Everything X-Men | A broken back

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»Everything X-Men« ist eine Reihe, deren Ursprung in meinem Medienwissenschaftsstudium liegt. Dabei schaue ich auf Comics und Figuren rund um die X-Men und darauf, warum diese Mutant*innen bis heute so gut als Projektionsfläche für gesellschaftliche Themen funktionieren.

Die letzten beiden Texte haben sich damit auseinandergesetzt, welche weiteren Themen ich mir im Rahmen meines »Everything X-Men«-Projektes ansehen wollte. Das hier wird der dritte und letzte Teil dieser losen Reihe. Was die Comics an sich anbelangt, hätte ich mich weiterhin um Chris Claremont gekümmert und mich auf seine Comics konzentriert. Immerhin waren mit Legion, Inhumans vs. X-Men, X-Men Blue und so weiter genug Abschweifungen dabei, um sich nun wieder auf die ursprünglichen Ziele von »Everything X-Men« zu konzentrieren.

Nach der Frage der Identität, mit Fokus auf Sexualität und alles, was damit zusammenhängt, und ein paar Ausflügen in die philosophischen Aspekte der X-Men wäre ein dritter Fokus die Darstellung weiblicher Figuren gewesen.

Dabei gibt es einen Begriff, den man nicht unerwähnt lassen darf: „Women in Refrigerators“. Dieser Begriff wurde 1999 von Gail Simone geprägt und beschreibt ein wiederkehrendes Muster in Comics: Weibliche Figuren werden verletzt, getötet, missbraucht, entmachtet oder anderweitig traumatisiert, damit vor allem männliche Helden daraus Motivation, Schmerz oder Charakterentwicklung ziehen können. Der Name geht auf eine Green-Lantern-Geschichte zurück, in der Alexandra DeWitt, die Freundin von Kyle Rayner, ermordet und in einem Kühlschrank gefunden wird. Kritisiert wird daran nicht jede tragische Geschichte über weibliche Figuren, sondern die Häufung solcher Fälle und ihre erzählerische Funktion: Frauen werden dabei oft weniger als eigenständige Figuren behandelt, sondern vor allem als Auslöser für die Entwicklung anderer.

Allein über diesen Begriff, seine Herkunft und diverse Beispiele hätte man mindestens einen Text machen können. Manche Autorinnen haben ganze Bücher mit ähnlichen Themen gefüllt. Ein paar davon habe ich im Regal stehen. Aber natürlich kann man noch mehr Aspekte heranziehen. Hier ein Einblick in meine Notizen zu dem Thema:

  • Der „richtige“ Umgang mit weiblichen Figuren in Geschichten.
  • Handlungsstränge, die den männlichen, weißen, heterosexuellen Helden voranbringen und ins Zentrum stellen, während andere Figuren als simple Plotpoints missbraucht werden. Manchmal buchstäblich.
  • Gail Simone und ihre Bibliografie: Wonder Woman, Batgirl, Birds of Prey. Abgesehen davon hat sie auch an vielen anderen Titeln gearbeitet, darunter Action Comics, Secret Six, Legends of Red Sonja, JLA und The All-New Atom.
  • Simone erstellte 1999 die Website „Women in Refrigerators“, um auf dieses Muster in Comics aufmerksam zu machen.
  • Es geht nicht primär darum, jemandem persönlich die Schuld zu geben, sondern darauf hinzuweisen, wenn Figuren erzählerisch schlecht behandelt werden und was dies mit Menschen macht, die sich eigentlich mit Geschichten identifizieren wollen.
  • Die ursprüngliche Liste erschien auf der Website „Women in Refrigerators“ und wurde dort später ergänzt. Zusätzlich könnte man Diskussionen auf ComicVine und anderen Comicseiten heranziehen, um zu sehen, wie unterschiedlich der Begriff aufgenommen wurde.
  • Der „Sexy-Lamp-Test“, geprägt von Kelly Sue DeConnick, fragt danach, ob eine weibliche Figur für die Handlung wirklich relevant ist. Der Test gilt als nicht bestanden, wenn man sie durch eine „sexy“ Lampe ersetzen könnte und die Geschichte trotzdem im Wesentlichen funktionieren würde.
  • Begriffe nachschlagen, definieren und besprechen: broken back, nuclear patriarchal structure, virgin-whore archetype, hourglass figure, blaxploitation, smurfette principle.

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