Wer sich speziell für die Geschichte von DC Comics interessiert: Ich kann die Bücher von Paul Levitz empfehlen. Er hat eine XL-Hardcover-Buchreihe über das Goldene, Silberne und Bronzene Zeitalter von DC geschrieben. Ich habe sie noch nicht gelesen, aber die Rezensionen sind vielversprechend. Es gibt auch einen visuellen Geschichtsführer zu DC Comics (allerdings von einem anderen Autor). Die Ressourcen zu verschiedenen Themen sind umfangreich und könnten ganze Bibliotheken füllen.

  • playbuzz.com | The Ages Of Comic Books Explained | Spider10 (17. Juli 2016)
  • tvtropes.org | Proto-Superhero. (27. September 2017)
  • tvtropes (o. D.). Useful Notes / The Silver Age of Comic Books.
  • behindthecomics (o. D.). Ages of Comic Books.
  • comicbookhistorians.com | The 8 Ages of Comic Books | Grand, A. (6. Oktober 2016)
  • quora.com | Which was the first comic book ever? [Kommentar] Henry, J. (1. November 2016).
  • Strausbaugh, J. (14. Dezember 2003). ART; 60’s Comics: Gloomy, Seedy, and Superior. The New York Times.
  • imagecomics.com | Spawn #1 [Publikationsinfo].

Everything X-Men | Comic-Epochen (4/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit den Comic-Epochen und den Dark Ages sowie dem Extreme Age. Aus heutiger Perspektive hätte ich mir gewünscht, dass ich die einzelnen Epochen detaillierter beschrieben hätte. Ich gebe immer wieder Quellen an, wo man Dinge nachlesen kann oder mehr Informationen findet. Doch es wäre gut für den Text gewesen, manche dieser Dinge einzuarbeiten und zu überprüfen. Mehr Beispiele aus den Comics der damaligen Zeit heraussuchen und so weiter. Aber dafür reichte die Zeit dann doch nicht aus, und ich hatte schon alle Hände voll damit zu tun, die X-Men-Comics zu lesen und zu analysieren. Dann auch noch Essays zu Themen zu schreiben, war vielleicht doch etwas viel.

Ich habe schon lange keine Comics mehr gelesen, aber wenn ich mir diese alten Texte ansehe, juckt es mich doch wieder in den Fingern. Es ist und bleibt das beste Medium. Zumindest für mich. Aber machen wir erst einmal weiter mit den Epochen.

Als Letztes sind erschienen:


Das dunkle Zeitalter

Das dunkle Zeitalter, manchmal auch als Copper Age bezeichnet, begann 1985. Warum ich dieses Zeitalter nicht als „modernes Zeitalter“ bezeichnen möchte, erkläre ich später genauer. Wie bei unserem realen dunklen Zeitalter ist dieser Begriff nicht wörtlich, sondern bildlich zu verstehen. Charaktere wie Barry Alan als Flash, Clark Kent als Superman, Wonder Woman und viele andere wurden durch düsterere, realistischere und psychologisch komplexere Charaktere ersetzt. Als Ausgangspunkt können wir erneut einen Blick auf DC und ihr Ereignis „Crisis on Infinite Earths“ werfen. Nach 50 Jahren Veröffentlichung mussten sie ihren reichhaltigen und komplexen Mythos vereinfachen. Ihn etwas zugänglicher machen. Die Lösung war eine 12-teilige Miniserie, die das DC-Universum für immer verändern sollte.

Wer sich eingehender mit diesem Event beschäftigen möchte: Ich kann den Artikel „Crisis on Infinite Earths‘ 30 Years On“ von Gregory L. Reece auf popmatters.com wärmstens empfehlen. Zunächst spricht er über die Geschichte von DC und die Idee eines Multiversums. Anschließend geht er darauf ein, warum und wie „Crisis on Infinite Earths“ so ein Erfolg wurde.

DC veröffentlichte auch einen ihrer beliebtesten und meistverkauften Graphic Novels, »Batman: Year One« von Frank Miller und dem Künstler David Mazzucchelli. Frank Miller schrieb auch »The Dark Knight Returns«. Alan Moore und Dave Gibbons schufen »Watchmen«. Ich glaube, ich muss den Wert dieses Comics nicht beschreiben.

Aber „Marvel hatte auch seinen Anteil an dunklen, psychologisch komplexen Geschichten wie dem Morlock-Massaker, Scourge, der Bösewichte ermordet, und dem Punisher, der im Vergleich zu Drecksäcken wie Nuke oder Sabretooth ein Held ist.“ (Grand, 2016)

Extreme Age

Für manche begann das Extreme Age 1991 mit der Veröffentlichung von »X-Force #1« von Rob Liefeld. Meiner Meinung nach passt 1992 jedoch besser, denn in diesem Jahr wurde Image Comics von Todd McFarlane, Jim Lee, Whilce Portacio, Marc Silvestri, Erik Larsen, Jim Valentino und Rob Liefeld gegründet. Ehemalige Mitarbeiter der Big Two. Es war eine kleine Revolution und ein Aufschwung für Indie-Comics.

1993 wurde Milestone Media von einer Koalition afroamerikanischer Künstler und Autoren gegründet, bestehend aus Dwayne McDuffie, Denys Cowan, Michael Davis und Derek T. Dingle. Sie gaben Minderheiten eine Plattform. Das Extreme Zeitalter führte das Bronzezeitalter weiter. Es entstanden düsterere Antihelden. Zum Beispiel einer meiner absoluten Favoriten: Spawn.

„Während ein seltsamer Angreifer die Stadt heimsucht und Menschenherzen herausreißt, taucht ein weiteres Wesen aus einer anderen Welt auf. Als sein Verstand ins Wanken gerät, erinnert sich unser gequälter Held daran, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, um zu seiner geliebten Frau zurückzukehren – fünf Jahre nach seinem Tod.“ (imagecomics; o. J.)

Es ist wichtig, solche Entwicklungen hervorzuheben und ihnen ihre eigene Ära zuzuweisen, egal wie kurz diese auch sein mag. Aber Image spielt nach wie vor eine große Rolle als Comic-Verlag, und Milestone Media hat viele Menschen inspiriert (ihre Geschichte kann man ausführlich in dem großartigen Buch „Black Superheroes, Milestone Comics, and Their Fans“ von Jeffrey A. Brown nachlesen).

Dies war auch die Zeit, in der Taschenbücher populär wurden und DC mit ihrer Storyline „Death of Superman“ begann. Das Wort „extrem“ bezieht sich aber auch auf die Zeichnungen, die nicht immer anatomisch korrekt waren (insbesondere was bestimmte Merkmale des weiblichen Körpers oder die Muskeln von Männern angeht), und wir bekamen viele Gimmicks in den Handlungssträngen präsentiert, wie man in den frühen Comics von Image sehen kann.

Everything X-Men | Comic-Epochen (3/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit den Comic-Epochen. Wir sehen uns das Silver Age und das Bronze Age an.

Als Letztes sind erschienen:


Silbernes Zeitalter

Mit den neuen Richtlinien der »Comics Code Authority« – wie man Comics macht, ohne Kinder zu Mördern, Dieben und letztlich zu Bösewichten zu manipulieren – erwachten die Superhelden zu neuem Leben. Andere datieren den Beginn des silbernen Zeitalters vielleicht ein paar Jahre später:

„Bei DC Comics wandte Carmine Infantino seine Kunst auf verschiedene Comic-Genres an, und eines, das den Nerv der Mainstream-Leserschaft traf und unter der Comics Code Authority gut ankam, war Showcase 4 aus dem Jahr 1956, das den modernen Barry-Allen-Flash vorstellte und das Silberne Zeitalter (1956–1969) einläutete.“ (Grand, 2016)

Oder: „Das Silberne Zeitalter dauerte von 1956 bis etwa 1972 (obwohl manche Leute alles bis 1985 dazuzählen und das Bronzezeitalter der Comics einbeziehen).“ (tvtropes, o. J.)

Obwohl mir die Idee gefällt, dass DC eine bedeutende Rolle beim Beginn neuer Epochen der Comics spielt, scheint der Beginn der Comics Code Authority besser zu passen. Aber wie wir in den nächsten beiden Epochen sehen werden, muss dieser Bereich der Comicforschung noch weiter ausgearbeitet werden. Insbesondere nach der Bronzezeit gehen die Meinungen der Autor*innen darüber, wie die Epochen zu definieren sind, weit auseinander. Deshalb wollte ich eine vollständige Liste bereitstellen, damit man selbst entscheiden kann, wie man die Epochen einteilen möchte.  

Ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich fragte: Warum soll Barry Allens Auftritt in DC Showcase #4 im Oktober 1956 der Beginn einer neuen Ära sein? Martian Manhunter beispielsweise erschien erstmals im November 1955 in Detective Comics #225, und Captain Comet hatte sein Debüt in Strange Adventures #9 (1951). Was ist so besonders an Barry Allen? Wir müssen uns die Erzählweise dieses Comics ansehen. Interessant ist, dass ein Comic mit der Nummer 4 einer fortlaufenden Serie das Silberne Zeitalter einläutete und nicht die Nummer 1 (aber wir werden in einem anderen Artikel über Events und Rebirths sprechen). Wichtig zu wissen ist, dass Showcase #4 der erste Comic war, der sich auf einen Science-Fiction-Ansatz konzentrierte. Die Helden wurden realistischer dargestellt. Batman, Superman, Wonder Woman (die letzten drei fortlaufenden Comics, die zu dieser Zeit noch von DC veröffentlicht wurden) und andere folgten. Wenn man diesen Standpunkt einnimmt, ist Showcase #4 vielleicht der Beginn des silbernen Zeitalters.

Wenn wir uns Marvel ansehen, stellen wir fest, dass alle wichtigen Figuren während des Silbernen Zeitalters eingeführt wurden: Fantastic Four, Spider-Man, Hulk, Iron Man, X-Men, Daredevil, Tales of Suspense, Tales to Astonish und so weiter und so fort.

Das Ende des Silbernen Zeitalters wird oft mit Green Lantern und dem folgenden Zitat aus dem Jahr 1972 in Verbindung gebracht: „Diese Tage sind vorbei – für immer vorbei – die Tage, an denen ich selbstbewusst und sicher war … Ich war so jung … so sicher, dass ich keinen Fehler machen konnte! Jung und übermütig, das war Green Lantern. Nun, ich habe mich verändert. Ich bin jetzt älter … vielleicht auch weiser … und viel weniger glücklich.“

Bronzezeit

Die 1960er Jahre klangen aus, die Comics Code Authority verlor ihren Einfluss und Superhelden wurden verwundbar. Die Gesellschaft musste einige Rückschläge verkraften, aber bevor ich auf Details eingehe, hier ein abstrakter Überblick:

„Als viele geliebte Menschen ums Leben kamen oder Menschen emotional verzweifelten, wurden Helden und Schurken arm und depressiv, was dazu führte, dass sie drogen- und alkoholabhängig wurden. Da die Regeln der Authority gebrochen wurden, übernahm das Übernatürliche die Macht. Helden hatten dunklere Schurken und mussten zusammenarbeiten, um diese dunklen Zeiten zu überstehen. Minderheitencharaktere entschieden sich dafür, gegen das Verbrechen zu kämpfen und Helden zu werden, sei es aus Geldgier, um zu überleben oder um Gerechtigkeit zu schaffen.“ (Spider10, 2016)

Massaker, der Vietnamkrieg und der Verlust eines Großteils der Finanzmittel der NASA sind nur drei Ereignisse, die zu dieser Zeit stattfanden. Auch die Comic-Branche befand sich im Wandel. 1971 wurden neue Richtlinien der CMAA veröffentlicht, 1970 wechselte Jack Kirby von Marvel zu DC, Spider-Mans Freundin Gwen Stacy starb 1973. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass die Bronzezeit mit der ersten Ausgabe von »Conan the Barbarian« begann.

Noch einmal: Warum? Conan wurde 1932 von dem Schriftsteller Robert E. Howard erschaffen und feierte 1970 sein Comic-Debüt. Die nun gelockerten Richtlinien des Comic-Codes beflügelten den Drang der Schöpfer nach Experimenten. Einen Mann praktisch nackt herumlaufen zu lassen, war wohl ein logischer Schritt. Wie Superman steht Conan also für mehr als nur den Beginn einer neuen Comic-Reihe. Er steht für eine Idee.

Um schließlich wieder zu unserem Hauptthema zurückzukommen: Die X-Men wurden 1975 neu geboren. »Giant-Sized X-Men #1« erschien und Chris Claremont begann seine 17-jährige Herrschaft über alle Titel, die mit den X-Men zu tun hatten.