Heute mal ein ganz unkontroverses Thema.
Ich bin neuen Technologien nicht per se abgeneigt. KI ist eine Technologie, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Leider meinen inzwischen alle, die irgendwo auch nur einen Bit verbauen, KI auf ihr Marketing schreiben zu müssen, weil es dann offenbar besser, smarter und zukunftsfähiger klingt. Ein etwas subtilerer Umgang wäre vielleicht angebracht. Aber subtil ist ein Wort, das wir gerade versuchen, als gesellschaftliches Konzept komplett über Bord zu werfen und anschließend zu vergessen. KI kann nützlich sein, wenn sie sinnvoll und passend eingesetzt wird.
Generativer KI stehe ich allerdings mehr als skeptisch gegenüber. Irgendwelche Bücher, Bilder, Texte und sonstigen Werke als Basis für etwas zu verwenden, ohne zu fragen oder die Schaffenden dafür zu kompensieren, ist moralisch wie ethisch verwerflich. Wenn es privat eingesetzt wird, von mir aus. Aber kommerziell kommen schnell Begründungen, warum man eben nicht mehr 100 Künstler*innen für Projekt X benötigt, sondern nur noch die Hälfte.
Ganz davon abgesehen, dass damit das Internet weiter zugemüllt wird, als wäre es ohnehin nur ein endloser Canyon, der mit „Content“ gefüllt werden muss. Menschengemachte Inhalte sind schon nicht alle prickelnd, aber immerhin war es handgemachter Unsinn. Da steckte noch jemand persönlich hinter den Abgründen, die sich nicht mal Nietzsche ausmalen konnte. Denn mal ehrlich, wer liest schon einen täglichen Blog oder besitzt die synaptischen Fehlleitungen, so etwas überhaupt zu betreiben? Nur um ein völlig aus der Luft gegriffenes Beispiel zu nennen, natürlich.
KI hat allerdings auch praktischen Nutzen. Programmieren lässt sich damit sehr gut. Höre ich zumindest immer wieder in Podcasts, und dafür kann ich es mir sehr gut vorstellen. Kurz etwas nachfragen oder Unterstützung bei der Recherche eines Themas bekommen, dafür ist es ideal. Ich verwende ChatGPT zum Beispiel gerne zum Brainstormen. Aber hier am besten auch nur die Plus-Version, da das Gratis-Modell erkennbar dümmer ist als die unbezahlte Stufe.
Was ich auch gerne mache – wenn ich gerade mal wieder die Plus-Version habe: meine Texte von ChatGPT korrekturlesen. Es ist eine gute Ergänzung zu LanguageTool oder Scribbr. Man kann der KI sagen, dass sie dem Stil des Textes treu bleiben und wirklich ein reines Lektorat durchführen soll. Die bezahlte Version kann das sehr gut. Füllwörter werden reduziert, aber nicht komplett eliminiert, Rechtschreibung und Grammatik werden korrigiert und in Ausnahmefällen komplexe Satzstrukturen vereinfacht. Mein Text bleibt erhalten, nur eben ohne Fehler. Und Korrekturen werden aufgelistet.
Durchlesen sollte man sich das Ergebnis natürlich trotzdem noch. KI bleibt nun einmal KI und manche Formulierungen hören sich einfach falsch an. Wenn ich allerdings nur die Basisversion habe, vermeide ich es, ihr meine Texte zu geben. Die Korrektur entspricht dann ganz und gar nicht mehr dem Original. Es werden Inhalte ausgelassen, Dinge hinzuerfunden und Formulierungen verändert, bis vom eigentlichen Text nichts mehr übrig bleibt. Die Diskrepanz ist spektakulär und erschreckend. Eine schwache Basisversion, egal welcher KI, auf die Menschheit loszulassen, ist schon fast gemeingefährlich. Und die meisten Menschen glauben auch noch, ihr blind vertrauen zu können.
Aber wie steht es mit dem Erstellen von Texten? Ich habe es wirklich versucht. Ich wollte einen Text zum Thema X. Also habe ich ChatGPT gesagt, es soll einen Text dazu schreiben, in meinem Stil. Die KI bekam sogar eine kleine Aufzählung der wichtigsten Kernpunkte. Das Ergebnis war gar nicht zu gebrauchen. Technisch gesehen war es ein Text, aber eher die mutierte, eklige Version davon, die auch gar nicht nach mir klang. So etwas würde ich nie veröffentlichen wollen. Es fehlte das Persönliche.
Außerdem fühlte es sich falsch an. Ich schreibe leidenschaftlich gerne. Sonst hätte ich keinen täglichen Blog, den ich seit bald drei Jahren betreibe. Einen KI-Text zu veröffentlichen, widerstrebt mir in meinem Kern. Es ist nicht meins. Meine Kreationen korrekturlesen zu lassen, ist okay. Aber von Grund auf KI-generierte Texte sind für mich eine Grenze. Man kann brainstormen, Ideen austauschen und Konzepte eruieren. Das funktioniert wirklich gut. Aber alles, was darüber hinausgeht, ist zumindest für mich falsch und gegen meine Natur.
Wie ChatGPT diesen Text passenderweise zusammenfasst: Die KI darf mir helfen, den Staub von meinen Sätzen zu wischen. Schreiben muss ich sie schon selbst.
