Produktivität und Effizienz

Manchmal schleichen sich diese Begriffe ins Leben ein, ohne dass wir es aktiv bemerken. Abseits vom beruflichen Alltag, wo solche Dinge natürlich eine Rolle spielen können, sollen oder müssen. Doch greifen die Tentakel des Min/Maxing schon längst ins private Leben hinein. Sei es durch Influencer*innen auf Social Media oder andere Kanäle, die uns Morgenroutinen und dergleichen nahelegen, damit wir so viel wie möglich in unseren Tag hinein quetschen können. Oder wir sind es selbst, die wir uns Ziele stecken und Kennzahlen erreichen wollen. Ich rede nicht davon, dass wir unser Leben verschwenden sollten oder einfach nur auf der Couch herumgammeln, oder davon, dass es falsch ist, Ziele zu haben. Wenn man einen Marathon laufen möchte, sind ein Trainingsplan, Etappenziele und vielleicht auch ein Ernährungsplan und dergleichen sehr sinnvoll. Es geht darum, in manchen Bereichen die Ungezwungenheit, Neugierde, vielleicht sogar Langeweile wiederzuentdecken. Man muss nicht ständig mit Informationen, Geräuschen oder sonstigem beschallt werden.

Ironischerweise bin ich durch ein YouTube-Video erneut auf dieses Thema gestoßen, über das ich mir gelegentlich Gedanken mache. Das Video von Shirt (Stop Playing Games Efficiently) ist unten verlinkt. Dort wird es anhand von Videospielen erläutert, aber es gilt natürlich ebenso für andere Hobbys, wie das Bemalen von Warhammer-Figuren oder was auch immer man tun mag. Zu unzähligen Spielen gibt es nicht nur einen Guide im Internet zu finden. Abertausende schreiben und berichten darüber, wie man ein Rätsel löst, eine bestimmte Waffe findet, welcher Build der beste für welchen Spieltyp ist. Kaum scheitern wir an einer Stelle oder kommen für drei Minuten nicht weiter, zücken wir Smartphone oder Tablet und es wird recherchiert. Ich nehme mich davon nicht aus.

Doch ist das wirklich, was wir wollen? Unsere Freizeit so effizient wie möglich zu gestalten? So schnell wie möglich durch ein Level, durch ein Spiel zu kommen, um das nächste angehen zu können? Den Berühmten »Pile of Shame« immer höher zu stapeln, weil es gerade einen Sale gibt? Egal, was es ist; seien es Bücher, Spiele, Warhammer-Figuren, Filme, Serien – am besten natürlich, man kombiniert verschiedene Hobbys, weil man dann mehr schafft. Produktivität und Effizienz in allem, was wir tun, zu steigern. Führt das wirklich zu einem erfüllteren Leben, nur weil es mit Zeug und Inhalt gefüllt ist?

Was mir bei dem Thema ebenfalls eingefallen ist, wo ich mir allerdings noch nicht sicher bin, ob es passt, sind »Reading Orders« in Comics. Dabei handelt es sich um eine empfohlene Reihenfolge, in der man die Comics liest. Besonders verbreitet sind diese natürlich in Superhelden-Comics mit ihren unzähligen Reihen und Ausgaben, Events und parallelen Welten. Doch natürlich findet man auch im Indie-Bereich mittlerweile etliche Beispiele. Über die Jahre habe ich mich durchaus intensiv mit der ein oder anderen »Reading Order« beschäftigt. Besonders natürlich von meinem Lieblingscharakter Spider-Man, aber natürlich auch von anderen Charakteren und Teams oder von Autor*innen. Seien es die X-Men oder Brian Michael Bendis langjährige und prägende Phase bei Marvel.

Zum einen handelt es sich dabei um eine Liste an Comics, die es sozusagen abzuarbeiten gilt. Zum anderen dient es als Liste, wenn man wirklich alles mitnehmen will, die interessierte Leser*innen mit der maximalen Anzahl an möglichen Comics ausstattet. Dann kann man immer noch selbst entscheiden, ob man wirklich alles lesen möchte oder nur Auszüge. Allerdings handelt es sich ebenso um eine Art produktivitätssteigernde Methode, um das maximal Mögliche aus meinem Interesse und meiner Leidenschaft für Comics herauszuholen. Statt mich lange mit einer Reading Order und dergleichen aufzuhalten, könnte ich kurz nach Einstiegspunkten oder Autor*innen suchen oder mir digital diverse Collected Editions zulegen und anfangen zu lesen. Irgendwo werde ich schon landen.

Immerhin hat so meine Leidenschaft an Comics einmal angefangen. Ich wollte Batman lesen und andere Comics von DC und natürlich Marvel. Indie-Comics wurden ausschließlich aufgrund dessen gekauft, weil das Cover geil aussah oder ich den Autoren, die Autorin, mir bekannt vorkam. Es lag mehr Überraschung in der Luft, mehr Spannung und Neugierde. Man, also ich, war bereit, mich mehr auf die Reise einzulassen, die sich jemand mit der Geschichte und den Bildern überlegt hatte. Ich hörte einen Podcast über Comics und von dort gab es diverse Empfehlungen, aber bis ich zum Lesen dieser Empfehlungen gekommen bin, hatte ich meist schon wieder vergessen, worum es eigentlich ging. Ich wollte einfach nur eine gute Geschichte erleben, mit interessanten, spannenden Charakteren.

Genau darum ging es in dem YouTube-Video und genau darum geht es mir heute. Produktivität, Effizienz – das sind alles Begriffe, die in Hobbys eigentlich nichts verloren haben. Wenn ich meinen täglichen Text für den Blog schreibe, Sport treibe und andere Dinge mache, die eben im Haushalt oder im Leben allgemein erledigt werden müssen, dann kann ich gerne mit solchen Begriffen um mich werfen. Dann habe ich etwas getan, was mir zwar auch Freude bereitet und Spaß macht, aber es hat mich in irgendeiner Weise vorangebracht, und sei es nur inkrementell. In Spielen und anderen Hobbys möchte ich mir eine kindliche Neugierde beibehalten und Überraschungsmomente zurückholen. Und sei es nur, indem ich nicht gleich einen Guide heraussuche, wie man sich einen Strength-Faith-Build in Elden Ring zusammenstellt, sondern es selbst versuche herauszufinden. Indem ich mich in God of War vom nächsten Gegner überraschen lasse oder etwas länger an einem Rätsel sitze.

  • YouTube-Channel Shirt | Stop Playing Games Efficiently