
Ich liebe »Invincible«. Zumindest habe ich in meiner Comic-Hochphase die Comics immer wieder gelesen und monatlich verfolgt, bis schließlich die finale Ausgabe erschien. »Invincible« macht es einem allerdings nicht immer einfach. Die besten Geschichten sind jene, die uns mitreißen. Sei es, weil uns die Charaktere ans Herz wachsen, wir tragische Schicksale mitansehen müssen oder Menschen unfassbare Dinge überwinden. »Invincible« fügt viele dieser Faktoren zusammen. Und bereits in dieser Folge können wir wohl absehen, was im Finale der ersten Staffel passieren mag. Aber alles der Reihe nach.
Im Grunde präsentiert uns die vorletzte Folge drei große Veränderungen in der Geschichte: Zuerst bekommt Robot einen echten Körper. Er hat vor einigen Episoden Rex’ Blut abgenommen und sich mit den Mauler Twins zusammengetan, um einen neuen Körper für sich zu züchten. Er hat sich für Rex entschieden, da seine wahrscheinlich erste große Liebe einmal Augen für Rex hatte: Monster Girl. Was schnell zu einem absurden Sci-Fi-Flick hätte werden können, entpuppt sich als gut geschriebene Szene mit Feingefühl. Robot setzt seinen neuen Körper dem Willen der Mauler Twins aus, die sich überraschend einfühlsam zeigen. Besonders als es zum Transfer des Gedächtnisses kommt. Genauer gesagt wird nichts transferiert, sondern kopiert. Und der Übergang ist nahtlos. Nur dass es zukünftig eben nur einen Robot geben kann und nicht zwei, wie bei den Mauler Twins. Wirklich beeindruckend gemacht und ein erster emotionaler Höhepunkt dieser Folge.
Dann haben wir die steigernde Eskalation rund um Nolan. Leider überlebt Donald seine Konfrontation mit Nolan nicht, aber er tut alles für sein Land und um den anderen ein bisschen mehr Zeit zu verschaffen. Cecil wirft alles gegen Nolan, was er hat. Sei es eine Bombe, ein zerstörerischer Space-Laser oder ein wütender Kaiju, dessen Schmerzrezeptoren ausgeschaltet wurden. Aber nichts vermag diesen scheinbar unbesiegbaren Viltrumite aufzuhalten. Nicht einmal The Immortal, der wiederbelebt wurde, hält im Kampf gegen seinen ehemaligen Kollegen und Freund lange stand.
Und schließlich haben wir Mark, der versucht, mit dem Verlust seiner Freundin klarzukommen. Ich weiß nicht, ob ich Amber abkaufe, Marks Geheimnis gewusst zu haben. Sie wirkt schon sehr überheblich und wenn sie eine gute Freundin gewesen wäre, hätte sie Mark die Last des Unwissens abgenommen. Immerhin hat sie doch mitbekommen, wie Mark mit sich gerungen hat. Soll er sie in sein Geheimnis einweihen oder nicht? Sich dann aufzuspielen und ihn eiskalt fallen zu lassen, ist eine Charakterzeichnung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Aber irgendwie musste man Mark wohl zu Eve bringen, sodass Nolan seinen Sohn nicht gleich findet. Ich weiß leider nicht mehr genau, wie es in den Comics gelöst wurde. In der Serie gefällt mir dieser Konflikt allerdings nicht wirklich.
Im Allgemeinen ist Mark über vieles nicht informiert. Weil auch niemand mit ihm redet. Amber redet nicht mit Mark über seine geheime Identität. Debbie redet mit ihrem Sohn nicht über ihre Vermutungen gegenüber Nolan. Auch Cecil weiht ihn nicht ein. Der Einzige, der Mark gegenüber wirklich offen ist und ihm auch mal Dinge sagt, die vielleicht wehtun, die er aber hören muss, ist William. Aber dieser wird seinerseits von Mark für seine schonungslose Offenheit zurückgelassen. An der Kommunikation müssen wohl alle noch arbeiten.
Am Ende jedoch wissen alle wohl oder übel, was Sache ist. Robot weiht die Guardians in seinen wahren Zustand ein. Und die Welt sieht zu, wie Nolan The Immortal ein weiteres Mal tötet und entzwei reißt. Mark und Nolan stehen sich gegenüber. Es ist Zeit für eine der wohl schwierigsten Konfrontationen, die ich kenne. Aber sie gehört zu »Invincible« dazu. Es ist Teil der Geschichte, der Charakterentwicklungen und ein essenzieller Bestandteil. Ich liebe »Invincible«, aber die Geschichte macht es einem nicht immer einfach.
