Die Illusion von Produktivität

Teams, Zoom und wie sie nicht alle heißen, sind toll. Man kann sich privat mit Freunden austauschen und in Kontakt bleiben, auch wenn sie Hunderte Kilometer entfernt wohnen. Im Arbeitskontext sind sie ebenfalls praktisch. Man kann sich mit Kolleg*innen kurz zusammenschließen, Fragen klären und Besprechungen abhalten, die sonst so nicht möglich wären. Besonders dann, wenn an verschiedenen Standorten gearbeitet wird und die Hälfte im Homeoffice sitzt.

Teams, Zoom und der Rest sind allerdings auch direkt der Hölle entsprungen. Denn alles, was sie toll macht, nutzen manche exorbitant aus. Die Einfachheit, von überall aus und mit allen Besprechungen abhalten zu können, führt zu einer regelrechten Flut an Terminen und Informationen. Wenn man dann noch „agiles Produktmanagement“ über diese Konzepte schreibt, verlieren sowieso die meisten vollkommen den Verstand. Es gibt beispielsweise das Konzept der „Sprints“. Das kenne ich aus verschiedenen Unternehmen. Vorwiegend sind es Arbeitsblöcke von zwei Wochen, in denen bestimmte Aufgaben erledigt werden. Das ist für manche Aufgabengebiete toll, aber nicht überall umsetzbar. Trotzdem wird es ausgerollt und als die beste Erfindung seit geschnittenem Brot verkauft.

Stundenlange Abstimmungen, Reviews und Planungen. Kein Wunder, dass wir nichts mehr auf die Reihe bekommen und links und rechts überholt werden. Besprechungskultur sollte neu gedacht werden. Kürzer, seltener und prägnanter. Wenn dann noch eine Agenda vorhanden ist, alle vorbereitet sind und nur die notwendigen Personen zum notwendigen Zeitpunkt teilnehmen, könnte man so etwas wie Produktivität an den Tag legen. Statt immer wieder denselben Punkt im Kreis zu diskutieren, weil niemand Verantwortung übernehmen will. Aber das ist eine andere Diskussion.