Urlaubsrevue: Kaffee, Nerds und Ruhe

Was heißt „Ruhe und Entspannung“? Das sind beides sehr subjektive Begriffe. Ich mag Roadtrips. Mit dem Auto unterwegs zu sein, zwischendurch Halt zu machen, spontan stehen zu bleiben – unabhängig sein. Das ist ein Urlaub, den ich gerne mache. Das hatte ich schon in Irland, Schottland und vergangenes Jahr in Island. Doch man kann einen Roadtrip ebenso lokaler gestalten. Das bot sich mir insofern an, als Freunde von mir Ende September in Baden-Württemberg heirateten. Ich ergänzte die Reise um einen Urlaub am Bodensee und fuhr anschließend nach Lindau weiter. Auf dem Weg nach Ehingen, wo mein erstes Hotel war, sah ich mir unter anderem Kempten und Ulm an. Zuvor war ein Zwischenstopp in Bad Tölz drin, bei einem McDonald’s lässt es sich gut frühstücken. Kempten und Ulm verbindet etwas: Beide haben Mangaläden und Röstereien. Außerdem kann man durch deren Altstädte schlendern und dem Trubel der Städte lauschen. In den Mangaläden bin ich nicht fündig geworden. Das liegt aber eher daran, dass ich gerne die englischen Übersetzungen lese und diese selten zu finden sind. Diese muss man meist bestellen. Aber Kaffee habe ich mir mitgenommen und das ist schon mal etwas.

Ein Roadtrip lässt sich wunderbar mit meiner Leidenschaft für Spaziergänge verbinden. Zu Hause kenne ich die Gegend und kann nebenbei Podcasts hören. Das mache ich unterwegs nur selten. Zu sehr bin ich damit beschäftigt, alles in mich aufzusaugen. Die Eindrücke der Gebäude, welche Läden es gibt, die Menschen und Umgebungen beobachten – das alles liefert genug Input, da muss ich nicht auch noch einen Podcast im Ohr haben. Ich gehe sehr viel und habe manchmal konkrete Ziele, wie oben erwähnte Läden, die ich aufsuchen möchte. So ist es nicht immer einfach, in eine wirklich entspannte Haltung zu verfallen. Zu sehr bin ich damit beschäftigt, alles abzugehen. Diesen Trend habe ich in Lindau bewusst unterbrochen.

Als ich mir das Ticket für die Panoramafahrt gekauft hatte, wollte ich einen Kaffee trinken. Ich hatte knapp eineinhalb Stunden Zeit. Vielleicht ging sich noch eine Runde durch die Altstadt aus. Ich setzte mich am Hafen in ein Café und bestellte den ersten Kaffee. Dann einen Smoothie und anschließend noch einen Espresso. Ich bin dagesessen und habe die Zeit genossen. Bewusst innehalten und über die letzten Tage reflektieren. Dazwischen etwas die App WalkScape pflegen, damit die Schritte auch gut genutzt werden. Das habe ich in den Tagen darauf öfter gemacht. Nachdem ich viel gegangen bin, habe ich mir ein Café ausgesucht, mich hingesetzt und einen Kaffee genossen. Und wenn es nur ein Espresso zwischendurch war. Dieses kleine Ritual durchbricht die Spaziergänge auf eine Weise, die mir gefallen hat. Ich liebe Kaffee und teste gerne Neues. Die perfekte Kombination.

Ruhe und Entspannung heißt für mich nicht, am Strand zu liegen und nichts zu tun. Aber innehalten, darüber reflektieren, was man erlebt hat, und Dinge anders machen als sonst gehören auf jeden Fall dazu. Ich habe während meines Roadtrips zwei Texte geschrieben und das auch nur gegen Ende. Zugegebenermaßen hatte ich keine Lust dazu. Abends im Hotel habe ich YouTube geschaut und mich dann hingelegt. Die Bücher, die ich mitgenommen habe, rührte ich nicht an – interessanterweise fehlte mir dazu die geistige Ruhe. Ich war sechs Tage unterwegs, habe diverse Städte besucht und bin viel gegangen. Allein in den letzten vier Tagen habe ich insgesamt knapp 70 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Da auch noch ein Buch zu lesen, kam mir überflüssig vor.

Ich entdecke gerne Orte zu Fuß. So bekommt man einen wirklichen Eindruck von der Umgebung. Man bewegt sich durch sie hindurch und beobachtet sie nicht nur aus dem Auto oder dem Bus heraus. Zu viele Altstädte hintereinander sollten es zwar dann auch nicht sein, aber trotzdem hat jeder Ort seinen eigenen Vibe.