Aus der Übung

Anfang bis Mitte April hatte ich einige Nächte, in denen ich miserabel geschlafen habe. Entweder waren es unruhige, kurze Nächte oder sogar beides. Zum Teil ging das über mehrere Nächte hintereinander. Man schaltet dann in eine Art Autopilot-Modus um; zumindest würde ich das im Nachhinein so bezeichnen. Irgendwann wird man auch nervös, bevor man sich ins Bett legt, wie diese Nacht wohl verlaufen wird. Ich habe versucht, mich nicht zu sehr zu stressen und die Abende entspannt und ruhig zu gestalten. Außerdem habe ich mit der »Sprechkabine« einen wunderbaren Podcast, den ich seit Jahren zum Einschlafen höre. Ich fange immer wieder von vorne an, wodurch ich manche Episoden schon auswendig kenne und mich auf gewisse Stellen freue. Die beiden Hosts sprechen ruhig über Gott und die Welt, und es funktioniert für mich – meistens.

Trotzdem haben sie im April nicht oft helfen können, mich beim Einschlafen zu unterstützen. Es gibt eben so Zeiten. Wenn der genannte Autopilot einsetzt und man nur irgendwie funktioniert, sinkt die Bereitschaft, manche Dinge zu machen. Bei mir war es unter anderem das Blog. Ich habe über eine Woche keine Texte geschrieben und war sehr froh, dass ich stets einen gewissen Puffer an Texten bereit habe. Es wäre schade, einen Tag zu verpassen, nur weil ich ein paar Nächte kaum geschlafen habe. Für einen täglichen Blog ist eine Woche durchaus eine lange Zeit, nichts zu schreiben. Die Finger und das Gehirn waren nicht mehr darauf getrimmt. Immerhin braucht es Themen, die man sich jeden Tag heraussucht, und ein paar Gedanken dazu, die man niederschreiben möchte. Es war ein bisschen Überwindung, wieder anzufangen.

Doch nachdem das erste Thema sich quasi von selbst ergab (die Führung im ehemaligen Puff und zukünftigen Luxushotel in der Steingasse in Salzburg; siehe »Im Puff«), fing es langsam wieder an zu flutschen. Ich hatte in der Zeit auch Abstand davon genommen, mich intensiver mit Nachrichten aus Österreich und der Welt zu beschäftigen, was es ebenfalls schwer machte, Themen zu finden. Zwar warf ich gelegentlich einen Blick auf die Webseite des Standard und las die täglichen Newsletter vom Falter, aber das war es im Prinzip auch schon. Wenn sich die verrückten Führer der Welt entscheiden sollten, die Welt zu vernichten, würde ich das schon mitbekommen. Die gute Nachricht, dass in Ungarn Orbán endlich abgewählt wurde, hat mich allerdings doch positiv gestimmt. Wie es allerdings wirklich wird, muss die Zukunft zeigen.

Somit nähere ich mich langsam wieder dem täglichen Schreiben und der Themensuche, um die ich mich eigentlich nicht bemühen muss. Denn irgendwas ergibt sich immer. Das überrascht mich selbst nach knapp 900 Texten immer noch. Es findet sich immer ein Thema. Manchmal sogar zu viele. Aber einen Puffer zu haben, ist nie schlecht. Denn man weiß nie, was passiert und wann man mal eine Woche aussetzen muss.