Professionelles Verhalten

Eine Szene aus »Star Trek – The Next Generation« hat sich bei mir besonders ins Gedächtnis gebrannt. Nicht, weil sie besonders spektakulär wäre. Keine große Action, keine dramatische Wendung, kein eindringlicher Monolog von Captain Picard. Es sind nur zwei Fragen, die seitdem bei mir hängen geblieben sind.

Im Zentrum steht professionelles Verhalten. Also die Frage, wie man zusammenarbeitet, auch wenn persönliche Differenzen im Raum stehen. Ich habe das Gefühl, dass persönliche Befindlichkeiten im beruflichen Kontext oft eine zu große Rolle spielen. Natürlich sind wir alle Menschen. Wir machen Fehler, haben schlechte Tage, sind genervt oder überfordert. Aber auf eine persönliche Ebene zu gehen, zu schreien, zu beleidigen oder andere Menschen schlecht zu behandeln, sollte keinen Platz haben. Im Beruf nicht und eigentlich auch sonst nirgends.

Die Szene spielt sich auf der Brücke der Enterprise ab. Eine Ex von Worf ist an Bord und soll die Crew unterstützen. Picard bittet Worf, sich ihrer anzunehmen, mit ihr zusammenzuarbeiten und eben das zu tun, was man als Offizier der Enterprise macht, wenn man sich um Gäste kümmert. Worf zögert und bittet schließlich darum, dieses Assignment nicht übernehmen zu müssen. Es entspinnt sich folgender Dialog:

Worf: „Sir, I suggest Commander Riker or Data would better serve Special Emissary K’Ehleyr.“
Picard: „Are there any personal reasons that you don’t want the assignment?“
Worf: „Yes.“
Picard: „Any professional reasons?“
Worf: „No … I withdraw my request, Captain.“
Picard: „Good.“

Es sind nur wenige Zeilen Dialog, aber sie bringen etwas auf den Punkt, das ich essenziell finde. Man muss nicht alle Menschen mögen, mit denen man zusammenarbeitet. Das wäre auch eine ziemlich absurde Erwartung. Man muss nicht befreundet sein, nicht dieselben Interessen teilen und auch nicht jede Eigenheit sympathisch finden. Aber wenn keine professionellen Gründe gegen eine Zusammenarbeit sprechen, sollte man in der Lage sein, sich entsprechend zu verhalten.

Das klingt banal, ist es im Alltag aber nicht immer. Persönliche Abneigung, verletzter Stolz oder das Gefühl, übergangen worden zu sein, stehen viel zu oft zwischen Menschen und der eigentlichen Aufgabe. Dabei wäre gerade im beruflichen Kontext eine gewisse Trennung hilfreich: Was stört mich persönlich? Und was spricht tatsächlich sachlich oder professionell gegen eine Zusammenarbeit?

Diese Unterscheidung lässt sich auch auf größere Diskussionen übertragen. Nicht jedes Unbehagen ist automatisch ein Argument. Nicht jede Kränkung ersetzt eine Analyse. Gefühle sind wichtig und sie haben ihren Platz, aber sie beantworten nicht jede Frage. Manchmal müsste man sich nüchtern ansehen, was vorliegt, welche Fakten relevant sind und welche Entscheidung daraus folgt.

Vielleicht ist das der Grund, warum mir diese unscheinbare Szene so im Gedächtnis geblieben ist. Picard hält keine Rede über Moral, Verantwortung oder Disziplin. Er stellt nur zwei Fragen. Gibt es persönliche Gründe? Gibt es professionelle Gründe? Und Worf versteht sofort, was das bedeutet. Mehr müsste es manchmal gar nicht sein.