Invincible | S01E06 – You Look Kinda Dead

Geheime Identitäten zu pflegen, ist sicherlich nicht einfach. Wem sagt man die Wahrheit? Hat man überhaupt eine geheime Identität? Wen gefährdet man? Wen will man schützen? Mark kämpft in dieser Folge viele Schlachten und scheint regelrecht eine Pechsträhne zu haben. Battle Beast hat ihn in der letzten Folge nicht nur an den Rand des Todes gebracht. In seinem geschwächten Zustand muss er außerdem gegen D. A. Sinclairs ReAnimen kämpfen und ist ihnen nahezu hilflos ausgeliefert. Es ist nicht leicht, den titelgebenden Helden so deutlich scheitern zu sehen. Nicht einmal seine schiere Kraft hilft ihm weiter. Weder gegen die ReAnimen noch gegen das Zerbrechen seiner noch jungen Beziehung.

Mit Amber und William besucht er die Upstate University. Ein College, das sie gemeinsam besuchen wollen. Doch der Angriff eines ReAniman und Marks plötzliches Verschwinden sorgen dafür, dass Amber jegliches Vertrauen in Mark verliert. Sagt er es ihr nun oder nicht? Ich bin mir selbst nicht mehr ganz sicher und lasse mich einfach überraschen, was passiert.

William erlebt Invincible unterdessen zum ersten Mal hautnah und erkennt sofort, dass sein bester Freund unter der Maske steckt. Das ist tatsächlich eine tolle Szene. Denn seien wir einmal ehrlich: Wie oft sehen Freunde und Verwandte Superhelden wirklich aus nächster Nähe? Wenn man nicht weiß, wer unter der Maske steckt, und sie nie direkt vor sich sieht, sondern nur unscharf im Fernsehen vorbeihuschen sieht, muss man dann wirklich ein schlechtes Gewissen haben, weil man sie nie erkannt hat? Eher nicht.

Debbie bestätigt unterdessen mit Arts Hilfe die Identität des Angreifers und Mörders der Guardians of the Globe. Ihre Befürchtungen bewahrheiten sich: Die Spuren auf Nolans Anzug beweisen, dass er der Täter ist. Wem sagen sie es? Nolan ahnt derweil, was Debbie und Art herausgefunden haben, und trinkt erst einmal ein gemütliches Bier mit Art. Später konfrontiert die betrunkene Debbie Nolan.

Es sind spannende Szenen, da man nicht wirklich einschätzen kann, wie Nolan reagieren wird. Man kennt seine wahren Absichten nicht. Was ist gespielt und was nicht? Liebt er Debbie oder hat er ihr nur etwas vorgespielt? Schätzt er Art nicht nur als den Mann, der seine Anzüge anfertigt, sondern auch als Freund? Alles Fragen, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten lassen.

Aber kommen wir noch einmal zurück zur Storyline rund um D. A. Sinclair. Wenn ich mich richtig erinnere, war diese Geschichte in den Comics sehr viel breiter aufgestellt. Das Verschwinden von Rick hat sich über mehrere Ausgaben gezogen und William war der Einzige, der es ernst genommen hat. Es war einer der unheimlichsten Handlungsstränge in »Invincible«.

Hilflos jemandem ausgeliefert zu sein, der an einem herumexperimentiert. Jemand, der einem das eigene Selbst und die Handlungsfähigkeit raubt – all das, was uns zu Menschen macht. Am Ende ist jedes Zeichen eines eigenen Selbst ausgelöscht. Sinclair gehört zu den bedrohlichsten Bösewichten. Nicht, weil er mächtig, stark oder von Grund auf böse ist, sondern weil er seine Opfer entmenschlicht und ihnen alles nimmt, sogar ihr eigenes Selbst.

Eve, beziehungsweise Samantha, macht unterdessen das genaue Gegenteil. Sie befreit sich von gesellschaftlichen Zwängen und dem Druck ihrer Eltern – besonders dem ihres Vaters. Sie will helfen. Und genau das tut sie. Sie verhindert Katastrophen, hilft beim Pflanzenanbau und noch bei vielem mehr.

Dabei eröffnet sich eine der wohl größten Fragen in Superheldencomics: Sollen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten diese proaktiv nutzen, um die Welt zu verbessern? Sollen sie nicht nur reagieren, sondern agieren und in das Weltgeschehen eingreifen? Was hier richtig ist und was nicht, wird sich wohl nie abschließend beantworten lassen. Manchmal ist allein die Diskussion einer Frage wertvoll.