Das Positive

Ich versuche stets, mich auf das Positive zu konzentrieren. In unserer Welt gibt es so viel Negatives, das jeden Tag auf uns hereinprasselt. Algorithmen haben gelernt, dass wir mehr auf schreierische Überschriften und Inhalte reagieren als auf die ruhigeren und eben positiveren Beispiele. Manchmal ist das nicht so einfach. Etwa in einer Woche, in der man eh schon eine depressive Phase hat, die alles dunkler und in einem schlechteren Licht erscheinen lässt. Oder in einer Woche, in der schlechte persönliche Nachrichten den Blick auf das Negative stärken können. Oder wenn jemand einen persönlich dermaßen enttäuscht, dass man es nicht für möglich gehalten hat. Es gibt eben Phasen, in denen es unmöglich scheint, die positiven Aspekte finden zu können.

Gerade dann ist es umso wichtiger, diejenigen Ereignisse zu finden, die schön waren, uns guttaten, Freude bereiteten oder uns einfach nur gefielen. Sich am Ende des Tages die Frage zu stellen: Was lief heute gut? Und wenn es noch so klein und nichtig erscheint. Habe ich etwas Gutes gegessen? Hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Kollegen bei einer Tasse Kaffee? Lief es heute beim Einkaufen im Supermarkt besonders rund? Was auch immer es ist: Sich immer wieder die positiven Dinge vor Augen zu führen, kann das Mindset in die richtige Richtung treiben und den Blick darauf schärfen.

Das ist allerdings auch immer etwas Mühsames. Es gibt Tage, da fällt es nicht leicht. Seit Jahren betreibe ich »Homework for Life«: Ich setze mich also am Ende des Tages hin und trage in eine schlichte Tabelle ein, was an diesem Tag erinnerungswürdig war. Auch hier kann es noch so klein sein, aber besonders diese Dinge sind es, die man festhalten muss. Die großen lebensverändernden Erfahrungen gibt es nur selten. Wenn man in der Lage ist, aus dem Alltäglichen so viel wie möglich zu ziehen, ist das ein Schritt zu einem erfüllteren Leben. Manchmal schreibe ich mir einfach nur auf, was ich getan habe. Mal notiere ich es genauer, mal weniger genau. Aber es hilft, sich daran zu erinnern. Und wenn man Jahre später zurückblickt und die Zeilen liest, ist man froh, es getan zu haben.

Vielen scheint die Zeit förmlich davonzulaufen. »Homework for Life« hilft nicht nur, sich auf die schönen Ereignisse zu konzentrieren und einen Blick dafür zu bekommen, sondern lässt die Zeit auch langsamer vergehen. Es durchbricht den Alltag, der immer gleich erscheint, und richtet den Scheinwerfer auf die einzigartigen Erfahrungen. Das ist etwas sehr Wertvolles.