
Wir starten erneut mit einer der Wachen, die bereits die erste Folge eingeläutet haben. Nur macht er dieses Mal tatsächlich Urlaub mit seinem Sohn. Es scheint eine schwierige Beziehung zu sein, denn als sie von Burgern bedroht werden, nennt dieser ihn tatsächlich »Dad«. Das scheint nicht oft vorzukommen, denn am Ende liegen sie sich in den Armen. Ein schöner Moment.
Schwenk zum Hauptquartier der Guardians of the Globe, wo alle ermordet am Boden liegen. Alle? Nein, nicht ganz. The Immortal hat noch einen Hauch Leben in sich, was schön angeteasert wird, und natürlich lebt auch Nolan noch.
Wir sind erst in der zweiten Folge und es werden bereits diverse Teams, Themen und Charaktere eingeführt, die im Laufe der Geschichte zu zentralen oder zumindest wiederkehrenden Aspekten werden. Ganz oben steht natürlich die GDA – die Global Defense Agency. Angeführt wird sie vom charmanten Cecil mit seinem Assistenten Donald. Zu Hilfe bei dem Fall rund um die Guardians kommt ihnen der Dämonendetektiv Damien Darkblood – Parallelen zu Hellboy sind selbstredend nur zufällig. Ich fand es schon im Comic beeindruckend, wie viele Anspielungen Kirkman teilweise unterbringt. Wenn etwas allerdings häufiger vorkommt, findet er einen Spin und macht die Charaktere zu seinen eigenen. Er versteckt aber auch nicht, wer als Inspiration gedient hat. Nicht immer eine leichte Balance, aber meistens gelingt sie ihm gut.
Dann haben wir natürlich das Teen Team mit Robot, Rex Splode, Atom Eve und Dupli-Kate. Die Eckpfeiler der Charaktere werden schnell in den Boden gerammt und sie entsprechen klar ihren Vorbildern aus dem Comic. Ich hoffe nur, dass Rex ein wenig aktualisiert wird oder zumindest etwas schneller seine Entwicklung durchmachen darf. Ich bin mir offen gestanden nicht mehr sicher, was sein Schicksal ist, aber nur selten dürfen Enden in »Invincible« gut ausgehen.
Die Invasion der Flaxans bietet eine schöne Eskalationskurve. Erst kommen sie mit der Atmosphäre beziehungsweise den Eigenschaften unserer Dimension nicht zurecht, dann passen sie sich etwas an, bis sie schließlich zu einer ernsthaften Bedrohung werden.
Parallel dazu sehen wir Marks Entwicklung. Zuerst ist er vollkommen überfordert. Ein Aspekt, der mir bei Originstorys manchmal etwas zu kurz kommt. Er ist ein Teenager mit Superkräften. Natürlich kann er an seinem zweiten Tag nicht gleich eine Invasion aufhalten, damit zurechtkommen, mit Blut bespritzt zu werden, und akzeptieren, dass Menschen bei Invasionen nun einmal sterben. Übrigens auch eine realistischere Darstellung als in vielen Superheldenfilmen von Marvel oder DC, in denen es kaum zivile Opfer gibt. Nehmen wir nur einmal den finalen Schlagabtausch in »Man of Steel«. »Invincible« gibt sich hier etwas mehr Mühe.
Und schließlich lernen wir noch Allen the Alien kennen, der für die Coalition of Planets arbeitet. Eigentlich sollte er die Beschützer von Urath testen und prüfen, ob sie dafür geeignet sind, aber seit Jahren fliegt er aus Versehen zur Erde. Auch das fand ich eine schöne Szene, die mir bereits im Comic gefiel: Mark redet mit Allen, anstatt dass sie sich minutenlang prügeln.
Nolan ist fast die gesamte Folge über außer Gefecht und erholt sich vom Kampf gegen die Guardians – oder gegen den unbekannten Angreifer, wie er es Cecil zu verkaufen versucht. Dieser ist äußerst skeptisch. Mir gefällt der Charakter von Cecil ausgesprochen gut. Er ist cleverer, als man ihm zunächst zutraut, beamt sich regelmäßig hin und her, obwohl es Millionen kostet, und überhaupt kümmert es ihn wenig, was andere von ihm denken. Damit dürfte er einer der wenigen Menschen sein, die Nolan tatsächlich gefährlich werden können, ohne ihm körperlich auch nur annähernd gewachsen zu sein.
