Everything X-Men | X-Men: Gold

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Bei »Everything X-Men« handelt es sich um ein Projektstudium aus meiner Zeit im Medienwissenschaftsstudium in Tübingen. Darin habe ich mich mit den X-Men auseinandergesetzt, allerdings nicht nur im Sinne einer reinen Comic-Analyse. Mich interessierten auch die Themen, Konflikte und gesellschaftlichen Bezüge, die in den Geschichten auftauchen oder zur jeweiligen Veröffentlichungszeit eine Rolle spielten. Ursprünglich entstanden die Texte auf Englisch. Für die Veröffentlichung auf Deutsch habe ich sie zunächst mit DeepL übersetzt, die Zitate eingeschlossen, und danach überarbeitet.

Heute geht es um die wunderbare Reihe X-Men Gold. Sieben »Trade Paperbacks« in einem Text zu besprechen, ist schon ambitioniert. Deshalb ist der Text auch etwas länger. Ohne weitere Umschweife, legen wir los:


X-Men: Gold

  • Volume 1: Back to the Basics
  • Volume 2: Evil Empires
  • Volume 3: Mojo Worldwide
  • Volume 4: The Negative Zone War
  • Volume 5: Cruel and Unusual
  • Volume 6: ’til Death Do Us Part
  • Volume 7: Godwar

Ich wusste nicht, dass ich »X-Men Gold« in meinem Leben brauchte. Aber nachdem ich alle 36 Ausgaben gelesen habe, möchte ich die Serie nicht mehr missen. Mark Guggenheim und das Kreativteam führen am Ende alle Handlungsstränge zusammen, lassen aber auch Raum für das nächste Kapitel im Leben der X-Men. So endet die Reise auf sehr befriedigende Weise. Was das Gefühl der Vollendung und sogar das Gefühl, nach Hause zu kommen, noch verstärkt: Die Serie endet so, wie sie begonnen hat. Mit intimen Geschichten.

Prinzipien erkunden

Das ist sicherlich eine der großen Stärken der gesamten Serie. Ganz gleich, was um die Figuren herum passiert, im Mittelpunkt jedes Handlungsbogens stehen die X-Men selbst. Wir erleben verschiedene Liebesgeschichten, Kämpfe gegen Vorurteile und Angst, füreinander da sein, Freunde unterstützen, Dinge zu Ende reden und diskutieren.

Einige dieser Themen bekommen natürlich eine sehr konkrete Form. Allen voran durch Lydia Nance. Die erste Szene der Serie zeigt sie prominent bei einer Rede im Fernsehen. Eine Rede, deren einziger Zweck darin besteht, Stimmung gegen Mutanten zu machen. So positiv, farbenfroh und stellenweise unbeschwert »X-Men Gold« auch wirken mag: Die Themen und Inhalte sind ernst. Sehr ernst sogar. Nance taucht während der gesamten Serie immer wieder auf. Obwohl sie vielleicht nur ein Mensch ist, kennen ihr Einfluss und ihr Einsatz gegen Mutanten keine Grenzen. Sie wirkt auf den ersten Blick wie jemand, der Mutanten einfach nur hasst. Aber ihr Hass, ihr Misstrauen und vielleicht sogar ihre Angst sitzen so tief, dass sie alles tun wird, um ihr Ziel zu erreichen.

Diese Eskalation baut sich im Laufe der Handlung langsam auf. Manchmal stehen die X-Men in Nances Büro oder direkt vor ihr. Gerade in diesen Szenen zeigt das Kreativteam sein tiefes Verständnis für die Mutanten. Mit all ihren Kräften, Fähigkeiten und Talenten wäre es für sie ein Leichtes, Nance loszuwerden. Sei es durch Teleportation, Gedankendiebstahl, Gedankenkontrolle, die vollständige Veränderung ihrer Persönlichkeit oder andere Dinge, die ihr nicht einmal körperlichen Schaden zufügen würden. Aber die X-Men entscheiden sich, nichts davon zu tun. Allein das sollte jedem einzelnen Menschen, der an ihnen zweifelt, zeigen, dass Mutanten nichts sind, vor dem man sich fürchten muss. Sie sind keine Monster, Freaks oder gar nur Helden. Sie sind einfach Menschen.

Jeder einzelne Aspekt dieser Aussage, den man in der allerletzten Ausgabe findet, spiegelt das Kreativteam dieser Serie wider. Sie mögen gegen den X-Cutioner, eine neue Bruderschaft der bösen Mutanten, Omega Red, Mojo oder Mesmero kämpfen, aber all diese Beispiele zeigen hauptsächlich eines: Die X-Men wollen Gutes tun und Menschen beschützen. Selbst dann, wenn diese Menschen sie hassen und fürchten.

Und wer könnte die X-Men besser in diese Kämpfe führen als Kitty Pryde? Bevor ich diese Serie gelesen habe, kannte ich die Figur nicht besonders gut. Jetzt ist sie eine meiner Lieblingsfiguren. Ihre Reden gehören vielleicht zu den besten, die je in einem X-Men-Comic gehalten wurden. Ihre Kämpfe und Triumphe wirken verdient und passen perfekt zu ihr.

Schwierige Beziehungen

Beziehungen spielen in »X-Men Gold« eine große Rolle. Einige davon werden in anderen Miniserien weitererzählt, die ich unbedingt noch lesen möchte. Andere können wir direkt in dieser Serie verfolgen. Kurt und Rachel haben mich dabei sicherlich am meisten überrascht. Aber wenn man genauer hinschaut, passen sie erstaunlich gut zusammen. Beide könnte man als Außenseiter bezeichnen. Sie unterscheiden sich von den anderen, und das nicht nur äußerlich. Rachel kommt aus einer fernen Zukunft, in der sie Mutanten jagte. Kurt wuchs in einem Zirkus auf, der in gewisser Weise ebenfalls eine eigene Welt war. Ich fand es toll, die beiden zusammen zu sehen.

Das prominenteste Paar sind aber wohl Kitty und Peter. Entschuldigung. Ich meine Katya und Piotr. Zu sehen, wie sie in nur sieben Bänden Höhen und Tiefen durchleben, fast heiraten und sich am Ende trennen, ist herzzerreißend. Man wünscht ihnen das Beste, aber angesichts ihres Lebens, all dessen, was sie durchgemacht haben, und all dessen, was noch kommen könnte, ist es vielleicht zu viel. Oder es war der falsche Zeitpunkt.

Die Stärke ihrer Geschichte liegt für mich darin, dass sie als Gleichberechtigte behandelt werden. Niemand spielt die Rolle der hilflosen Dame in Not. Sie reden miteinander und behandeln einander mit Respekt und Verständnis. Die Szenen, die sie gemeinsam haben, gehören zu den besten der gesamten Serie.

Zum Schluss möchte ich noch über Iceman sprechen. In einer der Geschichten kommt er dazu, um den X-Men zu helfen, und bleibt anschließend bei ihnen. Später hat er nach der Nicht-Hochzeit-Hochzeit eine lockere Beziehung mit Pyro. Es fühlt sich gut an, einen offen schwulen Charakter in einem X-Men-Comic zu haben, der Dinge tun darf, die wir normalerweise von anderen, heterosexuellen Charakteren sehen. Davon will ich mehr. Ich möchte in diesen Geschichten repräsentiert werden. Nicht nur durch einen Charakter, sondern durch viele. Das sollte doch bitte möglich sein, Marvel!

Crossovers erleben

Vor dem dritten Band der Reihe sah mein Wissen über Mojo ungefähr so aus: Er existiert und gehört vermutlich irgendwie zu den X-Men-Bösewichten. Das war’s. Wer hätte gedacht, dass Mojo so ein interessanter Bösewicht sein könnte? Das Crossover hat sicherlich einige Schwächen. Zum Beispiel besteht ein großer Teil daraus, dass X-Men kämpfen. Was grundsätzlich kein Problem wäre. Aber innerhalb weniger Ausgaben sterben Figuren, kommen zurück, kämpfen weiter, unterhalten sich während ihrer Kämpfe und machen noch ungefähr siebzehn andere Dinge, sodass ich mich irgendwann etwas überfordert fühlte.

Dank der unglaublichen Zeichnungen war ich während der gesamten Handlung trotzdem gefesselt. Jede virtuelle Welt, die die X-Men besuchen und in der sie kämpfen müssen, sieht phänomenal aus. Und selbst wenn mehr als zehn Charaktere auf einer Seite zu sehen sind, weiß man genau, was vor sich geht und wo sich jeder befindet. Das gilt für die gesamte Reihe. Das visuelle Erzählen in den 36 Ausgaben funktioniert durchweg hervorragend. Ob persönliche Gespräche oder große Action-Sequenzen: Es scheint kaum etwas zu geben, was dieses Kreativteam nicht umsetzen kann.

Schlusswort

Bevor wir zum Ende kommen, möchte ich noch auf die Zusammensetzung der Sammelbände eingehen. Sie enthalten Annuals und ein Hochzeitsspecial. Leider stehen diese Zusatzgeschichten immer am Ende des jeweiligen Bandes. Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn. In »’Til Death Do Us Part« befindet sich das Hochzeitsspecial am Ende, nachdem bereits alles passiert ist. Dabei sollte es eigentlich am Anfang stehen, da es die Junggesellenabschiede zeigt. Warum sollte ich diese erst nach der Hochzeit lesen wollen?

Noch schlimmer ist der siebte Sammelband »Godwar«. Dieser Band enthält die Ausgabe 36, mit der die Serie endet. Alles wird schön abgeschlossen und ist fertig. Zumindest fast. Warum sollte ich danach noch eine weitere Geschichte lesen wollen? Wenn ich mich nicht irre, erschien das Annual nach Ausgabe 32. Warum also nicht auch genau dort einfügen? Es mag nicht nach viel klingen, aber solche Dinge stören mich. Stellt die Ausgaben in chronologischer Reihenfolge zusammen. So wollen eure Leser die Geschichte erleben. Warum ändert man das? Bitte bringt das in Ordnung, Marvel!

Abgesehen von diesen Kritikpunkten ist die Serie beste Unterhaltung auf allen Ebenen. Ich hoffe nur, dass es der Junge aus der letzten Ausgabe schafft und später noch einmal in einer anderen Serie auftaucht. Mehr sage ich dazu allerdings nicht. Manches muss man selbst lesen/erleben.

Das Kreativteam

  • Writer: Mark Guggenheim
  • Artists: Ardian Syaf (#1-3), R.B. Silva (#4-6), Ken Lashley (#7-9; 17-18), Lan Medina (#10-16; 20), Luke Ross (#12), Make Mayhew (#13), Marc Laming (#14), Diego Bernard (#15; 19; 21-22), Thony Silas (#23-24), Paulo Siqueira & José Luis (#25), Michele Bandini (#26; 28; 33-34), Geraldo Borges (#27; 29), David Marquez (#30), Pere Pérez (#31-32; 36), Buofantino & Valletta (#35)
  • Inkers: Jay Leisten (#1-2; 10; 16), Craig Yeung (#3; 11; 16; 20), Adriano Di Benedetto (#4-6), JP Mayer (#15; 19; 21-22), Cam Smith & Victor Olazaba (#25)
  • Colorists: Frank Martin (#1-5; 7-12; 12-16; 20), Andrew Crossley (#6; 16), Rain Beredo (#13-15), Juan Fernandez (#17), Arif Prianto (#18; 21-29), JP Mayer (#19), Matthew Wilson (#30), Jay David Ramos (#31-32; 36), Eric Arciniega (#33-35)
  • Letterers: VC‘s Cory Petit (#1-6; 8-36), VC‘s Loe Sabino (#7)

Wedding Special:

  • Writers: Claremont, Guggenheim, Kelly Thompson
  • Artists: Nauck, Land, Leisten, Cresta
  • Colorists: Rosenberg, Keith, Blee
  • Letterer: VC‘s Clayton Cowles

Annual:

  • Writers: Marc Guggenheim, Leah Williams
  • Artist: Alitha E. Martinez
  • Inks: Martinez & Craig Yeung
  • Colorists: Jay David Ramos & Dono Sánchez-Almara
  • Letterer: VC‘s Cory Petit

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