Es erstaunt mich manchmal immer noch, welch ein Aufwand betrieben wird, nur um etwas gut vermarkten zu können. Bei uns in der Nähe wird ein Energiespeicher gebaut. Der Spatenstich dazu war vor ein paar Tagen und da es sich um einen der größeren Energiespeicher Österreichs handelt, musste es natürlich medientechnisch ausgeschlachtet werden. Das hieß, es kamen vorab Journalist*innen vorbei, Personen aus der Politik und der Firma, die dort baut. Jetzt denkt man sich natürlich, dass sich die paar Leute auf die entsprechende Wiese stellen, Spaten in die Hand nehmen und ein paar Fotos gemacht werden. Soweit, so logisch, allerdings weit von der Realität entfernt.
Denn für die 30 Minuten, die der Auftritt gedauert hat – es kamen natürlich alle extra mit einem Auto, deshalb standen kurzzeitig an die 10 Autos an der Straße, wenn nicht mehr – wurde viel Aufwand betrieben. Am Vortag stand plötzlich ein Lkw an der Wiese und kippte eine Ladung Erde hin. Ein Bauarbeiter war damit beschäftigt, einen Bauzaun-Abschnitt aufzustellen und die Erde etwas besser zu verteilen. Am zweiten Tag kamen dann die ganzen wichtigen Leute, machten ihre tollen Fotos und waren auch gleich wieder weg. Am dritten Tag allerdings kam der Lkw erneut und holte die Erde wieder ab – die drei Bauzaun-Abschnitte waren dann auch wieder weg. Es fangen doch eh bald die Bauarbeiten an, wieso die Erde wiederholen? Ist die so viel wertvoller als die Arbeitszeit des armen Mannes, der extra herfahren muss und sie wieder abholen?
Wenn man sich die Interviews ansieht, wird die Wahrheit dazu auch etwas gedehnt, was die chronologische Reihenfolge anbelangt. Das ist allerdings normal, würde ich mir vorstellen. Man möchte gut dastehen. Allerdings gibt der ein oder andere Politiker auch an, von Anfang an involviert gewesen zu sein. Wenn man Einblicke in die Hintergründe hat, erkennt man: Hier möchte sich jemand profilieren. Da war absolut niemand von Anfang an beteiligt. Erst als es feststand, da kommt was, hat man sich eingemischt und wichtig gemacht. Zumindest ist das meine Sicht auf diese Dinge. Ich verstehe auch nicht, warum gerade jetzt solche Fotos und ein Medienzirkus veranstaltet werden. Es ist doch schon alles durch und genehmigt. Es besteht also kein Zeitdruck. Wenn doch eh bald die Arbeiten beginnen, kann ich mich doch auf die tatsächliche Baustelle stellen und dort Fotos machen. Das wirkt authentischer und echter.
