Urlaubsrevue: Federsee

Ich verbrachte einen Teil meines diesjährigen Urlaubs in Süddeutschland. Das bot sich insofern an, weil ich bei einer Hochzeit eingeladen war und den Urlaub damit verbinden konnte. Auf dem Weg von Ehingen nach Lindau suchte ich nach möglichen Ausflugszielen und landete beim Federsee. Dort gibt es einen langen Steg, den man entlanggehen kann, und eventuell einen Rundweg, den zu beschreiten sich lohnt. Ich bin gerne früh unterwegs, hatte im ersten Hotel kein Frühstück mitgebucht und machte mich früh auf den Weg. Ich glaube, ich war gegen 8 Uhr am See angekommen. Der Parkplatz war weitgehend leer, ich suchte mir einen Platz und begab mich auf den Steg.

Es war äußerst kühl. Einstellige Temperaturen am Morgen waren mittlerweile keine Seltenheit mehr, vor allem in der Nähe eines Sees. Hohes Schilf wuchs links und rechts des hölzernen Stegs. Mir begegneten kaum Leute. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Steg mit knapp 1,5 km angegeben. Nach ein paar Minuten erreichte ich eine erste Aussichtsplattform. Dort begegneten mir die ersten Fotografen. Ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Jeder hatte eine professionelle Kamera dabei. Sie beobachteten offensichtlich Vögel und flüsterten. Es war mir unangenehm, so laut „Morgen“ gesagt zu haben. Zumindest laut im Vergleich zu ihrem leisen Ton. Die Sonne stieg langsam höher, der See spiegelte das Licht und man sah immer mehr der vielen Vogelarten, die es hier zu beobachten gibt. Ich ging weiter.

Der nächste Abschnitt zeigte mir, dass die Fotografenfamilie nicht allein war. Je weiter ich ging, desto mehr begegneten mir. Wahrscheinlich sind diese Leute schon sehr früh aufgestanden und haben teils am See übernachtet. Das erklärte auch die Campingwagen am Parkplatz. Fast jede und jeder, der hier fotografierte, hatte ein Objektiv so groß wie mein Unterarm. Ich kam mir etwas blöd vor, mein iPhone auszupacken und damit Fotos zu machen. Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an. Ich hatte von meiner ersten Begegnung gelernt, nur flüsternd „Morgen“ zu sagen. Das hinderte meine Schuhe nicht daran, ein scheinbar viel zu lautes Geräusch beim Gehen zu machen. Zudem war der Steg alt und knirschte etwas. Es war eine einzigartige Stimmung an diesem Morgen, die ich so noch nie erlebt hatte.

Es war schön sonnig, leichter Nebel lag über dem Schilf, der sich immer weiter lichtete. Am Ende sah ich jede Menge Schwäne, die ich gerne beobachtete. All das hat mich dann dazu gebracht, mich nach dem Steg des Rundwegs anzunehmen. Dazu muss man wissen: Der ist 16 km lang. Der See mag zwar vergleichsweise klein sein, der Weg führt aber durch umliegende Orte und umrundet das Moor und die Wiesen, da es keinen direkten Weg um den See alleine gibt. Ich ging über weitere Stege, durch diverse Vororte, kleine Plätze, an Kirchen vorbei und durch Bauernhöfe. Eine gefühlt endlose Gerade, die mich an die schlimmste Wanderung in Island erinnerte, bildete den Abschluss dieses Spaziergangs. Es war wunderbar. Nichts geht über eine Herausforderung. Ich gehe gerne und je mehr man geht, desto mehr schaltet man ab. Oder rennt vor etwas davon, je nachdem.

In dem Mobile Game WalkScape sollte ich an diesem Tag das Achievement für 30k Schritte innerhalb von 24 h erreichen. Denn ich war mit dem Federsee mittags durch. Und es standen noch weitere Ziele an. Dazu aber vielleicht ein anderes Mal mehr.