Vergangenes Wochenende fanden die Sprechenden Häuser ausnahmsweise an einem Freitag statt. Normalerweise gibt es diese tollen Veranstaltungen immer am dritten Samstag im Monat, doch dieses Mal mussten sie etwas vorgezogen werden. Das hat Freund J. und mich allerdings nicht davon abgehalten, uns trotzdem anzumelden. Immerhin ging es in die erzbischöflichen Archive am Kapitelplatz. In dem Gebäude waren wir noch nie und natürlich wollten wir herausfinden, was sich hinter der Pforte verbirgt. Leider ging es nicht bis ins Vorzimmer des Erzbischofs, aber immerhin bekamen wir einen guten Rundumblick. Wenn auch mit ein paar Startschwierigkeiten.
Dieses Mal war es so, dass die Sprechenden Häuser keine zusätzliche Werbung geschaltet hatten. Weder in den SN noch per Flyer. Es wurde nur der Newsletter ausgeschickt. Außerdem musste man sich vorab anmelden und diese Anmeldung wurde dann bestätigt. Freund J. und ich hatten diese Bestätigung erhalten. Wenige Minuten vor Beginn der Veranstaltung fanden wir uns also am Kapitelplatz ein, wo bereits reges Treiben herrschte. Eigentlich sollten sich dort „nur“ 130 Menschen befinden, aber es waren sicherlich mehr. Das Problem war, dass Leute ohne Bestätigung auftauchten, aber behaupteten, sie hätten eine. Andere kauften sich einfach noch eine Karte. Es war Chaos. Wir erhielten zum Glück unsere Karten und konnten mitgehen. Die Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit mancher Menschen endete damit allerdings leider nicht.
Wie es bei den Sprechenden Häusern üblich ist, teilt man sich in fünf Gruppen auf und besucht im Laufe der nächsten gut zweieinhalb Stunden die einzelnen Stationen. Wir waren in der gelben Gruppe. Die rote Gruppe wurde als erste ins Gebäude gebeten. Es standen ungefähr 200 Leute vor der Tür. Wir selbst standen etwa fünf bis zehn Meter davon entfernt. Da sprach mich eine ältere Frau von hinten an und fragte, ob ich in der roten Gruppe sei. Das verneinte ich. Daraufhin keifte sie mich an, ich solle doch gefälligst aus dem Weg gehen. Dabei hatte sich kaum etwas bewegt. Die Gruppen waren gerade erst dabei, ihre ersten Stationen mitgeteilt zu bekommen. Mir ist bewusst, dass Zeit nicht unbedingt auf der Seite dieser Frau war, aber das ist kein Grund, unhöflich zu werden. Diese Dreistigkeit setzte sich leider bei manchen über die gesamte Veranstaltung fort. Viele schimpfen immer über das Benehmen von Kindern, aber die wissen es wenigstens nicht besser. Mit über 300 Jahren Lebenserfahrung sollte das durchaus der Fall sein.
Eine Station führte uns etwa zu einer Archivarin, die ein paar kostbare Exemplare vorstellte. Ein Taufverzeichnis mit Mozart darin. Ein Pergamentbuch und noch ein paar andere interessante Bücher. Zugegeben, wir waren eine große Gruppe, aber wenn man einmal in Ruhe eine Runde durch den Raum dreht, kann jeder einen Blick auf die Stücke werfen. Stattdessen wird gedrängelt und sich Platz verschafft. Nicht nur einmal musste die Archivarin darauf hinweisen, dass man die Exemplare bitte nicht berühren und etwas Abstand halten sollte. Wie die Geier stürzten sich manche auf die Stücke und wollten sie als Erste sehen. Immer wieder erstaunlich, was so eine Veranstaltung aus Menschen hervorbringt.
Im Großen und Ganzen war es allerdings ein netter und informativer Nachmittag. Man erfuhr etwas über die Geschichte des Kapitelplatzes, den Sinn der Gebäude rundherum und erhielt einen kleinen Einblick in die Archive. Es war ganz und gar nicht das, was ich erwartet hatte, aber genau das machte es umso spannender. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie es die Sprechenden Häuser trotz ihrer mittlerweile langjährigen Erfahrung schaffen, chaotisch und doch organisiert zu wirken. Manche bereiten sich gefühlt auf einen stundenlangen Vortrag vor, wohl wissend, dass sie nur 20 bis 30 Minuten haben. Es ist ein quirliges, einzigartiges Team, und sie begeistern mich immer wieder. Mittlerweile haben sie auch eine gewisse Reputation und erhalten Zugang zu Dingen, die man sonst vielleicht nicht sehen würde.
Außerdem sind bei den Führungen immer wieder dieselben Leute dabei. Diese sollten mittlerweile wissen, wie es abläuft. Und wenn man es nicht weiß, lässt man sich am besten einfach überraschen, bleibt geduldig und tut, was die Guides einem sagen. So schwer kann das wirklich nicht sein. Immerhin zahlt man nur 15 € für gut zweieinhalb Stunden Veranstaltung. Das ist wirklich nicht viel, für das, was man geboten bekommt.
Mit den Sprechenden Häusern waren wir unter anderem bereits in der Schwarzenbergkaserne und dem Schloss Leopoldskron.



