Die Illusion von Struktur und Ordnung

Eigentlich wollte ich nur kurz ChatGPT etwas bezüglich einer Textreihe fragen, die ich angefangen habe. Ich verwende die KI gerne als Stichwortgeber, da es mir hilft, Ideen auszuarbeiten. Jedenfalls ist es ein größeres Projekt und erfordert eventuell neue Kategorien im Blog, vielleicht auch so etwas wie eine Tag-Struktur. Tags sind Stichworte oder Schlüsselbegriffe, die man Texten zuweisen kann. Wenn man auf einen Tag klickt, bekommt man weitere Texte angezeigt, denen dieser Tag zugewiesen wurde. Die meisten meiner Tags sind offensichtlich. Besonders wenn ich Filme, Bücher oder Spiele bespreche, sind es deren Titel, Schauspieler und so weiter. Bei anderen Texten ist es vielleicht schon schwieriger. Es stellt sich die Frage: Wie fein soll man die Tags wirklich setzen?

Stellt sich heraus: Gar nicht mal so fein. Denn ich habe es wirklich übertrieben, und wenn man darüber nachdenkt, ist es auch logisch. Wenn ich über eine Festplatte oder die Ordnung darauf schreibe, dann brauche ich keinen Tag „2 TB“. Denn niemand denkt sich nach so einem Text: „Ui, gibt es vielleicht noch mehr Texte mit dem Thema ‚2 TB‘? Da klicke ich drauf.“ So haben sich in drei Jahren über 2000 Tags in meinem WordPress-Backend zusammengefunden und könnten eine kleine Stadt gründen, die gegen ihre eigene Existenz rebelliert. Vor allem, weil manche doppelt sind und sich nur durch Ein- und Mehrzahl unterscheiden oder Schreibfehler enthalten. So folgte aus einer unschuldigen Frage eine über einstündige erste Sortierung meiner Tags. Auch hier ist KI sehr hilfreich, da man einfach eine Liste aller Tags reinkippen kann und erste Anhaltspunkte bekommt, was zu viel ist und was bleiben kann. Es sind aber immer noch 1800+ Tags. Allerdings mit etwas mehr Sinn und einer Idee, wie es weitergehen soll.

Ob man das nun Struktur nennen kann, weiß ich nicht. War es über eine Stunde Arbeit wert, sie zu bereinigen? Vielleicht. Werde ich mir die exportierte Liste je wieder ansehen? Wahrscheinlich nicht, aber sie ist da. Genauso wie ich über sechs Jahre aufgezeichnet habe, welche Comics ich gelesen habe, manchmal dazugeschrieben habe, was ich davon hielt und maximal einmal im Jahr darin suche, um zu sehen, ob ich Comic X wirklich gelesen hatte oder nicht. War es der Aufwand wert? Durchaus, denn ich nutzte es als Basis für viele Texte. Ich weiß auch nicht, ob die App Dex mir wirklich dabei hilft, Struktur in meine Pokémon-Sammlung zu bringen. Natürlich weiß ich dadurch sofort, was ich habe, und wenn ich bestimmte Künstler*innen sammeln möchte, habe ich eine schöne Übersicht, welche Karten mir noch fehlen. Ist das vier Euro pro Monat wert? Immerhin hilft sie mir aktuell noch dabei, meine Sammelziele zu erreichen, von daher ist sie es wahrscheinlich schon wert.

Und solange die Pflege dieser Listen, Systeme und Apps nicht zu einem eigenen Hobby (man könnte es vielleicht auch Zwang nennen) wird, ist noch alles in Ordnung. Sobald man anfängt, Expertinnen wie Marie Kondo zu engagieren, die Ordnung in der eigenen Wohnung schaffen und einem erklären, was man behalten darf und was nicht, hat man ohnehin ganz andere Probleme. Vielleicht hat sie aber auch nicht so unrecht mit der Frage, ob uns Ding X noch Freude bereitet. Wenn nicht: Warum behalte ich es noch oder pflege diese Liste? Nur damit es aufgezeichnet ist oder weil es einen tieferen Wert hat?