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  • Julian McMahon

    Einen Vormittag des Wochenendes, meistens samstags früh, starte ich gerne mit dem Lesen der Zeitung. Der Falter ist eine fantastische Wochenzeitung, die ich nicht mehr missen möchte. Die Journalist*innen schreiben nicht nur gut recherchierte, ausführliche Texte zu einem bestimmten Thema. Ihre Meinungstexte regen immer wieder zum Nachdenken an und beschreiben Aspekte, die ich so nicht im Blick habe. Die Wochenzeitung in Kombination mit dem Falter-Newsletter bildet einen Großteil meines Nachrichtenkonsums ab, inklusive ein paar anderer Angebote natürlich. Man sollte sich ja nicht zu einseitig informieren.

    Jedenfalls war ich gestern mit den für mich spannendsten Artikeln durch und habe mich durch den Rest der Zeitung geblättert. Ich las ein paar Überschriften, überflog Feuilleton-Texte. Ich wollte die App, ich lese den Falter am iPad, schon schließen, als eine kleine Meldung meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Drei kurze Meldungen waren in der Mitte der Seite abgebildet. Eine trug den schlichten Titel »Julian McMahon (1968–2025)«. Ich konnte es nicht fassen. Ein Held meiner Jugend verstarb Anfang des Monats an einer Krebserkrankung. Ist „Held“ zu groß gegriffen? Ich weiß es nicht.

    Ich würde so einigen Persönlichkeiten und Charakteren diesen Titel zuschreiben. Menschen, die ich gerne verfolgt habe, zu denen ich vielleicht aufblickte. Julian McMahon war einer von ihnen. Wie viele andere wahrscheinlich auch kannte ich ihn aus drei zentralen Rollen, die seine Karriere prägten und ihn unsterblich machten. Da ist die Serie »Nip/Tuck«, in der er und Dylan Walsh Schönheitschirurgen mimen, die ihre eigene Praxis haben. Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass diese einzigartige Serie sechs Staffeln lang lief. Schöpfer Ryan Murphy ist es hier gelungen, die Oberflächlichkeit dieser Industrie auf fabelhafte Weise zu kritisieren, mit viel Satire aufs Korn zu nehmen, aber doch mit einer Tiefe und Ernsthaftigkeit auszustatten, die man nicht erwarten würde. Julian McMahon, mit seiner prägnanten Bildschirmpräsenz, habe ich dabei stets gerne beobachtet.

    Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die beiden »Fantastic Four«-Filme. Im Zuge meines MCU-Rewatch habe ich mir diese angesehen und der Text dazu wird demnächst erscheinen. Es sind keine guten Filme. Die rosarote Brille der Erinnerung täuscht hier gewaltig. Ich lasse nicht wirklich ein gutes Haar an ihnen. Ein Lichtblick war allerdings Julian McMahon als Victor von Doom. Die Art, wie er den Bösewicht darstellt, die schleimige, unangenehme Natur dieses Charakters – oder zumindest so, wie er in diesen Filmen präsentiert wird – ist hervorragend. Die Filme sollte man sich nicht wieder anschauen, wenn man sie als Kind gesehen hat. Es ist besser, sie in guter Erinnerung zu behalten. Aber da gab es noch eine Rolle, die Julian McMahon über Jahre gespielt hat und die ihn unsterblich macht: die Rolle des Cole aka Balthazar in »Charmed«.

    »Charmed« ist und bleibt für mich eine der ersten Serien, die ich als wahrer Fan verfolgt habe. Ich habe von meinem Taschengeld DVDs der Staffeln gekauft. Ich weiß nicht, wie oft ich die Serie damals angeschaut habe. Es war oft. Die Welt der zauberhaften Hexen hat mich in ihren Bann gezogen. Eine Dynamik, die die Serie geprägt hat wie keine andere, ist die zwischen Phoebe und dem Halbdämon Cole. Die Reise, die beide Charaktere in nur zweieinhalb Staffeln durchmachen, ist manchmal absurd, manchmal tragisch, aber stets mitreißend. Vor ein paar Wochen oder Monaten habe ich mir bei einem Sale die Blu-rays gekauft. Ich überlegte schon, ob ich nicht einen Rewatch machen und ihn hier im Blog besprechen sollte. Zwar bin ich im Moment eher auf der Schiene, Nostalgie so wenig Raum wie möglich zu geben und mehr neue Sachen auszuprobieren, aber bei »Charmed« kann man ruhig eine Ausnahme machen.

    Julian McMahon war ein toller Schauspieler. Seine Präsenz und Art, eine Szene einzunehmen, ohne dabei die anderen Schauspieler*innen zu verdrängen, sondern alles auf eine höhere Ebene zu hieven, beeindruckt nachhaltig. Seine Projekte und Charaktere haben mich viele Jahre verfolgt und ich habe seine Karriere gerne verfolgt. Danke für unzählige Stunden voller mitreißender, einzigartiger Unterhaltung. Er wird fehlen.

  • MCU Rewatch | Dr. Strange in the Multiverse of Madness

    → zur Übersichtsseite: MCU Rewatch

    Ich weiß nicht, ob ich langsam betriebsblind werde, aber wiederholt muss ich feststellen, dass mich ein MCU-Film der vierten Phase positiv überrascht. Dr. Strange in the Multiverse of Madness ist ein äußerst unterhaltsames, mehrere Universen umspannendes Abenteuer. Sam Raimi gelingt es, einen vergleichsweise ernsten Film zu erzählen. Natürlich gibt es den ein oder anderen lässigen Spruch. Doch es dürfen Momente für einen Augenblick verweilen und für sich stehen. Es wird nicht alles sofort relativiert oder ins Lächerliche gezogen. Der Score von Danny Elfman untermalt das Geschehen gekonnt, ohne zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

    In den vergangenen Tagen habe ich so einige Marvel-Filme geschaut. Ich bin länger krank gewesen, konnte aber zum Glück Filme schauen. So habe ich nicht nur die X-Men-Filme in wenigen Tagen beendet, sondern auch die Phase vier vom MCU relativ zügig vorangetrieben. Wenn dieser Text erscheint, ist das schon einige Monate her. Doch ich finde, dass es den Filmen nicht schadet, sie in so kurzen Zeitabständen zu schauen. Auch vermisse ich bisher den Kontext der Serien nicht. Die Motivation von Wanda aka Scarlet Witch ist nachvollziehbar. Sie hat Vision verloren, davor ihren Bruder; es ist verständlich, dass sie ein normales Leben leben möchte.

    America Chavez (Xochitl Gomez) ist ein toller Charakter und wird hier gut eingeführt. Ihre Hintergrundgeschichte ist schnell erklärt, wobei hier eine Art Erinnerungsmaschine in einem der Universen, die sie mit Dr. Strange besucht, hilft, es uns Zuschauer*innen einfach und schnell zu erläutern. Den Rest kann man sich selbst dazu denken. Es muss nicht alles ausformuliert werden. Mit ihr haben wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness nun drei Arten von Magie, wenn man Americas Fähigkeiten so bezeichnen möchte. Die »mystic arts« von Strange und Wong, die Hexerei von Wanda und Americas multidimensionale Reisefähigkeiten. Doch alle drei sind visuell klar voneinander zu trennen und es wird deutlich, dass sie jeweils anders funktionieren. Das erleichtert es, den Überblick zu behalten.

    Visuell ist Dr. Strange in the Multiverse of Madness erneut ein Testament für die Fähigkeiten von CGI-Künstler*innen. Dieser zweite Teil übertrumpft den ersten, was abgefahrene, kreative und waghalsige Kulissen, Effekte und Monster anbelangt. Es ist ein wahrer Augenschmaus. Ebenso sind die Doppelgänger der bekannten Charaktere leicht anders und man kann sie stets dem Universum, dem sie entstammen, zuordnen. Raimi und sein Team schaffen es stets, dass man trotz der vielen Ortswechsel den Überblick behält.

    Die Cameos in Form der Illuminaten finde ich ebenso gelungen. Vor ein paar Wochen habe ich mich noch etwas davor gedrückt, diese gut finden zu wollen. Es missfiel mir, dass ein Charles Xavier, eine Peggy Cater oder ein Reed Richards dermaßen verbraten werden. Doch die Inhumans hatten ihre Chance und sind kläglich gescheitert. Genauso wie die vergangenen Versionen der Fantastic Four bald durch eine »offizielle« MCU-Version abgelöst werden. Patrick Stewart in dem aus der Zeichentrickserie entliehenen, gelben Rollstuhl zu sehen, war erfreulich. Es passt und ist kurz genug, dass man ihre Auftritte feiern kann. Ob es in unserem Marvel-Universum (Kennzahl 616) ebenfalls eine Form der Illuminati geben wird, wage ich zu bezweifeln. Deshalb ist es schön, dieses Konzept aus den Comics zumindest in dieser Form verarbeitet und erwähnt zu sehen.

    Zu Benedict Cumberbatch als Strange, Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff oder Benedict Wong als Wong muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Die drei (und ein paar der Nebendarsteller*innen) haben ihren Charakter über Jahre und in so manchen MCU-Einträgen gespielt. Die Charaktere liegen ihnen, passen zu ihnen und sie verkörpern sie perfekt. Es ist schön zu sehen, dass sie sich weiterentwickeln dürfen. Das ist Charakteren in Filmreihen nicht immer gegönnt. Egal in welche Richtung es gehen mag, ob sie mir gefällt oder nicht, Stagnation fände ich viel schlimmer. Und wir sind hier in einer Comicverfilmung, das heißt, eine »redemption arc« ist immer möglich. Besonders, wenn die nächste Multiversum umspannende Katastrophe bevorsteht.

    Ursprünglich sollte Nightmare der nächste Bösewicht werden. Ich hoffe, dass dieser Charakter im nächsten Film seinen Auftritt feiern darf. Raimi einen Horrorfilm im MCU drehen zu lassen, mit einem Charakter wie Nightmare wäre episch. Wenn dann noch Hans Zimmer als Komponist für den Soundtrack engagiert werden würde, blieben keine Wünsche mehr offen. Dass dies alles so eintritt, ist zwar relativ unwahrscheinlich, aber man darf träumen. Und wie wir in Dr. Strange in the Multiverse of Madness gelernt haben, sind Träume Fenster in andere Universen. Und irgendwo wird es sicherlich so einen Film geben. Vielleicht also auch bald bei uns.

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  • Déjà-Deck

    Es hat auch einen Nachteil, wenn man einen täglichen Blog betreibt. Man kann beispielsweise suchen, ob und wann man über ein gewisses Thema geschrieben hat. Bei einer Suche auf der eigenen Webseite stößt man dann eventuell auf einen Artikel vom 5. Januar dieses Jahres. Dieser hat vielleicht den Titel »Noch ein Steam Deck«. Darin berichtet der Autor darüber, wie er sich nach langem hadern ein Steam Deck (OLED-Version) zugelegt hat. Der Titel des Textes rührt daher, dass besagter Autor über ein Jahr davor ein Steam Deck (LCD-Version) gekauft hat. Dieses verkaufte der Autor allerdings wieder, nachdem er es kaum nutzte. Die OLED-Variante hatte aber dennoch ihren Reiz.

    Dieses zweite Steam Deck, welches ich also seit fünf Monaten besitze, liegt derweil im Regal herum und bettelt darum, benutzt zu werden. Zwischendurch wird es gelegentlich aufgeladen, upgedatet und gepflegt. Aber wirklich gespielt habe ich damit nie. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum das so ist. Ich hatte erneut mit dem Gedanken gespielt, es zu verkaufen, sah aber dann davon ab. Nein, dieses Mal gebe ich mich nicht geschlagen. Ich habe es mir gekauft, es ist ein tolles Gerät (laut sehr vielen YouTube-Videos, die ich mir als Motivationsfaktor die letzten Tage über angesehen habe) und ich werde es benutzen.

    Das Erste, was ich gemacht habe, war, es mal wieder aufzuladen, da der Akku mehr als leer war. Ich hatte schon kurzzeitig die Befürchtung, es möchte gar nicht mehr starten. Aber das tat es und funktioniert weiterhin einwandfrei. Spiele wurden aktualisiert, das System auf den neuesten Stand gebracht. In meiner Wallet von Steam befanden sich noch 5 €, welche gleich für den Summer Sale eingesetzt wurden (zum einen die Crash Bandicoot Trilogie und ein Indie-Titel, der nett aussah). Dann habe ich mich daran gemacht, Emu Deck zu installieren. Das ist nicht ganz einfach, aber auch nicht überaus kompliziert. Es gibt hervorragende Videos, die einen an der Hand nehmen und durch den Installationsprozess führen. So kann ich diverse alte Spiele erneut erleben.

    Ich habe schon ein paar Ideen. »Armored Core« würde mich reizen und ein paar andere Playstation-Titel, die ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen oder aber nie erlebt habe. Doch erst einmal fokussiere ich mich auf die tollen Titel in meiner Steam-Bibliothek. Da warten ebenfalls ein paar nette Spiele darauf, entdeckt und erlebt zu werden.

  • Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 5

    Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 5

    Es ist Donnerstag. Also besprechen wir einen alten Text von mir. Der folgende erschien am 22. Oktober 2015 auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus und versehen ihn mit einer kleinen Einleitung.

    Ach, Rick. Ein äußerst vielschichtiger Charakter, der sowohl im Comic als auch im Buch so einiges durchmacht. Er will eigentlich nur das Beste für die Gruppe und scheitert doch manchmal an seinen Ambitionen und seinem Misstrauen. Doch sind das genau die Eigenschaften und seine Fähigkeit, unbeliebte Entscheidungen zu treffen und sich über die Meinung der anderen hinwegzusetzen, die es der Gruppe erlaubt, noch am Leben zu sein. Zumindest diejenigen, die es bis hierhin geschafft haben. Doch manchmal schießt er etwas über das Ziel hinaus. Da hätte ich mir dann gewünscht, dass die Gruppe mehr für sich einsteht und für ihre Prinzipien.

    Ich finde es lustig, dass ich mich an einer Stelle beschwere, dass manche Charaktere sinnlos sterben. Ohne heroische Momente. Doch nur wenige Absätze später lobe ich das Unvorhersehbare und dass quasi kein Charakter sicher scheint. Beides kann eigentlich nicht wahr sein. Doch wünscht man sich vielleicht, dass gewisse Charaktere entweder länger gelebt hätten oder aber ihr Tod einen Sinn hatte; sie für die Gruppe ein Opfer brachten. Genau das ist es, was auch Game of Thrones anfangs auszeichnete. Die Unsicherheit, welcher Charakter die nächsten Folgen überleben wird. Besonders in einer Zombieapokalypse, wie sie The Walking Dead beschreibt, hilft so ein Gefühl, eine dichte, packende Atmosphäre zu erzeugen.


    Wie auch schon die vierte Staffel werde ich dieses Review in drei Akte aufteilen, die meines Erachtens gut zur Geschichte passen. Vielleicht hätte ich dies auch schon früher machen können, doch dieser Rhythmus in der Erzählung ist mir erst kürzlich bewusst geworden: Zu Anfang gibt es immer eine Situation, aus der sich unsere Protagonisten befreien müssen, bevor sie aus verschiedenen Gründen weiterziehen, um zu ihrer nächsten Station zu gelangen.

    • Developed by Frank Darabont
    • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
    • Musik: Bear McCreary
    • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u. a.
    • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

    “You’re the butcher, or you’re the cattle.” – Mary

    Terminus. Diese scheinbar so Heil bringende Stätte entpuppte sich im Finale der letzten Staffel nicht gerade als Paradies in der Hölle. Stattdessen zeigt sie wieder einmal die grausame Fratze des menschlichen Daseins und wie wir alles tun, um zu überleben, zumindest manche von uns. Gareths Gruppe hat die wohl bestialischste Variante gewählt und lockt mit falschen Versprechen verzweifelte Überlebende zu sich, nur um sie in reine Fleischlieferanten zu verwandeln, die selbst einen Metzger beeindrucken würden.

    Die Darstellung des Schlachthauses hinterlässt einen starken Eindruck. Nimmt man die beiden rivalisierenden Gruppen aus dem Geschehen und würde durch dieses wunderbar gemachte Set wandern, müsste ich mich schon des Öfteren umdrehen, nur um sicherzugehen, dass mir niemand folgt. Die von der Decke hängenden, menschlichen Torso, die auf dem Grill liegenden Fleischstücke, der einem uns unbekannten Ritual dienende Raum voll mit Kerzen – all das hat eine Ausstrahlung und eine Aura, die ihresgleichen sucht. Der Staffelauftakt erreicht schließlich seinen Höhepunkt, als Rick, Daryl und Co bei ihrer Flucht gefangen genommen werden und über ein Becken gebeugt nur darauf warten, mit einem Baseballschläger K.O. geschlagen und anschließend aufgeschlitzt zu werden. Die ersten Opfer, welche den Ernst der Lage schildern sollen, sind so überzeugend wie bedrohlich.

    Carol, Tyreese und Judith sind derweil außerhalb der Anlage unterwegs und treffen gerade zum richtigen Zeitpunkt in Terminus ein, um den anderen zu helfen. Wie so oft darf Carol hier wieder zeigen, was in ihr steckt. Zwar habe ich es eher unwahrscheinlich gefunden, dass ihr erster Versuch von Erfolg gekrönt ist, den nahe gelegenen Behälter zum Explodieren zu bringen, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. So sind alle wieder frei und müssen erneut auf offener Straße um ihr Überleben kämpfen.

    Der erste Akt um Terminus und seine Besitzer ist gut gemacht, außerdem ist es geschichtlich interessant gestaltet, da man dessen Vergangenheit ein bisschen erforscht und kennenlernt. So wird dies zu einem abgeschlossenen Kapitel, dessen Nachwirkungen in späteren Folgen noch zu spüren sind. Und wie wir mittlerweile wissen, habe ich es sehr gerne, wenn die Handlungen unserer „Helden“ gewisse Nachwirkungen zeigen.

    “They think I’m scrawny. They think I’m weak. But they don’t know shit about me.” – Noah

    Was findet man wohl, wenn man Terminus verlässt und blind durch einen Wald läuft? Richtig, einen von Zombies bedrohten Priester und seine Kirche. Zuvor gibt es aber noch eine herzzerreißende Szene, in der Carl und Rick ihre kleine Judith wiederfinden. Es ist schön, die Familie wieder vereint zu sehen, sie haben es sich durchaus verdient und wurden wirklich lange auf die Folter gespannt. Zu dieser kleinen familiären Idylle passt der bereits erwähnte Priester. Zuerst empfand ich es als etwas schwierig, den Aspekt der Religion mit in diese Serie zu packen (klar spielte er bisher ebenfalls eine Rolle, doch nicht so dominant), aber mit Blick auf die Apokalypse war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Charakter auf der Bildfläche erscheint.

    Erfreulicherweise wird diese Thematik dezent eingebaut und in einer subtilen, doch markanten Weise. Ich komme nicht umhin, mich des Öfteren zu fragen, wie es dieser Mann geschafft hat, solange allein zu überleben, ohne sich ernsthaft vor den Zombies zur Wehr zu setzen. Dieser bedingungslose Glaube wird später deutlich gezeigt. Es ist ein starker Moment auf einer verlassenen Straße. Die Musik, die Stimmung, welche von der Kamera eingefangen wird – einfach toll gemacht.

    Wir müssen in dieser Staffel, bevor wir zur nächsten Station kommen, noch einige Opfer beklagen. Viele sterben einen eindrucksvollen, geradezu heroischen Tod. Manche allerdings finden ihr Ende auf weniger nachvollziehbare Weise und derart spontan, dass ich fast daran glauben möchte, es war keine Absicht, diese Charaktere an dieser Stelle ihrem unweigerlichen Schicksal nahezubringen. Die beiden „positiven“ Tode, so möchte ich es vielleicht nennen, waren die von Bob und Beth. Die Autor*innen und der Schauspieler schaffen es, in wenigen Episoden, in denen man den erst kürzlich eingeführten Charakter kennen lernt, einem ans Herz zu wachsen. Man wünscht ihnen das Beste; doch wir sind hier schließlich bei The Walking Dead. Es gefällt, dass auch seine Vergangenheit gezeigt wird – so erhält man einen kompletten Eindruck dieses vom Schicksal geprägten Mannes.

    Beth hat man dagegen die letzten fünf Jahre verfolgt und bei ihrer Entwicklung zusehen können. Am meisten werde ich mich wohl daran erinnern, wie sie sich um Judith sorgt und der Gruppe ihre schönen Songs vorsingt. Dies waren stets Momente der Stille, fast so, als ob nichts Schlimmes mehr passieren könnte. Im Krankenhaus opfert sie sich dann, um die anderen zu retten, und nur knapp können mehr Opfer verhindert werden. Sie lernte an diesem seltsamen Ort der Sicherheit Noah kennen, ich hatte noch gehofft, dass die beiden eventuell ein Paar werden, doch leider wird auch Noahs Schicksal relativ bald besiegelt. In einer relativ späten Folge stirbt er einen sinnlosen Tod. Dies zeigt noch einmal deutlich, dass es quasi jeden treffen kann. An der Stelle hätte ich es aber nicht schlecht gefunden, wenn Glenn das zeitliche segnet, da sein Charakter und vor allem die Beziehung mit Maggie sich nicht gerade ins Positive zu entwickeln scheinen.

    Mehr oder weniger parallel zu diesen Geschichten verfolgen wir Abraham auf seinem Weg, die Menschheit in Form von Eugene zu retten. Dessen Charakter war mir schon immer suspekt und als er schließlich davon erzählte, dass er sich das alles nur ausgedacht hat, war ich nicht wirklich überrascht – mir tat allerdings Abraham leid, denn seine Willensstärke und Hingabe zur Mission sind ansteckend. Auch später in der Stadt darf er zeigen, was in ihm steckt, und wie mir scheint, lernt er hier erst so richtig, was es eigentlich heißt, selbstständig und ohne Mission zu arbeiten. Es wird sicher noch interessant seinen Charakter weiterzuverfolgen und ich wäre nicht überrascht, wenn er später der Anführer der Gruppe wird, sollte Rick vielleicht doch nicht immer alle Angriffe lebend überstehen.

    “We’ll make it work. If they can’t make it, then we’ll just take this place.” – Rick

    Springen wir in der Geschichte nun etwas weiter nach vorn und beschäftigen uns mit der Siedlung. Ich fand es äußerst interessant, wie die Gruppe auf die Fremden stößt. Als Geschenk finden sie erst einmal mehrere Liter Wasser, die sie nicht trinken wollen. Hier kommt wieder alles zum Vorschein, warum mir Rick teilweise so auf die Nerven geht. Er ist allem Neuem so unaufgeschlossen und skeptisch eingestellt. Klar, so haben sie bisher immer überlebt und ich hatte mit Aaron so meine Zweifel, doch er hat nichts getan, um die anderen zu provozieren und wird gleich mal ordentlich gefoltert – naja, zumindest ein wenig. Dies ist so typisch amerikanisch, dass ich mich furchtbar darüber aufregen könnte. Es gibt schließlich Menschen, die einen nicht unbedingt umbringen wollen – selten, in dieser Welt von The Walking Dead, aber es gibt sie.

    Die Diversität wird mit diesem Charakter auch gleich um einiges erhöht, denn Aaron ist schwul und kümmert sich rührend um seinen verwundeten Freund. Das spätere Team-Up mit Daryl gefällt mir besonders gut, da dies mit den klassischen Klischees bricht und einen schönen neuen Schwung in die Runde bringt. Das Jagen, die Suche nach Essen und dergleichen werden komplett als eigenständige Geschichte fortgesetzt und bilden einen guten Kontrast zur sonst eher städtisch politischen Umgebung.

    Diana Monroe, ein ehemaliges Mitglied des Kongresses, verwaltet die kleine Stadt Alexandria und hier finde ich es äußerst erstaunlich, wie man auf der einen Seite so lange in der Zombie-Apokalypse überleben und andererseits dermaßen naiv auf eine Gefahr reagieren kann. Zugegebenermaßen sind sie hervorragend ausgestattet, haben fließend Wasser, Strom und genügend Platz, doch man muss sich auf der anderen Seite auch der Gefahren bewusst sein. Diese Ignoranz führt schließlich zu einer, genauer gesagt sogar zu zwei Eskalationen. Beiden Gruppen kommt aber niemals in den Sinn, eine Kompromisslösung zu finden und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Stattdessen wird rigoros auf dem eigenen Standpunkt bestanden und keinen Millimeter nachgegeben.

    Am Ende gibt es dann noch eine atmosphärische Szene zwischen allen Beteiligten und das wohl ungünstigste Auftreten eines alten Bekannten: Morgan. Dieser hat sich in dieser Staffel gemausert und ist nicht mehr mit dem Verrückten aus der Vergangenheit vergleichbar. Ich bin äußerst gespannt, wie es mit seiner Entwicklung und vor allem der Beziehung mit Rick weitergeht.

  • Mal was Neues

    Mittlerweile ist es knapp fünf Jahre her, dass ich mir die Dachgeschosswohnung ausgebaut habe. Die Küche war das Letzte, das eingebaut wurde. Immerhin war Corona und manche Lieferungen benötigten etwas länger. Wobei ich noch gut davongekommen bin. Für die Zwischenzeit hatte ich mir auf einem alten Schränkchen eine Heißluftfriseuse aufgestellt, damit ich zumindest manche Dinge aufwärmen konnte. Die Fritteuse von DeLonghi, die ich mir ausgesucht hatte, war im Prinzip ein kleiner Ofen und hat einen guten Job gemacht. Als die Küche später eingebaut und fertig war, ging es daran, sie entsprechend auszustatten. Es wurde Geschirr, Besteck, Töpfe, Pfannen und was man eben so benötigt, bei Ikea gekauft. Über die Jahre haben sich aus verschiedensten Quellen Schüsseln, Schälchen, Tassen und andere Behältnisse zusammengesammelt.

    Auch wenn dieses Sammelsurium seinen Reiz hatte, wollte ich schon seit längerer Zeit etwas Einheitlicheres. Ich finde es schön, wenn Teller, Tassen und Schüsseln aus einer Designfamilie kommen. Sie passen zusammen und machen etwas her. Vor allem, wenn man Besuch hat und „normale“ Tassen verwenden kann, statt Merchtassen von Bitsundso, Assassin’s Creed und dem Held der Steine auszuteilen.

    Deshalb kam es ganz gelegen, dass ich am Samstag in einem gewissen rot bestuhlten Möbelhaus unterwegs war. Eigentlich hatte ich nur vor, Dauerbackpapier zu kaufen. Seitdem ich treuer Kunde von Bofrost bin, benötige ich viel Backpapier. Im Sinne der Nachhaltigkeit und damit nicht allzu viel Müll zusammenkommt, wollte ich so ein Dauerbackpapier mal testen. Wie so oft fand allerdings noch mehr den Weg in den Einkaufswagen. Unter anderem eine neue Duschmatte, denn die alte würde gewisse Hygienevorschriften wahrscheinlich nicht mehr erfüllen. Und eben auch ein Geschirrset, Tafel-Service oder wie man es auch nennen möchte.

    Das 62-teilige Set war mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt. Große und kleine Teller, Suppenschüsseln, kleine Schüsseln, Eierbecher, Espresso- und mittlere Tassen (inklusive Untertassen), große Tassen, Zucker- und Milchbehältnisse – einfach alles, was man benötigen könnte. Sie haben ein schönes Design aus schlichtem weiß mit grau-schwarzen Akzenten. Für knapp 90 € konnte ich dazu einfach nicht nein sagen. Eingepackt, bezahlt, mitgenommen und durch Spüli den Geschirrspüler fleißig gewaschen, ging es nun zur nächsten Herausforderung: Das Ganze irgendwie passend einzuräumen.

    Während Spüli damit beschäftigt war, das Geschirr zu reinigen, nutzte ich den Karton, um das alte einzupacken. Manchmal muss man radikal ausräumen, was ich in diesem Fall gemacht habe. Bei allem, wo ich mir auch nur im Ansatz „brauche ich das“ dachte, habe ich eingepackt. Wie viele Tassen und Schüsseln benötigt man wirklich? Alles fein säuberlich für die Entsorgung vorbereitet, konnte ich das neue, inzwischen saubere Geschirr einräumen. Es sieht nicht nur gut aus, nach der Ausräumaktion hatte es mehr als genug Platz in der Schublade und im Schrank. Nach fünf Jahren darf man sich, denke ich, durchaus neues Geschirr leisten. Ich weiß etwas besser, was ich wirklich benötige und was es für mich machen soll. Auf dass es mir erneut viele Jahre gute Dienste erweist.