
Der Titledrop ist ein gut gemachtes Gimmick. Die Cold Opens enden stets damit, dass jemand kurz davor ist, das Wort »Invincible« auszusprechen. Stattdessen wird der Titel eingeblendet. Außerdem finde ich es schön zu sehen, dass neben Robert Kirkman auch die beiden Künstler Ryan Ottley und Cory Walker genannt werden. Nicht alle wissen die Künstlerinnen und Künstler hinter den Vorlagen zu schätzen. Wenn man sich beispielsweise die Abspänne der Marvel-Filme ansieht, werden am Ende immer die Kreativen der Comics genannt. Diese Liste ist meist sehr kurz. Dabei wäre es kaum mit Aufwand verbunden, alle dort zu nennen. Vielleicht sogar etwas weiter oben, statt ganz am Ende, gewissermaßen als Nachgedanke. Immerhin haben wir diesen kreativen Menschen die Figuren und Geschichten zu verdanken, ohne die es die Filme nicht geben könnte. Ein wenig mehr Respekt wäre angebracht. Deshalb freut es mich umso mehr, dass »Invincible« beide Künstler nennt.
Ebenfalls positiv hervorheben möchte ich das Design der Stadt. Es erinnert mich an die alten Cartoons aus meiner Kindheit, etwa »Spider-Man: The Animated Series«. Dort war die Stadt ebenfalls sehr dreidimensional und »realistischer« dargestellt, wenn man es so bezeichnen kann. Das ist auch bei »Invincible« der Fall, nur dass der Kontrast zwischen den Animationen und der Darstellung der Stadt nicht so dramatisch ausfällt. Es hat sich doch ein bisschen was getan, seit den 90er-Jahren. Besonders bei den wiederholten Invasionen der Flaxans in der zweiten Folge ist mir das positiv aufgefallen. Die Stadt wirkt lebendig, greifbar und nicht nur wie ein hingeworfenes Design.
Der dritte große Punkt, den ich ebenfalls endlich einmal ansprechen wollte, sind die Voice Actors. Es ist erstaunlich, welche großartigen Schauspielerinnen und Schauspieler für diese Serie engagiert wurden. Sei es Steven Yeun als Mark, J.K. Simmons als Nolan, Sandra Oh als Debbie, Gillian Jacobs als Eve, Zazie Beetz als Amber, Andrew Rannells als William, Walton Goggins als Cecil, Chris Diamantopoulos als Donald, Zachary Quinto als Robot, Melise Jow als Dupli-Kate oder Jason Mantzoukas als Rex. Wobei ich bei Rex stets Pimento aus »Brooklyn Nine-Nine« vor meinem geistigen Auge sehe. Die Stimme ist einfach sehr markant.
Alle machen allerdings einen hervorragenden Job bei der Verkörperung ihrer Charaktere. Die Emotionen, die Gewichtung der Dialoge, der Tonfall – es passt einfach alles zusammen und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei deutschen Synchronisationen der Hype um Personen eine größere Rolle spielt als das Talent der Sprecherinnen und Sprecher. Hier versammelt sich im englischen Original allerdings eine Crème de la Crème, die es in sich hat. Sie sind nicht nur gute Schauspielerinnen und Schauspieler, sondern exzellente Voice Actors. Es kommt mir so vor, als würden Voice Actors gelegentlich nicht ernst genommen oder ihre Talente unterschätzt werden. Aber gute Sprecherinnen und Sprecher sind keine Selbstverständlichkeit und ebenfalls als Schauspieler*innen zu würdigen.
Nachdem die ersten beiden Folgen sehr viel Worldbuilding betrieben und uns zahlreiche Charaktere vorgestellt haben, geht es in der dritten Folge stärker um die Nachbeben. Es finden Tryouts für die neuen Guardians of the Globe statt. Wir lernen dabei nicht nur Black Samson kennen, sondern auch Monster Girl. Ein cooler, tragischer Charakter, bei dem bereits erste Anzeichen dafür gestreut werden, dass sie mehr mit Robot gemeinsam hat, als sie selbst ahnt. Auch die Schlussszene mit dem Ausbruch der Mauler Twins zeigt uns eine überraschende Seite von Robot. Allerdings hat er einen guten Grund, ihnen zu helfen. Immerhin verfügen sie über ein Talent, das man nicht unterschätzen darf und das Robot braucht. Aber ich will nicht zu viel verraten.
Ansonsten hat Mark sein erstes Date mit Amber, das holprig beginnt, sich aber doch noch positiv entwickelt. Eve trennt sich von Rex, nachdem dieser sie mit Dupli-Kate betrügt. Doc Seismic treibt am Mount Rushmore sein Unwesen und es werden weitere Zweifel an Nolans Charakter gestreut. Und die GDA friert einen Kaiju ein. Das wird sicherlich nie wieder wichtig.
Es hat mir bereits im Comic sehr gefallen, wie Kirkman immer wieder Hinweise und Andeutungen streut, die zunächst unwichtig erscheinen, im späteren Verlauf jedoch noch entscheidend werden. Die Serie steht dem in nichts nach.
