KI als Werkzeug

Ich propagiere immer wieder: Wenn man KI nutzt, dann als Werkzeug. Sei es, um Texte Korrektur lesen zu lassen oder eine initiale Recherche durchzuführen. Für Brainstorming eignet sie sich genauso gut, weil man sich auf das Thema an sich konzentrieren kann, ohne sich damit aufzuhalten, alles mitschreiben zu müssen (siehe den Text „Brainstorming“). Dafür verwende ich ChatGPT. Ich benutze das Tool ausschließlich im Chatmodus. Per Sprache damit zu kommunizieren, habe ich einmal versucht und es war schlicht creepy. Nichts für mich.

Die parasoziale Falle besteht jedoch immer. Egal, wie sehr man sich einreden möchte, es nur als Tool zu nutzen. Es hat eben seinen Reiz, Ideen mit jemandem auszutauschen. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich ChatGPT nicht nur für die oben genannten Zwecke nutze, sondern, wenn ich eine Idee habe, sie in einen Chat kippe. Ich lasse Recherchen anstellen und gegenprüfen, Quellen nachschlagen und Handouts anfertigen. Alles Themen, die mich interessieren und besonders für mein Projekt 2027, „Operation Strohbau“, wertvoll sind.

Das Coole ist, dass ich nicht alles selbst machen muss. Ich habe eine Idee, wie ich etwas weiter ausarbeiten kann, und lasse die KI eine grundlegende Recherche zu dem Thema anstellen. Am Ende habe ich ein Handout mit der Kernidee und jeder Menge Quellen, Tipps und weiteren Orientierungen. Als Arbeitsmaterial ist das super. Es nimmt mir tatsächlich Arbeit ab. Nur wenn jede Idee sofort ein zehn- bis dreißigseitiges Handout wird, mit dazugehörigen Quellen, wird es irgendwann zu viel. Ich sollte das alles ja auch lesen und durcharbeiten und schließlich anwenden.

Somit verkamen die Ideen zu einem Stapel an Arbeit. Es war per se nichts Falsches daran, da ich diese jederzeit nutzen und darauf zurückgreifen kann. Nur innerhalb kurzer Zeit hat sich ein ohnehin schon großes Projekt um ein Vielfaches vergrößert. Wie gesagt: Die Ideen sind nicht das Problem, sondern die Geschwindigkeit, in der sie konkrete Folgen hatten. Früher hätte ich mir den Einfall notiert. Anschließend über mehrere Wochen recherchiert, damit ich einen groben Überblick über das Thema hatte. Die Kernfrage war: Was will ich damit am Ende machen? Und passt das überhaupt dazu? Dieser Teil geht etwas verloren und das ist meiner Ansicht nach auch der Nachteil. Natürlich liegen mir die Quellen vor und manche davon hätte ich allein nicht gefunden. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich das Ganze einordnen möchte oder soll.

Jedenfalls habe ich meinen Zugang zu ChatGPT begrenzt, da die Verwendung des Tools unverhältnismäßig gestiegen ist. Schritt eins war, die App vom iPhone zu löschen. Wenn ich eine Idee habe, trage ich sie in Ulysses oder sonst wo ein. So gewinne ich einen zentralen Aspekt zurück: Zeit. Ich kann mir Gedanken darüber machen. Später am Mac, wenn ich sie weiterhin für gut halte, kann ich immer noch ChatGPT eine Recherche dazu anstellen lassen. Das kann am gleichen Tag sein oder Wochen später. Manchmal müssen Ideen eben reifen wie Pizzateig. Erst wenn man sich selbst Gedanken darüber gemacht hat und weiß, was man möchte, sollte man an das unterstützende Tool herantreten. Mit konkreten Fragestellungen.

Damit wird KI wieder das, was es für mich immer sein sollte: ein Werkzeug. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Nicht jede Idee muss abgesegnet werden. Diese Unsicherheit, die ich mir im Laufe der Zeit selbst auferlegt habe, will ich gar nicht erst verfestigen lassen. Ich habe mein ganzes Leben Texte ohne KI geschrieben und Blogs gestartet. Es ist beängstigend, wie schnell man sich an etwas gewöhnt. Vor allem, wenn man in Form eines Chats mit dieser Technologie kommunizieren kann und man auch noch die Persönlichkeit so hingebogen hat, dass es ein angenehmes Arbeiten ist. Ein reflektierter Umgang damit ist unabdingbar.