Manche Menschen haben die verquere Vorstellung, dass ihnen die Welt etwas schuldig sei. Das kann schon mal passieren, wenn man in der eigenen Perspektive feststeckt. Wie hat es David Foster Wallace sinngemäß so schön ausgedrückt: Ich bin das Zentrum der Welt, meiner Welt. Alles passiert mir, widerfährt mir, geschieht um mich herum und aus meiner Perspektive. Wie kann man da nicht dem Glauben anhängen, tatsächlich das Zentrum der Welt zu sein? Diese Sichtweise abzulegen, nachzudenken, vielleicht sogar zu versuchen, sich in andere hineinzuversetzen, darin liegt die größte Herausforderung. Eben nicht anzunehmen, dass mir die anderen ständig im Weg sind, sondern die Eventualität zuzulassen, ich könnte den anderen im Weg sein. Hat es der Drängler hinter mir eiliger als ich? Gibt es für ihn einen triftigen Grund, riskant zu überholen? Das muss nicht wahr sein, aber unmöglich sind diese Optionen auch nicht.
Besonders spannend wird es, wenn Menschen davon ausgehen, ihnen stehe etwas zu. Seien es Informationen, irgendwelche Rechte oder etwas Materielles. Unser Recht auf Demokratie haben sich unsere Vorfahren hart erkämpft und gerade steht es wieder auf sehr wackeligen Beinen. Die Vorstellung, der Staat hätte irgendeine Verpflichtung, mich aktiv über Dinge zu informieren, von denen er nicht wissen kann, dass ich sie gerade brauche, trägt meiner Meinung nach dazu bei, dass Menschen von der Politik enttäuscht sind. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, jede Information aktiv an jede einzelne Person heranzutragen. Er muss sie zur Verfügung stellen, das auf jeden Fall. Transparenz und Offenheit gehören zu einer funktionierenden Gesellschaft. Aber welche dieser unzähligen Informationen für mich gerade wichtig sind oder welche ich benötige, das muss immer noch ich entscheiden.
Ich muss mich darum kümmern, aktiv werden – das scheint verloren zu gehen und darin zu münden, dass sich Menschen ungerecht behandelt fühlen oder als würde die Gesetzgebung gegen sie arbeiten. Natürlich haben wir manche Vorschriften, die überflüssig oder veraltet sind. Andere haben aber ihre Daseinsberechtigung. Als mündiger Bürger einer funktionierenden, demokratischen Gesellschaft muss ich mich wie andere innerhalb dieser Grenzen bewegen. Das mag mir nicht immer gefallen, aber darüber hinwegsetzen kann sich auch nicht jede oder jeder, wie es ihm oder ihr gerade lustig ist. Dann könnten wir es gleich lassen. Diese Denkweisen verstehe ich oft nicht. Man könnte meinen, manche würden sich aktiv dazu entscheiden, etwas schlechter zu leben, nur weil sie nicht bereit sind, andere Perspektiven einzunehmen oder zu akzeptieren, dass ihnen die Welt absolut nichts schuldig ist. Das Gegenteil ist wahr.
