Endlich ist es so weit. Wir sind bei Chris Claremont angekommen und seinen ersten Herrschaftsjahren über die X-Men (1975–1978). Willkommen zu »Everything X-Men«, wo ich jede Woche einen alten Text von mir vorstelle. Für das dritte Jahr des Blogs habe ich mir überlegt, mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium vorzustellen. Das habe ich damals den X-Men gewidmet. Mit dem heutigen Text sind wir endlich bei Chris Claremont gelandet. Da ich die ursprünglichen Texte auf Englisch verfasst habe, übersetzte ich sie initial mit DeepL (inkl. der Zitate) und habe sie anschließend natürlich redigiert. Ohne weitere Umschweife stürzen wir uns ins Abenteuer.
Als Letztes sind erschienen:
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
- Avengers Disassembled (Teil 1, Teil 2)
- House of M (Teil 1, Teil 2)
- Comic Book Events (Teil 1, Teil 2)
Einleitung
In diesem Artikel sehen wir uns die ersten Ausgaben von Chris Claremonts X-Men-Run genauer an. Wir beginnen mit »Giant-Sized X-Men # 1« und machen mit X-Men # 94 bis # 110 weiter. Ich denke, # 110 ist ein guter Punkt, um die Diskussion zu beenden, da es sich um eine sogenannte »inventory issue« handelt. Es ist ein Füller des Gastkünstlers Tony DeZuniga. Nach dieser Ausgabe übernimmt John Byrne bis zur Ausgabe # 143 die künstlerische Seite.
Laut Joseph Darowski (2011) war der Grund für den Neustart der X-Men nicht so uneigennützig, wie man hoffen könnte. Man wollte einfach mehr Comics international verkaufen, und Roy Thomas (damals Chefredakteur von Marvel) schlug vor, die X-Men zu verwenden. Die X-Men wurden zu dieser Zeit neu aufgelegt, da man sich dadurch neue Leser*innen versprach, die damit auch leichteren Zugang zu den Charakteren und ihrer Geschichte finden sollten. Len Wein und Dave Cockrum wurden zum Autor und Zeichner der neuen Inkarnation des Teams. Aber, wie Thomas es ausdrückt, ging die Idee eines internationalen Teams dabei ein wenig verloren. Die neuen Mitglieder kamen unter anderem aus Kenia und Russland, „kaum Märkte, in denen Marvel 1975 viele Comics verkaufte“.
Je nachdem, wen man fragt, hört oder liest man vielleicht unterschiedliche Versionen dieser Geschichte. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die Leute bei Marvel daran interessiert waren, eine ethische, intrinsische Motivation für den Neustart aufrechtzuerhalten, als nur mehr Geld zu verdienen.
Die X-Men wurden jedenfalls neu aufgelegt. Und mit Ausgabe Nr. 94 begann Chris Claremont seine siebzehnjährige Herrschaft über das Team. Während dieser Zeit schrieb er fast jedes Skript der X-Men, startete Spin-offs, limitierte Reihen und Maxi-Serien, schuf neue Charaktere und schrieb Geschichten, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Zunächst erschienen die Comics alle zwei Monate, dann monatlich (beginnend mit Ausgabe Nr. 112).
Ein neuer Anfang: Giant-Sized X-Men # 1
„Was uns zu unserem nächsten kleinen Problem bringt … was machen wir mit dreizehn X-Men?“ – Angel
Obwohl Chris Claremont nicht als Teil des Teams aufgeführt ist, soll er angeblich an der Neuauflage beteiligt gewesen sein. Aber wer sind diese neuen X-Men und wie sind sie zusammengekommen?
Praktischerweise verschwanden alle ursprünglichen Mutanten während einer Mission auf der mysteriösen Insel Krakoa (ein Name, der einigen Leser*innen bekannt vorkommen dürfte). Sie untersuchten einige seltsame Anzeichen und verschwanden einfach. Nur Scott überlebte und überbrachte dem Professor die schreckliche Nachricht. Xavier begibt sich auf eine Reise um die Welt, um ein neues Team von Mutanten zusammenzustellen. Sie sollten nicht nur die ursprünglichen X-Men retten, sondern auch Teil von ihnen werden.
„Die neuen Teammitglieder waren Nightcrawler (ein deutscher Teleporter namens Kurt Wagner), Storm (Ororo Munroe, eine Wetterkontrolleurin aus Kenia), Colossus (der Russe Peter Rasputin, der sein Fleisch in Stahl verwandeln konnte), Banshee (der Ire Sean Cassidy, der einen Schallschrei hatte), Warpath (John Proudstar, ein Indianer mit Superkräften), Sunfire (ein Feuerbändiger aus Japan namens Shiro Yoshida) und Wolverine (der Kanadier mit Klauen und einer Heilungsfähigkeit, der nur als Logan bekannt ist). Nicht alle diese Charaktere blieben lange bei den X-Men, aber dieser Neustart etablierte die X-Men endgültig als ein Team, das internationale Charaktere auf eine Weise integrierte, wie es andere Marvel-Superheldenteams wie die Avengers oder die Fantastic Four selten taten.“ (Darowski, 2011, S. 123) Als das neue Team auf der Insel landet, stellt sich heraus, dass diese selbst ein Mutant ist.
Natürlich entstand Krakoa durch eine atomare Explosion rein zufällig (ein Überbleibsel des Atomzeitalters der Comics?). Sie besiegen ihren Feind mit der vereinten Kraft von Storm und Lorna Dane. Allerdings hilft der Professor dabei, die Mutanteninsel abzulenken, während sie ihren Angriff vorbereiten. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass diese neue Version einige Dinge anders macht. Zwei Frauen retten sie alle – in früheren Ausgaben wäre dies nicht möglich gewesen. An dieser Stelle spielt Jean keine wirklich aktive Rolle in der Geschichte. Dieser Fehler wird in kommenden Handlungssträngen korrigiert werden.
Ich möchte zwei Dinge zu diesen neuen Mitgliedern hervorheben.
Erstens: Ororo ist für die Ureinwohner, bei denen sie lebt, eine Göttin. Sie beten zu ihr und suchen ihre Hilfe, wenn es nötig ist. Die Fähigkeit, Wetter zu kontrollieren und innerhalb von Sekunden Regen fallen zu lassen, kann eine mächtige Waffe sein und wirkt sehr gottähnlich. Der Erzähler sagt, dass „ihre flüssigen Augen dunkel werden“, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, was an sich schon ein kraftvolles Bild ist. Leider werden ihre Augen in den Illustrationen als rein weißlich dargestellt (auch in den Filmen werden sie weiß).
Zweitens, die Rekrutierung von Colossus: Die Geschichte seiner ersten Begegnung mit dem Professor ist etwas weit hergeholt. Vor allem, weil seine Schwester in Gefahr ist, auf einem offenen Feld von einem Traktor überfahren zu werden. Traktoren können sehr laut sein. Wie kann man von ihnen überrascht werden? Sie sitzt einfach auf dem Feld und tut nichts. Als Peter sie dann in seinen Händen hält, steht er einfach da und zerstört das Fahrzeug. Er hätte einfach aus dem Weg springen können. Fiel dem Autor keine bessere Geschichte ein, um uns Peters Kräfte vorzustellen?
Wie auch immer, das neue Team ist zusammengestellt und:
„Unter den neuen Mitgliedern des Teams befand sich kein einziger weißer Amerikaner, und viele der vertretenen Minderheiten waren in den Vereinigten Staaten weitverbreiteten Vorurteilen ausgesetzt, die zum Großteil von der Regierung institutionalisiert worden waren. Deutschen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und den weithin bekannten Schrecken des Holocaust misstraut. Afrikaner leiden seit Langem unter Vorurteilen in Amerika, angefangen mit dem Sklavenhandel. Die allgemeine Stimmung gegenüber Russen während des Kalten Krieges war alles andere als freundlich, und ein osteuropäischer Akzent konnte zu Vorwürfen des Kommunismus führen. Die antiirische Stimmung war Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten am stärksten, als die Diskriminierung am Arbeitsplatz sogar dazu führte, dass in Stellenanzeigen NINA-Schilder (No Irish Need Apply) angebracht wurden. Die amerikanischen Ureinwohner wurden in den Vereinigten Staaten seit der Ankunft der ersten Siedler an den Küsten des Landes misshandelt, und die Zwangsumsiedlung in Reservate ist nur einer von vielen Missständen. Während des Zweiten Weltkriegs zwang die Regierung japanischstämmige Amerikaner aufgrund von Misstrauen, in Internierungslagern zu leben.“ (Darowski, 2011, S. 125-126)
Bevor wir uns vom Neustart von Giant-Sized verabschieden, noch ein paar letzte Fakten:
- Die Schule von Xavier befindet sich in Westchester, New York.
- Wir bekommen bereits einen Eindruck von einem größeren Universum, als der Professor seinen neuen Schülern von ihren neuen Kostümen erzählt: „Ich habe sie von einem Mann namens Reed Richards bekommen …“
- Hank hat offenbar mit den X-Men abgeschlossen und arbeitet nun mit den Avengers zusammen (und ist endlich blau und pelzig).