Wider besseres Wissen lese ich ganze gerne Kommentare im Internet. Zumindest bei Dingen, bei denen ich weiß, es ist eine eher konstruktive Diskussion, verglichen mit dem restlichen Schmutz und den etlichen Abgründen, die sich auftun können. Die Kommentare auf der Der-Standard-Webseite sind meist unterhaltsam und diejenigen meiner liebsten YouTube-Kanäle tun sich ebenfalls oft als nicht schlecht hervor. Einer dieser Kanäle ist Nerdforge. Dort wird gebaut, gebastelt und alle Möglichen kreativen Ideen in die Tat umgesetzt. Ich mag den Kanal in besonderem Maße, da es eine offene, ehrliche Neugier ist. Es steckt der Wunsch dahinter, der Welt etwas (Kreatives) zu hinterlassen. Zumindest interpretiere ich es so. Und natürlich hilft eine enthusiastische Leidenschaft, die ansteckt.
Martina und Hansi gehen dabei regelmäßig über ihre Grenzen hinaus und gehen immer wieder große Projekte an, die unmöglich scheinen. In den Kommentaren liest man mehr oder weniger regelmäßig, wie beeindruckt die Menschen von den Projekten sind, und sie fragen, wo Martina das gelernt hat. Sie fragen konkret nach, wollen Tipps oder genauso einen Kurs absolvieren, der ihnen beibringt, wie Martina zu sein. Es passt perfekt in unsere Zeit. Man sieht etwas und will spezifisch genau dieses Wissen oder Ding und am besten sofort. Aber wie die beiden in den Videos immer wieder betonen, machen sie viele Dinge oft zum ersten Mal und sehen dann schon, ob es funktioniert oder nicht. Sie machen einfach mal und lassen sich überraschen. Vielleicht haben sie ein gewisses Handwerk erlernt, aber sie setzen seit vielen Jahren ihre Projekte in die Tat um – damit kommt entsprechende Erfahrung. Natürlich ist es dafür notwendig, von der Couch aufzustehen und aktiv zu werden. Natürlich ist es mühsam, anstrengend und kostet Überwindung.
Ich bin jetzt im dritten Jahr dieses täglichen Blogs. Es ist nicht immer einfach, manchmal frage ich mich, warum ich das mache, oder zweifle an den Textideen, die ich mir notiere – gelegentlich bleiben sie ganz aus. Trotzdem mache ich weiter, weil ich weiß: Irgendwie geht es immer weiter; Schreibblockaden gibt es nicht. Wenn man immer nur wartet, bis einem jemand die notwendigen Tools vorbeibringt, oder gar erwartet, ein spezifisches Handwerk schnell erlernen zu können, wird man früher oder später enttäuscht. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Ähnlich ist es bei Warhammer. Ich kann mir noch so viele Videos über Maltechniken und Strategien ansehen, wenn ich nicht selbst einen Pinsel in die Hand nehme, werde ich nicht besser werden.
Oder Kitbashing. Hier handelt es sich um das neue Kombinieren, Modellieren und/oder Modifizieren vorhandener (Warhammer-)Figuren. Es ist zwar nett, die Figuren so zusammenzubauen, wie es in der Anleitung steht, und es funktioniert die meiste Zeit auch sehr gut. Jedoch sind eigene Abwandlungen immer wieder reizvoll. So verleiht man den Figuren einen persönlichen Touch. Sie werden wirklich zu meinen Figuren. Wie weit man dabei geht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Ich habe letztens für den neuen Tyranid Prime eine eigene Base gemacht. Ich habe einfach Sachen versucht, einen Necron zusammengebaut und wieder strategisch zerlegt, sodass es nach einem Kampf aussah. Ob es am Ende funktioniert, wusste ich nicht. Mit dem Ergebnis bin ich dennoch zufrieden. Aber wenn ich es nicht versucht hätte, hätte ich gar nichts vorangebracht. Ich habe auch fürs nächste Mal etwas gelernt, werde andere Dinge und Zusammenstellungen versuchen. Modelle möchte ich ebenfalls abwandeln. Nicht jede Figur oder Base werde ich dermaßen personalisieren, aber es macht mir Freude.
Anfang ist das Schwierigste. Man braucht etwas Mut, um über den eigenen Schatten zu springen. Habt keine Angst vorm Scheitern, denn:
»We don’t make mistakes, just happy little accidents.« – Bob Ross


