Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien zum ersten Mal am 25. September 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Es ist mir allerdings ein Anliegen, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.
Es ist schon erstaunlich, wie man manche Geschichten, die man in der Vergangenheit wahnsinnig gefeiert hat, doch wieder vergisst. Im Laufe der Jahre habe ich sehr viele Comics gelesen, zigtausende, um ehrlich zu sein. Da kann es schon einmal passieren, dass manche etwas in die hinteren Räume des Gehirns gedrängt werden. So ist es auch mit Birthright passiert. Jedoch ist es ebenso erstaunlich, wie detailliert ich mich an die Geschichte erinnere, nachdem ich meine alten Texte dazu gelesen habe. Das ist das Wunderbare an Comics, man ist involvierter in die Geschichten als bei Filmen oder Büchern. Daher erinnert man sich wieder leichter an sie.
Birthright geht in die zweite Runde und setzt genau dort an, wo wir nach dem ersten Volume stehen geblieben sind. Mikey ist mit seinem Bruder auf dem Weg, um die übrigen »Mages« zu töten und so scheinbar Gutes zu tun. Doch wie definiert sich Gut genau und wer ist überhaupt mit wem alliiert? Die Antworten auf diese Frage bleiben weiterhin ziemlich vage.
- Creator, Autor: Joshua Williamson
- Creator, Künstler: Andrei Bressan
- Colorist: Adriano Lucas
- Letterer: Pat Brosseau
“I’m sick of not knowing the whole story of my son’s life. We’re going to find Mikey, not matter where he is.” – Wendy
Nachdem Aaron in der letzten Folge ziemlich handlungsfreudig unterwegs war und neben Brennan der Einzige, der Mikey geglaubt hat, ist er in diesem Handlungsbogen sehr still. Die meiste Zeit verbringt er in einer Verhörzelle, wo sich ein Mann der NSA aufspielt und scheinbar die Kontrolle über die ganze Situation zu bekommen versucht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie in solchen Geschichten Agenten als die vermeintlich Bösen dargestellt werden. Natürlich ist die NSA jetzt hier ein schlechtes Beispiel, aber mich würde interessieren, wie sich die Mitarbeiter von FBI, CIA und Co. in der realen Welt verhalten. Spielen diese sich dort auch so auf oder ist es immer nur der Handlung der Geschichte geschuldet, dass sie eben so sein müssen. Die unsympathischen Typen (meistens dann auch noch weiße Männer), die den Protagonisten im Weg stehen und ihnen nicht glauben.
Jedoch haben wir die Mutter, Wendy. Sie hat Kopien von Brennans Tagebuch in die Finger bekommen, mit Hilfe ihres aktuellen Freundes, und will die komplette Geschichte verstehen. Ein für alle Mal klären, ob die monströse Gestalt eines Mannes tatsächlich ihr Sohn sein kann. Ihre Entwicklung finde ich äußerst nachvollziehbar und glaubhaft. Anfangs noch in dem Glauben vertieft, es handelt sich um einen Scherz, kommt sie langsam aus der Phase der Verleugnung heraus. Was dann natürlich auch noch hilft, ist die Freundin von Mikey, die aus Terranos gekommen ist und ihr gemeinsames Kind austrägt. Dabei darf sie ein paar ziemlich coole Stunt-Einlagen hinlegen und sorgt für freudige Momente. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit den beiden weitergehen wird. Wendy und Rya sind ein unerwartetes Team-up, haben allerdings auf jeden Fall das Potenzial, der Höhepunkt der Geschichte zu sein. Außerdem tut es gut, zwei Frauen das Steuer in die Hand nehmen zu sehen und aktiv die Geschichte mitzuformen.
Mikey und sein Bruder Brennan sind abseits von aller Zivilisation unterwegs und überqueren dabei Felder, Flüsse und Wüsten. Die beiden haben eine tolle Chemie untereinander und funktionieren als Charaktere erstaunlich gut, vor allem in einem Moment, wo sich Brennan als der große Bruder schützend vor dem verletzten Mikey stellt. Solche Augenblicke sind für Protagonisten immer essenziell, da sie zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ich brauche dazu keine Beschreibungen, ich will es sehen – dadurch kann es sehr viel besser auf die Leser*innen einwirken.
Was mich allerdings etwas stört, an diesem Handlungsablauf, ist ihre Zielstrebigkeit. Zum Beispiel, wie sie die magischen Messer finden, geht zu schnell. Es hätte nicht geschadet, wenn man noch ein paar Panels darauf verwendet hätte, wie sie recherchiert haben. Dies ist ein gutes Gegenbeispiel zum oben erwähnten Moment, da sie nur darüber reden, wie sie die Messer finden könnten, aber es wird nicht ausführlich genug, genauer gesagt überhaupt nicht, gezeigt.
Ansonsten bin ich aber sehr begeistert, wie die Geschichte voranschreitet. Die Mischung aus aktuellen Ereignissen und Rückblenden funktioniert wunderbar, vor allem da sie sich nun thematisch ähneln. Hier funktioniert sie genauso gut wie in den ersten beiden Staffeln der CW-Serie Arrow. Auch hier haben sich die Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart thematisch wunderbar ergänzt, bis zum fantastischen Finale der zweiten Staffel.
Wie wir schon im ersten Volume von Birthright herausgefunden haben, ist Mikey von einem Wesen, das Nevermind genannt wird, besessen. Wie die beiden in Beziehung stehen, wird aber nicht ganz klar. Mikey hat sich freiwillig von ihm in Besitz nehmen lassen, kann aber doch noch unabhängig von ihm handeln – mal mehr, mal weniger. Hoffentlich wird im dritten Band erläutert, was es mit dem Nevermind genau auf sich hat. Er führt Mikeys Handlungen in die Richtung, wie es der dunkle Lord möchte, da dieser noch nicht in der Lage ist in unsere Welt zu kommen. Allerdings bleibt es sehr vage, wie stark der Nevermind wirklich ist und was er kann.
Dies bringt mich auf die Frage, wie plötzlich diverse Wesen es schaffen, von Terrenos in unsere Welt zu kommen. Wurde nicht zuvor angemerkt, dass dies äußerst schwierig zu bewerkstelligen sei? Beinahe unmöglich, wurde uns gesagt. Immerhin hat es nun schon Rya geschafft und ein paar Geister, die Mikey angeblich helfen wollen. Aber darüber kann man hinwegsehen. Viel spannender ist die Frage, wem man trauen kann und wer welche Absichten verfolgt. Dies wird nie so richtig klar und macht sehr viel von der Spannung der Geschichte aus. Ich freue mich auf Volume 3.