
Ich hatte den Plan, meine Yu-Gi-Oh-Sammlung zu verkleinern. Deswegen habe ich den Online-Händler Gate-to-the-Games angeschrieben, da dieser Karten ankauft. Ich kann schon mal spoilern, dass der Verkauf nicht zustande gekommen ist. Nicht, weil der Händler unfair war. Die Kommunikation und der Ablauf des Verkaufs waren hervorragend. Nur war meine Erwartung an den erzielbaren Preis viel zu hoch angesetzt. Deshalb habe ich davon abgesehen, den Verkauf durchzuführen. Der Prozess hat mir allerdings auch etwas beigebracht.
Im Laufe des Lebens macht man verschiedene Hobbys unterschiedlicher Komplexität und Schwierigkeit durch. Sei es aufgrund des erforderlichen handwerklichen Geschicks oder einer steilen Lernkurve. Ein Thema mag seicht anfangen, aber unter der Oberfläche ein Universum an Möglichkeiten, Lore und Historie mitbringen, in die man sich vertiefen kann. Ich habe schon ein paar davon durchgemacht. Aber kaum etwas schlägt die Raritätsstufen von Yu-Gi-Oh. Gibt es ein undurchsichtigeres, abschreckenderes System als jenes von Yu-Gi-Oh?
Egal, wie viele YouTube-Videos und Artikel man sich ansieht oder Beschreibungen man liest, am Ende hat man hunderte Karten vor sich liegen, ist von Selbstzweifeln geplagt und fragt sich, in welche Richtung die glitzernden Linien nun wirklich zeigen. Ist das Silber, Gold oder beides? Glitzert das Bild oder der Rand oder gar nichts? Und: Wer zum Teufel hat sich das ausgedacht?! Belanglose Frage nebenbei: Könnte ich diese Person eventuell allein in einem abgeschotteten Raum treffen? Ich hätte ein paar Worte, die ich loswerden möchte.
Ich verstehe durchaus den Reiz, dass man sich über die Jahre immer wieder neue Raritätsstufen ausdenkt. Immerhin möchte man die Leute damit anlocken. Ich verstehe auch, dass die ersten wirklich erfolgreichen TCGs viel experimentieren, testen und lernen mussten – so etwas gab es in dem Ausmaß einfach nicht. Aber die Liste an Raritäten bei Yu-Gi-Oh! ist wirklich unfassbar lang, unnötig und kompliziert. Pokémon steht dem in nichts nach, aber dort wirkt es nicht ganz so übertrieben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich Pokémon nachvollziehbarer finde. Es gibt 1000+ Pokémon. Die sammelt man. Fertig. Klar gibt es pro Pokémon unterschiedliche Formen und so weiter. Trotzdem ist die Grundstruktur seit jeher gleich. Yu-Gi-Oh! auf der anderen Seite muss sich zwangsläufig immer neue Monster, Zauber- und Fallenkarten ausdenken, weil sogenannter „Power-Creep“ dort sehr, sehr real ist. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, den ich heute nicht hinabtauchen möchte. Bleiben wir bei den Seltenheitsstufen.
Auch wenn der Verkauf an Gate-to-the-Games am Ende nicht zustande kam, empfand ich es trotzdem als sehr lehrreich, die Sammlung einer grundsätzlichen Sortierung zu unterziehen. Immerhin habe ich mich schon ein paar Jahre nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Die Sortierung nach Sprache hätte ich mir vielleicht sparen können, war aber eine Anforderung durch den Händler. Anschließend habe ich alle gleich aussehenden Karten zusammengefasst. Also alle Commons (ohne jedweden Glitzer) und dann alle Raritäten, die mir untergekommen sind. Ich kannte zwar deren Namen noch nicht, aber zumindest hatte ich mal einen Überblick, welche Raritäten ich habe. So konnte ich sie leichter zuordnen.
Ich hatte mit der Zeit ein halbwegs gutes Verständnis für die Raritäten. Was ich ebenfalls empfehlen kann: Pro Rarität eine Karte in eine Hülle stecken, die man auf der Rückseite entsprechend beschriftet. Zugriff auf eine Referenz zu haben, sollten die Raritäten mal wieder Selbstzweifel und sonstige emotionale Zustände auslösen, kann Gold wert sein. Wie ich allerdings die Sammlung nun als Ganzes sortieren möchte, weiß ich beim besten Willen noch nicht – aber das ist eine andere Geschichte.
