Everything X-Men | The Animated Series S01E01

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch diese Woche einen alten Text von mir an. Im dritten Jahr des Blogs veröffentliche ich meine alte Reihe »Everything X-Men«, die ich während meines Medienwissenschaftsstudiums geschrieben habe. Darin habe ich mich ausführlich mit den X-Men beschäftigt. Aber nicht nur die Comics haben eine Rolle gespielt, ich habe mir auch die TV-Serie aus den 90ern zum ersten Mal angesehen. Auch wenn ich nur die ersten fünf Folgen geschafft und besprochen habe. Irgendwann wurde das Projekt dann doch zu viel.

Jedenfalls sehen wir uns in den nächsten Wochen diese fünf Texte an. Wie immer gilt, dass ich die Texte ursprünglich auf Englisch geschrieben habe. Ich möchte sie allerdings hier auf Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich den Text mit DeepL initial übersetzt und schließlich noch redigiert.

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Staffel 1, Folge 1: Night of the Sentinels – Part I

Writer: Mark Edward Edens
Story Editor: Eric Lewald
Supervising Producer: Will Meugniot
Line Producer: Larry Houston
Erstausstrahlung: 31. Oktober 1992

Zusammenfassung (von IMDB): Eine junge Teenagerin lehnt ihre Mutantenkräfte ab, seitdem sie diese entdeckt hat. Doch als riesige Roboter sie aufspüren, liegt es an den X-Men, sie zu retten.

Eine Serie aus den 90ern wiederzusehen, ist in vielerlei Hinsicht sehr interessant: Zunächst einmal wird die Serie im 4:3-Format präsentiert. Allerdings bin ich mit diesem Format aufgewachsen, von daher muss ich mich nicht erst umgewöhnen. Zweitens gibt es keine HD-Version, also müssen wir sie so anschauen, wie sie damals war (vielleicht auch ein Pluspunkt). Drittens, der typische Animationsstil der 90er Jahre, der ein zweischneidiges Schwert sein kann: Einerseits sehen die Bilder gut aus, sind detailreich und haben Charme (und dazu kommt noch der Nostalgie-Bonus), andererseits können die Action-Sequenzen und das Verhalten der Figuren etwas edgy und abrupt wirken.

Die Geschichte beginnt mit Unruhen und Chaos auf den Straßen. Die Mutanten sind wütend, und es herrscht keine fröhliche Stimmung. Das bewerte ich positiv, denn wir werden direkt mitten ins Geschehen geworfen – keine Entstehungsgeschichte, keine Erklärung, nichts. Was passiert hier? Was ist los? Wo sind wir überhaupt? Warum herrscht Chaos? Berechtigte Fragen, und jede einzelne davon ist faszinierend und wird mit Sicherheit beantwortet.

Als Nächstes sehen wir die Eltern von Jubilee. Sie streiten sich über die aktuellen Ereignisse. Sie diskutieren, ob sie ihre Tochter bei der Mutant Control Agency registrieren lassen sollen. Aber ich schätze, es ist nur ein kleiner Schritt von der Registrierung, bis sie sie in eine Einrichtung bringen, wo sie „sicher“ ist. Im Kontext des Gesprächs kann man davon ausgehen, dass es sich nicht um eine Ausbildungseinrichtung handelt. Die Mutant Control Agency klingt wie eine Art Konversionstherapie für Mutanten. Später in der Folge bespricht Professor Xavier dieses Thema mit einigen seiner Schüler, und es stellt sich heraus, dass es sich um eine private Organisation handelt. Die Regierung hat offenbar nichts damit zu tun. Nun stellt sich die Frage: Warum sind sie so mächtig? Wer sind sie? Ich hoffe, wir erfahren später mehr.

Aus Angst vor ihren Eltern läuft Jubilee davon. Um Dampf abzulassen, spielt sie im Einkaufszentrum Videospiele. Dort wird sie mit einem Sentinel konfrontiert. Es ist der erste Bösewicht, den wir zu sehen bekommen – wenn man sie so nennen will. Der Sentinel ist groß und ungeschickt, zudem langsam, und er zerstört alles, was ihm im Weg steht. Dennoch lautet ihr Motto: „Dienen und beschützen.“ Er versucht, Jubilee aus ihrem Schlafzimmer zu holen, indem er die Wand zerstört und das Haus fast zum Einsturz bringt, aber wie wir wissen, ist sie bereits verschwunden. Obwohl von der Regierung finanziert, sind die Sentinels nicht gerade dienend und schützend, sondern eher zerstörerisch und bedrohlich.

Zurück im Einkaufszentrum erleben wir den ersten großen Kampf. Wieder zerstört der Sentinel fast die gesamte Decke des Einkaufszentrums, um an sein Ziel zu kommen. Glücklicherweise sind Storm und Rogue vor Ort und helfen Jubilee. Kurz darauf mischt sich Gambit in den Kampf ein. Interessanterweise ignoriert der Sentinel sie zunächst, da sie weder sein Ziel sind noch er sie erkennt. Warum ist das so? Vielleicht erfahren wir es später in der Staffel. Die drei X-Men können den Feind nicht besiegen, und Jubilee flieht vom Tatort und rennt zum Parkplatz draußen. Dort enthauptet Cyclops den riesigen Roboter mit einem einzigen Schuss seines Augenlasers.

Diese kurze Szene verdeutlicht dem Publikum zwei Dinge: Erstens – und das ist vielleicht das Wichtigste – dass Storm, Rogue und Gambit nicht stark genug sind, um gegen einen Sentinel zu kämpfen, oder dass ihnen die Strategie dazu fehlt. An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist – das hängt von ihrer Erfahrung ab und davon, wie lange sie schon zu den X-Men gehören. Zweitens etabliert sie Scott als starken Anführer. Er besiegte den Sentinel gelassen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Heldenhaft fängt er zudem die bewusstlose Jubilee auf (der Sentinel hatte sie mit seinem letzten Schlag getroffen).

Schnitt zur Villa: Jubilee wacht allein in einem fensterlosen Raum auf. Alles sieht sauber, ja sogar steril aus und ist mit so etwas wie Edelstahl verkleidet. Dieser Teil der X-Villa wirkt düster, rau und wie feindliches Terrain. Ihr Glück hält an, denn sie betritt – natürlich aus Versehen – den Danger Room, wo Gambit und Wolverine in einer Trainingseinheit gegeneinander kämpfen. Jubilee mischt sich ein, ohne die Umstände zu kennen. Kurz darauf sehen wir zum ersten Mal alle X-Men an einem Ort versammelt.

Diese Szene ist bedeutungsvoll, da sie die Dynamik zwischen den Mitgliedern der X-Men etabliert. Es herrscht eine gewisse Rivalität zwischen ihnen, hauptsächlich wegen Wolverine. Dennoch sind sie füreinander da. Eine Gemeinschaft, in der es sicher ist, ein X-Man oder eine X-Woman zu sein. Das folgende Gespräch zwischen Jubilee und Storm (auf dem Dach der Villa) verstärkt diesen Eindruck. Sie erklärt ihrer neuen Schülerin, was ein Mutant ist und warum die Gesellschaft sie hasst.

In diesem kurzen Gespräch werden zentrale Themen angesprochen. Sei es, dass andere das hassen, was sie nicht verstehen, dass sich Mutationen in der Pubertät manifestieren oder dass die X-Men ein sicherer Hafen für „die Begabten“ sind (auch wenn sie den Status eines Schülers längst hinter sich gelassen haben, wie Storm). Man muss bedenken, dass Jubilee noch jung ist und dies ihre erste Begegnung mit den X-Men war. Das vergessen wir vielleicht, wenn wir eine neue Geschichte über Charaktere sehen oder lesen, die all das erst lernen müssen, was wir als selbstverständlich erachten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Jubilee aus der Villa flieht. Sie möchte sicherstellen, dass auch ihre Eltern in Sicherheit sind. Kurz nachdem sie gegangen ist, wird sie von einem Sentinel gefangen genommen – dessen Schöpfer nicht weit entfernt ist.

In der Zwischenzeit wollen die X-Men das Hauptquartier der Mutant Control Agency infiltrieren. Diese Organisation hat eine Menge Informationen über Bürger*innen gesammelt und verfügt über eine lange Liste von Namen. Namen von Mutanten. Professor Xavier schickt seine X-Men los, um diese Akten zu beschaffen, doch als sie von Jubilees Abwesenheit erfahren, macht sich Wolverine auf die Suche nach ihr. Er scheint sie zu mögen und sich um sie zu sorgen. In Verbindung mit dem Gespräch, das sie zuvor mit Storm geführt hat, könnten diese beiden ihre mutierten Pflegeeltern sein. Leider verliert Wolverine ihre Spur und schließt sich den anderen an, indem er in die MCA-Einrichtung eindringt.

Die X-Men brechen ein, doch kurz bevor sie durch die Tür gehen, wird der Bildschirm schwarz. Um ehrlich zu sein, ist das ein sehr billiger Trick. Man öffnet nicht die Tür und beendet dann die Folge. Zeigt, was sich auf der anderen Seite befindet, und schneidet dann weg. Vertraut darauf, dass die Enthüllung spannend genug ist, um uns am Bildschirm zu halten. Wenn ihr jemals etwas darüber gelesen habt, wie man eine Geschichte schreibt (wie den brillanten Podcast „Writing Excuses“), wisst ihr, dass man zeigen sollte, was sich hinter der Tür verbirgt. Sehr enttäuschend.

Dennoch war die erste Folge von „X-Men: The Animated Series“ besser, als ich erwartet hatte. Jubilee als unsere Protagonistin und Stellvertreterin in der Welt der X-Men ist eine ausgezeichnete Wahl. Sie ist sympathisch und scheint eine gute Einstellung zu haben. Was die Charaktere angeht, gab es eine Überraschung: Morph. Ich kannte diesen Mutanten bisher nicht. Was seine Kräfte angeht, ist er Mystique sehr ähnlich. Ich hoffe, wir sehen ihn öfter und finden heraus, wer er ist und woher er kommt. Außerdem: Nächstes Mal müssen wir über Professor Xaviers Rollstuhl sprechen. Er ist ausgefallen und sehr anders als alles, was wir bisher gesehen haben.