Wie jede Woche schauen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 19. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen meine alten Texte weiterhin auffindbar bleiben. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere ihn ein wenig und versehe ihn mit einer kurzen Einleitung.
Zuerst einmal muss ich leider gleich eine schlechte Nachricht anbringen: Im Text erwähne ich ein Video, das ich damals scheinbar verlinkt habe; das ist nicht mehr der Fall. Heute notiere ich mir zumindest ein paar Informationen zu den Dingen, die ich mir so heraussuche. Sei es der Titel des Videos und von welchem Channel dieses stammt. Im Falle von Texten notiere ich mir die Webseite und den Titel des Textes. Vor neun Jahren scheine ich das nicht gemacht zu haben. Eine schöne Weiterentwicklung.
Ansonsten bin ich ehrlich überrascht, wie lange ich The Walking Dead mit einer gewissen Begeisterung geschaut habe. Ich war überzeugt, dass ich schon deutlich vor Staffel 7, wo Negan seinen berühmt-berüchtigten Auftritt feierte, die Lust an der Serie verloren hatte. So bin ich nun wirklich gespannt, was ich in den Rezensionen der siebten Staffel zu sagen habe. Ich schreibe hier in der Mehrzahl, weil ich ab Staffel 7 dazu übergegangen bin, die einzelnen Episoden zu besprechen. Wir werden das hier allerdings etwas zügiger machen. Aber das überlege ich mir noch.
Ende Oktober startet die siebte Staffel von The Walking Dead, also der perfekte Zeitpunkt, die Höhepunkte der sechsten Staffel Revue passieren zu lassen. Wenn man sich die sechste Staffel von The Walking Dead ansieht, könnte man meinen, dass die Autoren versuchen, dieses Mal etwas anders zu machen als bisher. Das Standard-Prozedere war dadurch geprägt, dass unsere Gruppe sich an einen mehr oder weniger sicheren Platz zur Ruhe setzen möchte, nur um dann doch von Zombies überrannt zu werden.
Zwar passiert dies hier weiterhin, doch zu guter Letzt bleibt Alexandria doch ihre Heimat. Die Wände stellen sich als ein ziemlich stabiles Konstrukt heraus (zugegeben, es gibt Verbesserungspotenzial) und wenn nicht bald, gänzlich zufällig natürlich, ein Governor auf der Bildfläche erscheint, sollte es einigermaßen sicher sein. Oder es stürzt mal wieder ein Turm ein, der ein paar Dutzend Zombies den Weg ins Innere freigibt. Dann gibt es natürlich noch ein paar andere Feinde und Gegner, die ebenfalls in die Stadt wollen. Immerhin ist es da so schön kuschelig.
- Developed by Frank Darabont
- Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
- Musik: Bear McCreary
- Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
- Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC
Es scheint über die gesamte Staffel hinweg weniger Zeit zu vergehen. Dies kann natürlich eine subjektive Wahrnehmung sein, da sich der Rezensent die gesamte sechste Staffel in zwei Tagen angesehen hat. Da kann der Blick auf so manche Details verschwimmen. Vor allem die erste Story-Arc, die in einer Zombie-Invasion gipfelt, scheint von Stunde zu Stunde erzählt zu werden. Dies tut der Spannung jedoch keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, es ist eine intensive Seherfahrung und der emotionale Höhepunkt, bei dem sich die gesamte Stadt endlich dazu durchringen kann, gemeinsam gegen die Bedrohung vorzugehen, bringt eine Gänsehaut nach der anderen.
Nach diesem Ereignis wird angedeutet, dass ein paar Wochen vergangen sind – so konnten die Macher Carls Genesung überspringen und ihn direkt zurück in die Action bringen und als geeigneten Babysitter einsetzen. Warum sich die Autor*innen Wege einfallen lassen müssen, um die Handlung etwas zu strecken oder dichter gepackter zu erzählen, wird in dem unten angefügten Video hervorragend dargestellt.
Die beiden anderen Punkte greifen eigentlich etwas ineinander. Es gibt vermehrt Episoden, die sich auf einzelne Charaktere konzentrieren. Ebenso gibt es mehr übergreifende Entwicklungen zu beobachten. Besonders die bisher eher zurückhaltenden Einwohner Alexandrias realisieren, in welcher Welt sie nun überleben müssen. Da die Aktion, die Zombies aus der Umgebung wegzubringen, gezwungenermaßen scheitert (wer dachte von euch wirklich, dass dies gut ausgehen würde?), bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ricks Gruppe zu unterstützen und die Stadt zu verteidigen, während diese sich um die Horde kümmert.
Rick mausert sich währenddessen zu einem halbwegs menschlichen Anführer, auch wenn er weiterhin darauf aus ist, Menschen zuerst zu töten und danach die Fragen einfach nicht zu stellen. Dianas Tod und ihre letzten Worte an ihn sind äußerst bewegend. Es bleibt nur zu hoffen, dass der weitere positive Einfluss von Morgan ihn schließlich dazu bringen kann, nicht alles und jeden einfach umzubringen, der sich ihnen in die Quere stellt (wobei hier das Finale seine Einstellung doch verteidigt, aber dazu später mehr). Natürlich hilft es da nicht gerade, wenn sein Sohn Carl angeschossen wird und ein Auge verliert. Diese Szene kam so überraschend und hat den ersehnten Schockmoment mehr als getroffen. Lange Zeit war nicht ganz klar, ob Carl nun wirklich tot ist.
Apropos Tode: Dass Glenn nicht stirbt, war mir nicht erst durch die mit Spoilern gespickten Tweets von einigen Idioten klar, die sich einfach nicht zurückhalten konnten. Die Szene war einfach nicht glaubhaft gefilmt worden. Sein plötzlich suizidaler Kollege ist dermaßen offensichtlich auf ihn gefallen, dass man es nicht absichtlicher hätte inszenieren können. Außerdem war der Container hinter ihm auch sehr präsent – der schmächtige Glenn passt leicht darunter.
Weit mehr geschockt und überrascht hat dagegen der Tod der wunderbaren Denise. Die neue Ärztin in der Stadt war ein fabelhafter Charakter. Ihre Entwicklung von der ängstlichen, schüchternen Frau, die kaum wagt, ihre Patienten anzufassen, hin zu einer starken, durchsetzungsfähigen Person hat wunderbar funktioniert. Sie lässt sich nicht einmal davon abhalten, in Lebensgefahr zu geraten, nur um für ihre Freundin eine Soda aus einem Zombie besetzten Auto zu holen. Ganz davon zu schweigen, dass eine lesbische Frau die Vielfalt der Gruppe erneut um einiges erhöht hätte. Was aber noch mehr schockiert, als ihr eigentlicher Tod, ist die Sinnlosigkeit dahinter. Einfach so tritt sie ab. Zwar mit einer tollen Rede, aber mehr auch nicht. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich etwas schuldig fühle. Denn Denise hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt und dies ist normalerweise ein todsicheres Zeichen (no pun inteded), dass dieser Charakter innerhalb weniger Episoden stirbt.
Im Gegensatz dazu darf der gute Eugene weiterleben. Diesen Charakter habe ich und werde ich wahrscheinlich auch nie verstehen oder auch nur ansatzweise mögen. Er mag zwar alle 20 Folgen oder so mutiger werden, doch sein Zweck bleibt mir weiterhin verschlossen. Nicht nur ist er ein feiges, vorlautes Arschloch, er beleidigt auch noch Abraham. Mal sehen, was aus ihm wird. Doch wenn es mit ihm so weitergeht, kann er nicht früh genug abtreten.
Kommen wir zu dem wohl friedfertigsten Charakter: Morgan. Über die letzten Staffeln hinweg wurde er, zumindest meiner Wahrnehmung nach, als ein weiterer Badass-Charakter eingeführt und aufgebaut. Sein psychischer Zusammenbruch scheint nur ein weiterer Schritt der Läuterung auf diesem Weg zu sein. Doch stattdessen überraschen die Autor*innen mit einer Entwicklung, die so nicht vorhersehbar war. Er trifft einen Mann namens Eastman und lernt durch ihn das Motto »Every life is precious« kennen, welches er nicht nur verinnerlicht, sondern beinahe naiv danach lebt und handelt. Es ist beeindruckend, wie stark ihn sein Mentor geprägt hat. Egal, wer ihm auch begegnet, er sieht davon ab, unnötigerweise ein Leben zu nehmen, mit dem festen Glauben, dass alles einen Zweck hat – einen bestimmten Sinn erfüllen wird. Bisher hat er recht und ich wage es gar nicht zu sagen, aber er mausert sich zu einem neuen Lieblingscharakter von mir. Und das nicht nur, weil er mit seinem Stock einen verdammt coolen Eindruck hinterlässt. Die Ausstrahlung des Schauspielers Lennie James, gepaart mit guten, tiefgreifenden Monologen und einer konsequenten Charakterzeichnung, all das macht ihn interessant.
Zu guter Letzt kommen wir noch auf Carol zu sprechen, die eine ähnliche Entwicklung wie Morgan durchmacht. Sie war bisher, wie es Rick so schön ausgedrückt hat, »a force of nature«, die alles und jeden, der sich ihr oder ihrer Gruppe in den Weg stellt, beseitigt und neutralisiert. Besonders die Phase, in der sie mit Maggie entführt wird und mit dem Rosenkranz herumspielt, wirkt beeindruckend. Eine Kombination aus weiser Voraussicht bzw. Kalkül und ehrlichem Leiden, machen sie zu einer Figur, mit der man sich identifizieren oder mitleiden kann. Auch wenn mir die Zahl 18, für Tode, für die sie sich direkt verantwortlich zeichnet, etwas gering erscheint, so nagen sie an ihr und führen schließlich dazu, dass sie nach der Entführung aus dem Lager abhaut. Wenn Morgan sie finden wird, woran eigentlich kein Zweifel bestehen dürfte, könnten die beiden ein fantastisches Duo werden.
Ansonsten weist die Staffel wieder die typische hohe Qualität auf, mit der man mittlerweile bei The Walking Dead auch rechnen kann. Da die Serie insgesamt etwas ruhiger zu werden scheint und etwas von dem bisherigen Tempo zurücktritt, können die gewaltigen, stimmungsvollen Bilder noch besser wirken. Vor allem der Score oder besser gesagt seine Abwesenheit an den geeigneten Stellen, führen zu einem intensiven Erlebnis.
Doch bevor wir in die Staffelpause entlassen wurden, durften wir noch Negan kennenlernen. Er bedroht die Bewohner von Hilltown und entführt schließlich die gesamte Gruppe rund um Rick. Am Ende wird angedeutet, dass jemand von ihm mit seinem schrecklich schönen Baseballschläger getötet wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles auflösen wird.