Eine Sache, die ich nie verstehen werde, ist das Filmen bei Konzerten. Es führt nicht nur dazu, dass ich Teile des Erlebnisses verpasse. Außerdem lenkt es ab und ich schaue mehr aufs Smartphone, mit dem gefilmt wird, als auf die eigentliche Bühne. Ich war letztens bei einem Konzert von Hans Zimmer. Er ist gerade mit seiner Band auf der »The Next Level«‑Tour. Hans Zimmer ist für manche der ikonischsten Soundtracks verantwortlich. In dem über drei Stunden dauernden Konzert konnte er so einiges aufbieten. Selbst neue Stücke fanden Platz.
Ich war sehr positiv davon überrascht, dass um mich herum kaum jemand das Smartphone gezückt hatte. Die meisten saßen einfach nur da und haben die audiovisuelle Erfahrung auf sich wirken lassen. Einzige Ausnahme war eine Dame, die eine Reihe vor mir saß und ein Stück weiter rechts. Sie hatte ständig das Smartphone in der Hand und filmte mit. Die Hälfte des Konzerts findet sich wohl auf diesem Smartphone wieder. Aber nicht im Ganzen. Sondern nur Teile davon. Ein Anfang dieses Stücks, die Mitte jenes Gesangs und der Abschluss des Solos. Die Frage, die ich mir stelle: Wann schaut sie sich das jemals wieder an?
Hans Zimmers Konzerte kann man in guter Qualität streamen. Entweder man leiht sie sich aus, kauft sie oder besorgt sich die Blu-Rays. Wenn es mir um die Musik geht, ist diese bei allen gängigen Musik-Streaming-Diensten verfügbar. In einer besseren Qualität als die mitgefilmten Schnipsel. Des Weiteren stellt sich die Frage, was partiell aufgezeichnete Stücke bringen. Dass ich ein paar Sekunden meines Favoriten aufnehme oder ein paar Fotos mache, das lasse ich mir noch einreden. Aber ich stelle ernsthaft infrage, was diese Dame bei dem Konzert gemacht hat.
Der Gipfel des Ganzen war, als sie mit ihrem Freund Arm in Arm dasaß. Sie hatte den Kopf auf seiner Schulter, er legte den Kopf an sie. Ich weiß nicht mehr, welcher Soundtrack gerade gespielt wurde, aber ich glaube, ein vergleichsweise ruhiger. Sie haben allerdings nicht auf die Bühne geschaut. Denn sie hatte das Smartphone gezückt und filmte mit (hochkant natürlich). Der Bildschirm direkt vor ihren Gesichtern. Wie romantisch.
Und wie man an diesem Text hier merkt: Das lenkt natürlich auch andere ab. Ein Bildschirm leuchtet nun einmal hell. Besonders im finsteren Bereich des Publikums. Ich habe gar nichts mitgefilmt und auch keine Fotos gemacht. Ich habe einfach nur die Show genossen und bin sehr froh darüber. Nur ganz am Anfang, als ich die Halle betrat, habe ich die Bühne fotografiert. Das reicht mir vollkommen aus. Meine Erinnerungen behalte ich mir im Kopf und in Form des Tickets. Alles andere kann ich per Streaming nachholen.