Everything X-Men | Legion – Die eigene Geschichte

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Es ist wieder Donnerstag und damit Zeit für den nächsten Teil von »Everything X-Men« und unsere Besprechung von »X-Men Legacy – Legion«.

Im letzten Teil kam es zur lange aufgeschobenen Begegnung zwischen David und seiner Mutter Gabrielle. Für einen kurzen Moment sah es nach Nähe, Verständnis und vielleicht sogar Heilung aus. Dann wurde Gabrielle erschossen. Weil diese Serie jede emotionale Öffnung sofort mit einem Vorschlaghammer beantwortet.

Der letzte Teil von „X-Men Legacy: Legion“ führt alles zusammen: Davids Schmerz, sein Verhältnis zu Xavier, seine Liebe zu Blindfold, seine Wut auf Cyclops und die Frage, ob er wirklich dazu verdammt ist, eine Gefahr für alle zu sein. Es geht um Kontrolle, aber nicht mehr nur über Kräfte oder Persönlichkeiten. Am Ende geht es darum, wer Davids Geschichte erzählen darf. Andere haben lange genug versucht, ihn zu definieren. Jetzt ist er selbst dran.


Cyclops und sein Team, darunter ein Magneto, der komplett in einer silbernen Version seines ursprünglichen Kostüms gekleidet ist, befinden sich in Swancall, Montana, und halten einen außer Kontrolle geratenen Mutanten in Schach, der Dinge miteinander verschmelzen kann.

Während David seinen Plan schmiedet, ist Ruth bei ihm und hilft ihm, seinen Schmerz zu ertragen. Sie küssen sich sogar. Ein wunderschöner Moment.

Sie haben einen verdammt beeindruckenden Auftritt. Mit all dem, was David kann, bekämpft er mühelos die anderen Mutanten, bis nur noch Cyclops übrig ist. Es ist sehr episch zu sehen, wie er sogar Magneto ordentlich eins auf die Mütze gibt. Aber David will Cyclops nicht einfach nur töten. Er will ihn in einem Faustkampf besiegen. Ein Kampf ohne Kräfte oder Fähigkeiten. Und aufgrund all der Kameras vor Ort wird das Ereignis weltweit übertragen.

Der Großteil dieser Ausgabe dreht sich um den Kampf zwischen Cyclops und Legion. David erklärt den Leser*innen – ja, er durchbricht die vierte Wand –, dass Kämpfe im echten Leben nichts Anmutiges an sich haben. Selbst wenn man ein ausgebildeter Kampfsportler ist, kommt es letztlich auf den Instinkt an. Es ist schmutzig und brutal. Das sehen wir auch in den Panels.

David landet einige gute Treffer, verliert aber letztlich. Cyclops prügelt ihn fast zu Tode. Doch am Ende betrügt David. Das macht Cyclops natürlich wütend, und er setzt seine Augenstrahlen gegen seinen Gegner ein. Leider löst all das eine Kettenreaktion aus:

Das Fusionsmädchen ist nicht mehr geschützt, sie verschmilzt mit David. In diesem geschwächten Zustand taucht Eyeball auf und will, dass Ruth David tötet, um die Mutanten zu retten. Zum Pech für Luca alias Eyeball war das alles nur eine Falle von David. Er benutzte das Fusionsmädchen, um Eyeball herauszulocken und ihn schließlich zu besiegen. Der Kampf, das Fusionsmonster, das David in seiner Vision sah – alles war nur eine Illusion für Eyeball. Er sperrt ihn in ein Stasisfeld.

Natürlich wusste Cyclops das nicht und schlug David. Aber schlimmer noch: Er injizierte ihm eine Art Virus. Der Virus heißt „Pyrrhic“ und ist ein psychisches Gift, das die X-Men für David vorbereitet hatten, für den Fall, dass er abtrünnig wird. Aus ihrer Sicht war er das. Also setzten sie es ein.

Jetzt ist es zu spät, David zu helfen. Es ist eine schreckliche Szene, ihn so zu sehen. All die Arbeit, die er geleistet hat – umsonst. Das Gebäude, das er für seine Persönlichkeiten errichtet hat, stürzt ein. Er hat eine Vision von seinem Vater und davon, wie enttäuscht dieser ist. Eine Nebenwirkung des Giftes. Schließlich befreit sich die gelbe Kreatur und nutzt den Augapfel als ihren neuen Wirt.

Zu deinem eigenen Besten

Die X-Men haben etwas falsch gemacht. Warum wird ausgerechnet David verhaftet?

„Zu deinem eigenen Besten“ ist einer dieser Sätze, bei denen man sofort misstrauisch werden sollte. In Geschichten sowieso, aber im echten Leben eigentlich auch. Meistens folgt darauf nichts Gutes, sondern irgendeine Form von Kontrolle, die sich freundlicher anhören soll, als sie ist.

Genau so fühlt sich Davids Situation hier an. Die X-Men haben etwas falsch gemacht. Cyclops hat das psychische Gift eingesetzt. Die gelbe Kreatur konnte dadurch entkommen. Eyeball terrorisiert die Welt. Und trotzdem ist es David, der festgehalten, geschwächt und behandelt wird, als wäre er allein das Problem. Natürlich ist David gefährlich. Das bestreitet niemand. Aber diese Geschichte zeigt sehr deutlich, wie schnell „gefährlich“ zu einer bequemen Begründung wird, jemanden nicht mehr als Person zu behandeln.

Der Schatten-Phönix.

David ist in den Händen von SWORD. Sie schwächen seine Kräfte und halten ihn fest. Es ist schrecklich zu sehen, wie David so behandelt wird. Er ist das Opfer in dieser Geschichte. Cyclops hat das Gift gegen ihn eingesetzt, und obwohl David versucht hat, zu helfen, hat er an sich nichts Falsches getan. Es ist die Schuld der X-Men, dass die gelbe Kreatur frei ist und mit dem Augapfel die Welt terrorisiert. Anscheinend hat sie bereits Tausende getötet. Zwar hätte David mit den X-Men sprechen können, aber er mag sie nicht besonders, wie wir aus früheren Ausgaben gelernt haben.

Leider ist das noch nicht das Schlimmste: Aarkus der Ätherische besucht ihn und erzählt und zeigt ihm alles, was Eyeball bisher getan hat. David nutzt die psychische Verbindung, um in Aarkus’ Gedanken nach einer Waffe zu suchen, mit der er Eyeball besiegen kann. Und er findet sie. Zu schade, dass Aarkus sie nutzen will, um David ein für alle Mal zu töten.

Aarkus gibt sogar zu, dass David eines der mächtigsten Wesen ist, denen er je begegnet ist, selbst in seinem geschwächten Zustand und trotz Kraftdämpfer. Schließlich bekommen wir die Waffe zu sehen, die Aarkus besitzt: das Gegenstück zum Phoenix. Ein Schatten-Phoenix.

Gestalt

Am Ende geht es nicht mehr nur darum, ob David stark genug ist, Eyeball, die gelbe Kreatur oder den Schatten-Phoenix zu besiegen. Natürlich geht es auch darum, weil Comics eben Comics sind. Und wir sind bei den X-Men, das heißt, am Ende muss jemand mit kosmischer Energie um sich werfen. Aber darunter liegt etwas anderes: David muss aufhören, gegen seine eigene Existenz anzukämpfen.

„Kämpfe nicht dagegen an“ klingt zunächst wie einer dieser Sätze, die in Geschichten gerne fallen, kurz bevor jemand in Licht aufgeht oder eine miserable Entscheidung trifft. Hier passt er aber. David versucht die ganze Serie über, Kontrolle zu erlangen. Kontrolle über seine Kräfte, seine Persönlichkeiten, sein Erbe, seine Zukunft und über die Art, wie andere ihn sehen. Vielleicht ist genau das der Punkt: Er kann nicht alles kontrollieren. Aber er kann entscheiden, was seine Geschichte bedeutet.

Deshalb funktioniert auch der Weber so gut. Er ist nicht einfach nur eine weitere Kraft in Davids Kopf, sondern eine fast schon unverschämte Metapher für das Erzählen selbst. David greift nicht nur in die Realität ein, sondern in die Struktur seiner eigenen Geschichte. Und ja, dabei kommt es offenbar auch zur besten schrägen Sexszene der Comicgeschichte. Selbst im emotionalsten Höhepunkt erinnert uns die Erzählung daran, dass wir hier immer noch bei Marvel sind und irgendjemand im Raum eine sehr merkwürdige Idee durchgewinkt hat.

„… Selbst wenn sich sonst nichts geändert hat, wenn alles explodiert und selbst das geringste Echo davon bleibt, dann macht das die Reise wertvoll. Unsere Erinnerungen bleiben. Niemand wird jemals in der Lage sein, das zu schmälern, was David heute getan hat: die Kontrolle über seine eigene Geschichte zu übernehmen, um jeden Preis.“

Oberflächlich betrachtet bin ich traurig, dass wir David nicht in Bestform erleben durften. Zumindest nicht für sehr lange Zeit. Ich hätte ihn gerne in voller Kontrolle gesehen, wie einen Gott für den Rest der Welt. In gewisser Weise war er das situationsweise auch. Zum Beispiel, als die Zwillinge ihm halfen.

»X-Men Legacy: Legion« schließt mit einem Hoffnungsschimmer und einem bittersüßen Ende. Man möchte weiterlesen, mehr erfahren, wie es weitergeht. Für David, aber auch für die anderen. Und das ist wohl das beste Kompliment, das man einer Geschichte machen kann.

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