Micro-Wallets und Brieftaschen

Geldbeutel, Portemonnaie, Geldtasche, Brieftasche oder Geldsack, egal, wie man es nennen mag: Meistens nerven die Dinger wie Sau. Wobei man sagen muss: Geht wirklich noch jemand mit Geldsäcken einkaufen? Fünf Kilogramm Geldsack auf den Kassentisch im Supermarkt werfen und dann in aller Ruhe 87 Euro und 42 Cent abzählen – ach, ein Lebenstraum. Wie auch immer. Portemonnaies sehen meistens auch irgendwie nicht gut aus. Sie verbeulen, sobald man etwas zu viel hineintut. Kleingeld ist ohnehin eine Erfindung des Teufels, um uns alle gesamtgesellschaftlich zu unterjochen und zu nerven. Man findet vielleicht sogar noch Rechnungen aus der Vorkriegszeit über einen Kaugummi, den man sich bei der Fahrt nach Italien für zu viel Geld (noch in Schilling) an der Autobahnraststätte Nummer 3298 gekauft hat, ärgert sich über das eigene Vergangenheits-Ich, steckt die Rechnung dann aber trotzdem wieder hinein, weil gerade kein Mülleimer in der Nähe ist. Ich überspitze. Ein wenig.

Diese Probleme kenne ich glücklicherweise nicht, da ich seit jeher Fan der Firma Paperwallet bin. Erst habe ich ihre etwas größeren »normalen« Paperwallets verwendet, seit einiger Zeit bin ich jedoch Verfechter des Micro-Wallets. Wer mehr Platz in einer Brieftasche benötigt, hat zum einen die Kontrolle über sein Leben verloren oder sollte sich einen kleinen Rucksack kaufen. Ich mag die Designs der Micro-Wallets. Außerdem sind sie strapazierfähig, es hat genau die richtige Anzahl an Karten Platz, etwas Bargeld passt hinein und Münzen haben sowieso nichts, ich wiederhole, nichts in der Brieftasche verloren. Die bringt man entweder zur Bank oder nimmt sie zum Aufladen des Firmenchips her, damit man sich überteuerten Kaffee kaufen kann. Aber man trägt sie nicht spazieren. Wer Kleingeld in der Brieftasche hat, wirft auch Katzenbabys gegen die Wand oder stellt leere Milchpackungen in den Kühlschrank zurück.

Manche Alpha-Male-YouTuber-Gorilla-Ich-hau-mir-die-Fäuste-auf-die-Brust-Typen ohne Geschmack wollen einem dann noch erklären, dass die geeignete Brieftasche für einen Mann aus Leder zu sein hat und schwarz sein muss. In Ausnahmefällen dunkelbraun. Aber er löscht trotzdem vorsichtshalber deinen Kontakt aus dem Handy, weil, keine Ahnung, er könnte sich ja mit dem, was man hat, anstecken und aus Versehen einen individuellen Geschmack entwickeln. Jetzt wollte ich doch glatt schreiben »schwul werden«, aber dann ist mir eingefallen, dass nicht alle Leser*innen – Sternchen, wieder etwas gefunden, was diese Alpha-Male-Meine-Mutter-hat-mich-mit-dem-Fläschchen-gefüttert-deshalb-bin-ich-so-Typen aufregen würde – alle meine Texte lesen und wissen, dass ich schwul bin und das eine ironische Bemerkung ist. Und in Textform ist Ironie ohnehin schwierig.

Räumt eure Brieftaschen auf. Und werft eure schwarzen, ledernen weg.

Eigentlich wollte ich über etwas anderes Brieftaschen- und Paperwallet-Relevantes schreiben, aber das machen wir dann wohl morgen.