Monofokus

Seit ich angefangen habe, mich intensiver mit der Entwicklung einer Geschichte zu befassen, beschäftige ich mich gedanklich äußerst intensiv damit (siehe auch den Text »Brainstorming«). Das geht seit einigen Wochen so. Nicht nur will das Setting gut entwickelt sein, vor allem die Figuren möchte ich detailliert im Kopf haben. Zumindest was ihre Vergangenheit, Arbeit, Wohnort, Religiosität und so weiter betrifft. Die Geschichte sollte weiterhin in der Lage sein, mich zu überraschen. Immerhin ist das mein erstes größeres Projekt. Ich will mir Zeit lassen. Und ich mag es, wenn sich ein Thema bei mir festbeißt. Dann denke ich den ganzen Tag nur darüber nach, muss Ideen festhalten, lese Texte und Bücher und will etwas darüber lernen.

Eine große Hürde, die mich bisher immer wieder davon abgehalten hat, umfassendere Geschichten anzufangen, war das Thema Dialoge. Wie schreibt man gute Dialoge? Wie verleiht man Charakteren individuelle Stimmen? Was ist das Ziel eines Dialogs? Gibt es so etwas wie zu viel oder zu wenig? Alles Fragen, die man im Laufe einer Geschichte beantworten sollte. Über die Jahre habe ich ein paar Ideen länger verfolgt, aber irgendwann wieder fallen lassen. Dieses Mal fühlt es sich jedoch anders an. Also habe ich mir ein paar Ressourcen angeschafft, die mich dabei unterstützen sollen, eine Stimme zu finden. Nicht nur, was mich als Autor betrifft, sondern eben vorrangig für meine Charaktere.

Das Buch »Schau mir in die Augen, Kleines« von Oliver Schütte macht dabei den Anfang. »Dialog« von Robert McKee liegt ebenfalls schon bereit, kommt allerdings erst etwas später. Außerdem habe ich mir ein paar Bücher organisiert, die Dialoge ins Zentrum stellen. Dialoge auszugsweise analysieren, sehen, wie sie aufgebaut sind, und dann versuchen, die Essenz der Szene mit den eigenen Charakteren nachzustellen. Um Übung kommt man nicht herum. Und es ist das erste Mal, dass ich mich wirklich darauf freue, mit meinen Charakteren zu spielen. Mit unterschiedlichen Situationen, die in der Geschichte vorkommen oder möglich sind, zu experimentieren. Ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie sprechen, sich verhalten und so weiter. Prosa um die Dialoge herum kann man später immer noch testen, doch aktuell möchte ich Dialoge ins Zentrum meines Lernens stellen. Mit irgendwas muss man schließlich anfangen.

Ich habe schon öfter erwähnt, dass Hobbys einem gewissen Rhythmus unterworfen sind. Aber das Schreiben an sich jedoch, sei es nun in Form von Blogtexten, Serienbesprechungen und Rezensionen oder eben Geschichten, ist ein essenzieller Bestandteil meiner Identität. Deshalb genieße ich aktuell sehr diesen Fokus auf Dialoge und Geschichten. Das geht sogar so weit, dass ich letztens um halb zwei nachts aufgewacht bin und eine Idee für eine Szene im Kopf hatte. Diese musste ich mir dann erst einmal stichwortartig notieren, um sie nicht zu vergessen und in Ruhe weiterschlafen zu können. Ich deute das als gutes Zeichen und darauf, dass ich auf einem guten Weg bin.