Eigentlich sollte ich an einem Donnerstag von Lindau zurück nach Hause fahren. Ich hatte aber für mich alles erledigt und dachte mir: Warum nicht schon am Mittwochnachmittag aufbrechen? „Erledigt“ klingt, als hätte ich eine Checkliste gehabt, dem ist nicht so. Ich habe viele nerdige Läden besucht, bin in der Gegend herumgefahren, habe viel gesehen und bin noch mehr gegangen. Lindau an sich war nett, aber nach zwei Tagen fürs Erste abgehakt. Von daher wäre der Mittwoch nur aus Spaziergängen, eventuell einem weiteren Museum, Abendessen und ansonsten nichts Besonderem bestanden. Im Hotel schlafen und dann nach Hause fahren klang weniger reizvoll, als noch am selben Tag aufzubrechen. So konnte ich den ganzen Donnerstag zu Hause nutzen, einkaufen, waschen und den Urlaub nachbereiten.
Hinzu kam eine Kleinigkeit, die für mich wichtig war: Ich wollte eine Nachtfahrt machen. Nicht unbedingt die komplette Nacht durchfahren, aber trotzdem nachts unterwegs sein und coole Musik hören. Leider war es eben Mittwoch und nicht Freitag oder Samstag. Das heißt, auf FM4 lief nicht der Programmpunkt „La Boum de Luxe“, sondern etwas anderes. Das hörte ich gerne. Doch um halb neun oder wann auch immer schaltete ich das „La Boum de Luxe“-Programm vom Freitag davor ein: Es lief das Intro. Ich lauschte gespannt. Seltsame Geräusche machten sich breit. Ich wurde skeptisch. Der Moderator kündigte die nächsten zwei bis drei Stunden Programm an und dass er kaum moderieren würde – der Fokus lag auf der Musik. Ich wurde neugierig. Schließlich setzte die Musik ein. Ich war im siebten Himmel. Geile Bässe, fetzige Musik, draußen dunkel und zum Teil nur ich und die Straße. Fantastisch.
Besonders mochte ich jene Abschnitte, in denen ich abseits der Autobahn ein bisschen Rally-mäßig unterwegs war. Viele Kurven, ein regelmäßiger Blick auf Google Maps, um den weiteren Straßenverlauf im Blick zu behalten, und Vollgas. Oder Halbgas oder Bremsen oder was eben auch notwendig war. Ich fuhr zügig, das bedeutet aber nicht rücksichtslos. Ich wollte lebend zu Hause ankommen. Es hat aber schon eine komplett eigene Stimmung, wenn die Beats der Musik durch das Auto dröhnen und man einfach nur fahren kann. Gänsehaut.
Für mich war das der perfekte Abschluss eines wunderbaren Urlaubs. Ehingen, Lindau, Friedrichshafen, Ulm, Bad Tölz, Ravensburg, Wasserfälle und mehr. Ich habe viel gesehen. Außerdem gab es auf der Heimfahrt ein Abendessen im Kloster Andechs. Das Entrecote und der Apfelstrudel als Nachspeise hatten kein Recht, dermaßen gut zu sein. Das Fleisch zart, die Röstkartoffeln perfekt gesalzen, der Apfelstrudel mit Vanilleeis. Und als krönenden Abschluss die La-Boum-de-Luxe-Heimfahrt. Natürlich gab es zwischendurch Gedränge und Arschlöcher auf der Straße. Die sind aber nicht wichtig. Wichtig ist das Gefühl, an das ich mich erinnern möchte. Laute, harte Bässe, fetzige Musik und ich allein auf der dunklen Straße. So fährt man nach Hause.



