1 Jahr ohne Alkohol

Im Februar vergangenen Jahres machte ich mit Freund J. einen »Dry February«. Einen trockenen Jänner kann jeder machen, wir machten einen »Dry February«. Hat auch den Vorteil, dass der Monat etwas kürzer ist. Es war einfach nur aus einer Laune heraus, um den Trend einmal mitgemacht zu haben. Ich habe nie wirklich viel Alkohol getrunken, wenn ich unterwegs war, aber trotzdem genießt man das ein oder andere Bier und mal ein Glas Wein oder zwei. Alkohol ist in unseren Breitengraden eine äußerst anerkannte, akzeptierte und teilweise schon fast religiös fanatisch konsumierte Droge geworden. Ich hatte keine wirklichen Erwartungen an den einen Monat ohne, sondern wollte mich überraschen lassen.

Erst hatte ich fast schon erwartet, dass ich negative Auswirkungen spüren würde. Diese blieben allerdings zur Gänze aus. Aber wie zuvor erwähnt, habe ich dafür zu unregelmäßig und wenig getrunken. Stattdessen habe ich meine Sichtweise auf das Experiment geändert und mich gefragt, welche positiven Auswirkungen es hat. Mir fielen einige ein. Ich mag etwa das Gefühl nicht, das sich teilweise schon nach einem Bier oder beim zweiten Glas Wein einstellt. Man ist nicht alkoholisiert, merkt aber gewisse Auswirkungen. Gleiches gilt beim Schlaf. Man muss nicht viel Alkohol getrunken haben, um entsprechende Auswirkungen zu merken. Wenn ich am Wochenende also mal später ins Bett ging, nachdem man mal wieder in Salzburg unterwegs war, ich aber trotzdem am nächsten Tag früh aufstehen wollte, war ich zwar müde, aber sonstige negative Auswirkungen blieben aus.

Also habe ich für mich beschlossen, das Experiment weiterzuführen. Es gab zwar im März und April 2025 zwei oder drei Gelegenheiten, bei denen ich Alkohol getrunken habe, im Großen und Ganzen aber noch einmal deutlich reduzierter als vorher. Und dann habe ich mich entschieden, es vollkommen wegzulassen. Da ich den Tag des letzten Gläschens Wein nicht genau benennen kann, nehme ich den 1. Mai 2025 als Stichtag. Ich habe mich gefragt, ob es mir schwerfallen würde, gesellschaftlich gesehen. Manchmal muss man sich noch verteidigen, wenn man sagt, man trinkt keinen Alkohol. Doch das blieb eigentlich weitgehend aus. Etwas Sorgen machte mir dann noch der Winter mit seinen Weihnachtsmärkten und sonstigen Gelegenheiten, Alkohol zu konsumieren. Ich war jedoch äußerst positiv überrascht, wie weitverbreitet alkoholfreie Alternativen mittlerweile sind. Man bekommt an fast allen Ständen alkoholfreien Punsch und sonstige leckere Heißgetränke.

Nachdem also die Weihnachtszeit erfolgreich überstanden war und sich 2025 dem Ende zuneigte, war mein Ziel, 1 Jahr vollzumachen. Das habe ich jetzt auch geschafft. Das ursprünglich für einen Monat angesetzte Experiment hat sich im Grunde zu einer Lebenseinstellung entwickelt. Es macht Spaß, immer wieder alkoholfreie Alternativen zu testen und sich durchzuprobieren. Fehlt mir der Alkohol? Manchmal. Aber die Situationen, in denen das im vergangenen Jahr der Fall war, kann ich an einer Hand abzählen. Ich sehe das eher als Bestärkung, weiterzumachen.

Dan Meyers | Unsplash