Masters of the Universe

Amazon MGM Studios hat also einen neuen »Masters of the Universe«-Film herausgebracht. Ich habe vor einer Weile das Review von David Hain auf YouTube gesehen, aber dann auch wieder vergessen, dass der Film existiert. Ich hatte keine wirkliche Absicht, ihn anzuschauen. Dann sah ich ihn auf Prime Video tatsächlich vorbeifliegen – es war also nicht nur ein Fiebertraum. Ich packte ihn auf die Watchlist. Freund M. berichtete, dass der Film unterhaltsam sei. Also habe ich ihn mir angeschaut. In der Besetzung finden sich viele bekannte Gesichter – den Hauptdarsteller kannte ich allerdings noch nicht: Nicholas Galitzine als Adam, Camila Mendes als Teela, Idris Elba als Duncan, James Purefoy als König Randor, Charlotte Riley als Königin Marlena, Jóhannes Haukur Jóhannesson als Fisto, Jared Leto als Skeletor, Alison Brie als Evil-Lyn und Morena Baccarin als The Sorceress.

Erwartungsmanagement – darauf kommt es an. Was erwarte ich von einem Film aus dem He-Man-Universum? Es ist schon erstaunlich, am Anfang eines Films ein »Mattel«-Logo zu sehen. Immerhin handelt es sich hier in erster Linie um Spielzeug und nicht um eine Welt mit ausgeklügelter Logik und Tiefe. Die große Macht heißt »The Power«, der starke Protagonist »He-Man«, sein Gegenspieler »Skeletor« ist überraschenderweise ein Skelett und dessen Handlangerin heißt »Evil-Lyn«. Doch der Film bekommt schon einmal Pluspunkte, da er sich gleich zu Beginn über diese Dinge lustig macht. Das passt hier insofern sehr gut, als es den Film erdet. Ganz im Sinne von: Okay, er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Wir müssen nicht weiter über die unsinnigen Namen lachen, sondern können mit der Geschichte weitermachen.

»Masters of the Universe« macht wirklich viel Spaß. Es ist ein sehr bunter Film. Das ist etwas Gutes. Oft trauen sich Filme nicht mehr, bunt zu sein. Das habe ich an »Man of Steel« so schade gefunden. Alles ist mit einem Sepiafilter überzogen. Auch die Marvel-Filme haben teilweise einen sehr ausgewaschenen Look, und echte Schwarztöne sucht man ohnehin vergeblich. Hier funktionieren die Kontraste hervorragend. Eternia ist eine schräge Welt in einer anderen Dimension oder zumindest weit von der Erde entfernt. Es ist die Heimat von Aliens und Monstern. Das darf ruhig bunt, wild und überzeichnet sein. Solange man sich innerhalb des Films nicht zu sehr darüber lustig macht.

Und diese Balance bekommt »Masters of the Universe« meist sehr gut hin. Denn auch wenn es eine schräge Welt ist, erzählt die Geschichte durchaus dramatische Dinge. Immerhin verliert Adam seine Eltern, seinen Vater sogar zweimal. Er wird in eine fremde Welt geworfen und muss sich dort zurechtfinden. Plötzlich stellt er fest, dass er der Auserwählte ist. Seine Jugendliebe taucht auf, während er von einer zu groß geratenen Wildkatze verfolgt wird. Er erzählt seinen Dates seine wahre Herkunft – wie kann man sich nach so vielen Jahren noch so seltsam anstellen? Wir erleben Charaktere namens Fisto, Ram-Man und Trap-Jaw. Come on. Aber okay. Sogar Dolph Lundgren ist kurz zu sehen und gibt dem »Neuen« ein paar rätselhafte Tipps. All das steckt in einem einzigen Film, und trotzdem funktioniert es irgendwie.

Die Action ist gut gemacht, die Welt sieht glaubhaft und kohärent aus, und das CGI fügt sich mit dem Rest des Films und den Schauspieler*innen zu einem stimmigen Bild zusammen. »Masters of the Universe« macht Spaß beim Zusehen, wenn man die Erwartungen entsprechend anpasst. Ich habe den alten Film schon lange nicht mehr gesehen und weiß gar nicht, ob ich das noch tun muss. Die Version von 2026 ist für mich ein würdiger, absurder Nachfolger. Bekommen wir mehr von dieser Welt zu sehen? Ich hoffe es. Wir brauchen solche Filme: handwerklich gut gemacht, nicht zu ernst, aber doch ernst genug. Filme, die einfach Spaß machen und ihr Publikum für nicht zu dumm halten, fünf Minuten aufzupassen. Es war höchste Zeit für einen richtigen He-Man. Wer weiß, vielleicht trifft er demnächst auf eine She-Woman. Ich drücke die Daumen.