Souls-Spiele und grau-brauner Matsch

Die typischen Soulslike-Spiele fallen in ein ähnliches Setting: Dark Fantasy. FromSoftware und ihr kreatives Oberhaupt Hidetaka Miyazaki haben das Genre der Souls-Spiele erfunden. Wenn diese Spiele von FromSoftware erscheinen, redet man üblicherweise von Soulsborne; auch in Anlehnung an deren Meisterwerk Bloodborne. Nehmen sich andere Entwicklerstudios die Spiele von FromSoftware als Inspiration und redet man von einem Soulslike – da es zwar dem Konzept entspricht, aber nicht vom Schöpfer selbst stammt. Soweit also die Grundlagen dieses Begriffs.

Souls-Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie (typischerweise) keinen Schwierigkeitsgrad haben, knüppelhart sind und eben dem Dark-Fantasy-Genre angehören. Ob jetzt Spiele wie »Lies of P« Dark-Fantasy sind, mag jede und jeder für sich entscheiden, aber ich würde es durchaus dazuzuzählen. Den Souls-Spielen ist ebenfalls gemein, dass man gewisse Ressourcen verliert, wenn man stirbt, typischerweise die Geldeinheiten, die man aufgesammelt hat. Wenn man noch einmal stirbt, bevor man sich diese Geldeinheiten zurückholen kann, gehen sie verloren. Ein Fokus dieser Spiele liegt meist auf den Bosskämpfen. Das sind die großen Highlights. Dabei sollten sie durchaus anspruchsvoll sein, aber nie unfair.

In den vergangenen Jahren sind immer mehr dieser Soulslikes entstanden. Spätestens mit FromSoftwares (bisherigem) Magnum Opus »Elden Ring« hat das Genre ein breiteres Publikum erreicht und den Weg in den Mainstream gefunden. Es war auch meine Einstiegsdroge. Etwas, das diese Spiele auch auszeichnet, ist ihr Setting. Dark Fantasy kann viele Facetten annehmen. Es soll nicht unbedingt immer bedrückend sein, doch eine dichte Atmosphäre und eventuelle Horrorelemente sind gerne gesehen. Zwei durchaus ernstzunehmende Kandidaten waren in den letzten Jahren »The First Berserker: Khazan« und »Lords of the Fallen«. Beide schaffen es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und dem Genre etwas Eigenes anzubieten. Das künstlerische Design beider Spiele ist hervorragend und sie machen Spaß. Doch beide habe ich abgebrochen (wobei ich mir bei »Lords of the Fallen« noch nicht sicher bin). Grund dafür ist nicht unbedingt die Schwierigkeit, sondern das Color Grading. Ich finde beide Spiele teils furchtbar langweilig anzuschauen.

Am schlimmsten ist es bei Khazan. Manche Level gehen unter in einem grau-braun-rötlichen Matsch, der es schwer macht, Details zu unterscheiden. Kontrast sucht man teils vergebens. Dazu kommt eine Dunstwolke, die vielleicht einen coolen Effekt machen soll, aber nur dazu führt, dass alles noch einheitsbreiiger aussieht, als ohnehin schon. Außerdem verbringt man in beiden Spielen viel Zeit in Tunneln, Dungeons, Schluchten oder vernebelten Bergen. Eines der letzten Level, die ich in Lords gespielt habe, beinhaltete ein Dorf in einem Sumpf. Das Dorf war aus Holz gebaut. Aber sowohl der sumpfige Teil als auch das Holz und die Bäume und der Himmel verschwammen zu einem einzigen braunen Amalgam. Am Ende (oder war es davor? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher) bekämpft man einen Boss, der ebenfalls diese Farben aufweist, was den Kampf visuell sehr schwierig macht. Man erkennt nichts.

Elden Ring hat mit seinem DLC »Shadow of the Erdtree« gezeigt, dass Souls-Spiele durchaus Kontrast haben dürfen und bunte Farben. Das düstere Setting muss darunter nicht leiden. Dark Fantasy heißt nicht, dass es immer dunkel ist und ich nichts sehen darf. Das “dunkle” Mittelalter heißt auch nicht so, weil es immer finster und düster war. Oder nehmen wir den FromSoftware-Titel »Bloodborne«. Hier ist es meist dunkel und düster, aber Details erkennt man trotzdem. In Lords hat man immer mal wieder Momente, genauso wie in Khazan, wo man aus dem grau-braunen Einheitsbrei ausbricht, aber so richtig lange dauern diese Passagen nicht. Die Einstellungen helfen genauso wenig. Es ist ein grundlegendes Design-Problem.

Wenn man sich etwa das Artwork ansieht, dann strotzen diese vor Kontrasten und Farben und coolen Ideen. Im finalen Produkt bleibt davon allerdings sehr wenig übrig – leider. »Silksong«, ein anderes Meisterwerk von Team Cherry, hat ebenfalls eine dystopische Welt mit wenig Hoffnung. Trotzdem ist es visuell abwechslungsreich, farbenfroh und mit Kontrasten gesegnet. Das nimmt der Stimmung und Atmosphäre nichts weg. Ich würde mir wünschen, dass zukünftige Spiele das besser machen. Ich finde so etwas langweilig und teils mühsam zu spielen, da es anstrengt, sich so auf das Visuelle konzentrieren zu müssen. Das lenkt von den Kämpfen ab und ermüdet beim Erkunden der Welten. Schade. So werde ich diese eigentlich guten Spiele wohl nicht zu Ende bringen.