Dieses Jahr widmete die Philharmonie Salzburg Michael Jackson ein Tributkonzert. Vor zwei Jahren war es Queen, letztes Jahr die Beatles und vergangenes Wochenende kam der King of Pop an die Reihe. Ich war und bin durchaus immer noch großer Fan und dadurch, dass ich die bisherigen Produktionen von Dirigentin Elisabeth Fuchs kenne, war meine Erwartungshaltung unfassbar hoch. Würden sie und ihr Team ein weiteres Mal überzeugen können?
Kurz: Ja. Sie haben überzeugt. Vom ersten Ton an wusste man: Man ist in guten Händen. Ein komplettes Orchester, ein über zweihundertstimmiger Chor, zwei Sänger (Jamaal Fields-Green und Benét Monteiro) sowie The Tellers Dance Company London haben für 110 Minuten pure Unterhaltung gesorgt. Ich habe schon Cirque du Soleils Interpretation von Michael Jackson gesehen, das Musical »Thriller Live« ebenso diverse Male, aber auf diese Weise habe ich die Songs des King of Pop noch nie gehört. Wenn über 200 Stimmen »They Don’t Care About Us« oder »Heal the World« singen, bekommen diese Songs eine völlig andere Wucht.
Von der Zusammensetzung der Songs über die Beleuchtung hin zu den choreografischen Einlagen der Tänzer hat alles gestimmt. Manche Songs wurden rein vom Chor gesungen, andere waren eine Mischung aus den beiden Sängern und dem Chor. Sie haben sich immer wunderbar ergänzt. Die Lichtstimmung war für jeden Song on point. Ganze Szenen sind entstanden, mit eigentlich einfachen Mitteln: Scheinwerfer, Tänzer und die Garderobe der Sänger erweckten immer wieder Erinnerungen an die Vorlage. Für »The Way You Make Me Feel« hat sich der Sänger sogar eine Geigerin geschnappt, die ihre Rolle wunderbar gespielt hat. Zuerst das Ablehnende und Zögernde, genau wie man es aus dem Musikvideo kennt. Chef’s kiss.
Die einzige Kritik, die ich habe, ist, dass der Sprecher von »Thriller« unterging. Die ikonische Originalstimme haben sie leider nicht dem Song entnommen, sondern sie wurde von jemandem live eingesprochen. Die Stimmlage hat an sich gepasst, aber zum einen war das Mikrofon viel zu leise eingestellt. Den Regler darf man gerne etwas weiter nach oben drehen. Die Stimme muss das komplette Orchester übertönen und den Raum erfüllen. Zum anderen war die Betonung nicht immer passend und teils etwas zu schnell gesprochen. Hier hätte es sicher geholfen, die Stimme vorher aufzunehmen und entsprechend abzuspielen. Aber das ist auch schon die einzige Kritik, die ich an der gesamten Veranstaltung finden konnte.
Vor etwa drei Wochen habe ich mir mit Freund J. an gleicher Stelle das katastrophale Musical/Orchester zu »König der Löwen« angeschaut. Dass so etwas auf derselben Bühne spielen darf wie das Michael Jackson Tribut von Elisabeth Fuchs, ist eigentlich eine Frechheit. Die beiden Produktionen sind nicht nur Welten voneinander entfernt, sie spielen nicht einmal im selben Universum. Allein die Präsenz der Dirigentin Elisabeth Fuchs. Zu jedem Zeitpunkt hat man das Gefühl, sie hat alle unter Kontrolle, weil es eben auch so ist. Sie dirigiert hier über 300 Leute, weiß genau, wer was wie zu machen hat, und das spürt man. Es ist jedes Jahr eine helle Freude, diese Konzerte anzuhören. Dass sie dieses Jahr Michael Jackson gemacht haben, hat mich mit unfassbarer Freude erfüllt. Einfach atemberaubend.
