
»Everything X-Men« war der Titel meines Projektstudiums, welches ich während meines Medienwissenschaftsstudiums in Tübingen über die X-Men geschrieben habe. Dabei widmete ich mich nicht nur der Analyse von den Comics, sondern beschäftigte mich auch mit Themen, die in den Geschichten vorkamen. Die Texte habe ich damals auf Englisch verfasst, möchte sie heute aber auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung machte ich mit DeepL (inklusive der Zitate) und habe den Text anschließend redigiert.
Heute machen wir mit dem zweiten und letzten Teil des Textes zur „Mutant Metaphor“ weiter.
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Etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt
Was haben Frauen, die LGBTQ-Gemeinschaft sowie Schwarze und andere Minderheiten gemeinsam? Ihren fortwährenden Kampf für Gleichberechtigung. An einem bestimmten Punkt in der Geschichte gründeten sie eine Bürgerrechtsbewegung mit einer beträchtlichen Anzahl von Untergruppen. Sie kämpfen für ihre Rechte und sagen genau, was sie wollen.
Wie Darius in seinem Artikel „X-Men is not an allegory of racial tolerance“ schreibt, kämpfen die X-Men für nichts. Auch hier ist es vielleicht noch zu früh, um darüber zu sprechen, aber bis ich selbst mehr Informationen gesammelt habe (damit meine ich, dass ich noch ein paar Ausgaben gelesen habe), nehme ich Darius’ Meinung einfach mal hin. Er hat einen interessanten Punkt, wenn er sagt: „Sie fordern keine Repräsentation oder ein Ende der Diskriminierung. Sie fordern gar nichts.“ Bis jetzt habe ich sie nur in Filmen für ihre Rechte in der Politik oder ähnlichen Bereichen kämpfen sehen. Am deutlichsten im ersten Film. Aber bisher sagen die Comics nur, dass die Öffentlichkeit sie fürchtet, die X-Men aber trotzdem für die Menschheit als Ganzes kämpfen. Aber was tun sie, um diese Vorwürfe zu widerlegen?
Zugegeben, sie kämpfen für die Menschen und respektieren die Autoritäten, aber viele Mutanten scheinen böse zu sein. Und wie wir insbesondere in der ersten Version des Teams gesehen haben, ist die Mutantengemeinschaft größtenteils „zwischen ‚guten‘ und ‚bösen‘ Fraktionen“ gespalten (Darius, 2002). Tatsache ist jedoch, dass „Mutanten fast nie die Bürgerrechte von Mutanten unterstützen; selbst heute gibt es in den Comics keine nennenswerte friedliche Bewegung dieser Art“ (Darius, 2002). Was ist der Grund dafür? Wiederum Darius:
„Aber es ist schwierig, dies in einer Reihe von 20 Heften pro Monat umzusetzen, die dem Unternehmen massive Gewinne einbringen. Und die Fans von X-Men möchten wahrscheinlich lieber nicht sehen, wie Cyclops zwanzig Ausgaben lang im Gefängnis von Birmingham sitzt oder wie X-Men eher den Ton von Stuck Rubber Baby anschlägt als die einfachere Dichotomie zwischen ‚gut‘ und ‚böse‘, erzählt mit einer reichlichen Dosis Spandex-Fetischismus.“
Ein weiterer Teil dieser Diskussion wäre die Heilung des Mutantengens (wie es in späteren Ausgaben genannt wird) und die Verweise auf den Holocaust, speziell während der Handlung „Days of Future Past“. Aber das sind so große Themen, die ich in einem separaten Artikel ausführlich diskutieren möchte.
Vorerst behalten wir im Hinterkopf, dass das Thema der Mutanten alles bedeuten kann, was in unserer Gesellschaft nicht richtig ist, und jeden Grund symbolisieren, sich von ihr entfremdet zu fühlen. Oder wie Darowski es ausdrückt: „Rassismus, Sexismus oder Homophobie sind Formen von Vorurteilen, die Gruppen von Menschen ausgrenzen, aber es gibt viele Menschen, die sich von der Gesellschaft entfremdet fühlen, ohne Zielscheibe solcher Vorurteile zu sein“ (2011, S. 48). Ein weiteres gutes Zitat, über das man nachdenken sollte.
Jemand, der neu erfunden werden muss
Einer der besten Artikel, den ich über Chris Claremonts Arbeit an den X-Men gelesen habe, stammt von Andrew Wheeler. In seinem Text „How Chris Claremont reinvented the female Superhero“ (Wie Chris Claremont die weiblichen Superhelden neu erfunden hat) spricht er über Jubilee, Kitty Pryde, Psylocke, Rachel Grey, Rogue und Storm und sagt: „Was diese Figuren gemeinsam haben, ist kein Geheimnis: Sie wurden alle von Chris Claremont geschrieben, dem Mann, dessen Name gleichbedeutend ist mit starken weiblichen Figuren.“
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels habe ich gerade erst begonnen, die Chris-Claremont-Reihe zu lesen, aber schon jetzt fällt mir auf, dass er seine weiblichen Figuren anders behandelt. Ororo wird zum einen nicht mit lächerlichen Namen bezeichnet, und MacTaggart, die von Xavier als „Haushälterin“ eingestellt wurde, wird nicht objektiviert. OK, Banshee flirtet mit ihr. Aber er ist der Einzige und es wirkt wie eine echte Bemühung, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen und ihr Interesse zu wecken. Natürlich muss ich auch Jean erwähnen. In den letzten paar Ausgaben hin zu Nr. 103 (wo ich gerade bin) durfte sie viel mehr tun als in den Reihen von Kirby/Lee oder Thomas/Adams zusammen. Es ist unglaublich, zu sehen, wie sich die Figur unter der Leitung von Chris Claremont bereits entwickelt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie die oben genannten Figuren in den Comics eingeführt werden.
„Die X-Men wurden in der Blütezeit der Superteams ins Leben gerufen. Zwischen 1958 und 1964 brachten DC Comics und Marvel die Legion of Super-Heroes, die Justice League, die Fantastic Four, die Avengers, die Doom Patrol, die X-Men und die Teen Titans auf den Markt. Eine Gemeinsamkeit dieser Teams war, dass sie jeweils mit nur einer Frau im Kader debütierten. Selbst das war schon ein Fortschritt gegenüber Teams wie der ursprünglichen Justice Society of America und den Seven Soldiers of Victory, die gar keine Frauen hatten.“ (Wheeler, 2013)
Wichtig ist, dass Claremont Frauen in den Mittelpunkt verschiedener Geschichten stellt und „jede Frau eine andere Geschichte zu erzählen hatte und keine von ihnen anstelle einer anderen hätte stehen können“. (Wheeler, 2013).
Fazit
Mein Ziel für diesen Artikel war es, über die Mutanten-Metapher zu sprechen und darüber, wie tief die Bedeutung dieses Ausdrucks sein kann. Wir sprechen nicht nur über die LGBTQ-Community, die sich vielleicht am meisten mit den X-Men identifiziert (das ist nur ein Gefühl), sondern auch darüber, wie die Metapher für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Abschließend wollte ich einen kleinen Einblick in die Zukunft geben, indem ich kommende Charaktere erwähnte und darauf einging, was andere rückblickend über Chris Claremonts Arbeit denken. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft auf dieses Thema zurückkommen und über spezifischere Aspekte sprechen werden, wie ich oben erwähnt habe. Es lässt sich so viel mehr über die Mutant Metaphor sagen und jedes Subthema kann und hat Bücher gefüllt. Für eine erste Idee, was es mit der Mutant Metaphor auf sich hat und welche Bedeutungen sie annehmen kann, belassen wir es fürs Erste bei dieser kleinen Einführung.
Quellen
- sequart.org | Darius, J. (Sep 25 2002). X-Men is Not an allegory of racial tolerance.
- etd.lib.msu.edu | Darowski, J. (2011). Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative (Doctoral dissertation).
- salon.com | Dussere, E. (Jul 12 2000). The queer world of the X-Men.
- Sanderson, P. (1982). Interview with Chris Claremont. In Peter Sanderson (Ed.) X-Men Companion I. (pp. 89-122). Stamford: Fantagraphics Books, Inc.
- S journals.sagepub.com | hyminsky, N. (2011). “Gay” Sidekicks: Queer Anxiety and the Narrative Straightening of the Superhero. Men and Masculinities 14(3), 288-308.
- comicsalliance.com | Wheeler, A. (Feb 19 1013). How Chris Claremont reinvented the female Superhero [blog post].
